Und plötzlich feiern alle Mitarbeiter krank

Freitag, 21.10.2016 09:00 von

Kurz nachdem Air Berlin (Air Berlin Aktie) und Tuifly den Umbau bekannt gegeben hatten, meldeten sich viele Mitarbeiter krank. Ein Zufall? Warum sich Mitarbeiter bedenkenlos kollektiv krank melden können – obwohl sie es gar nicht sind.

Bei Tuifly und Air Berlin fielen zum Start der Herbstferien etliche Flüge aus. Kurz nachdem die Airlines einen tiefgreifenden Umbau bekannt gegeben hatten, meldeten sich viele Mitarbeiter krank. Warum sich ein Großteil der Belegschaft eines Unternehmens oftmals bedenkenlos krank melden kann und aus welchen Gründen Arbeitgeber gegen vorgetäuschte Krankmeldungen in den meisten Fällen machtlos sind, erzählt Alexander von Chrzanowski, Fachanwalt für kollektives Arbeitsrecht, im Interview.

Herr von Chrzanowski, war das kollektive Krankfeiern ein Versuch der Mitarbeiter, die Betriebsänderung zu verhindern?Dieser Verdacht drängt sich natürlich auf, wenn sich kurz nach Bekanntgabe der Maßnahme plötzlich Hunderte Mitarbeiter beim Arbeitgeber krank melden.

Die Krankmeldungen müssen die Airlines so hinnehmen?Ja. Wenn es keine weitergehenden Vereinbarungen im Arbeitsvertag gibt, dann braucht der Arbeitnehmer, sobald er sich unwohl fühlt und deshalb nicht zur Arbeit kommen kann, den Arbeitgeber nur über seine Abwesenheit informieren. Eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung muss er nach dem Gesetz erst nach dem dritten Krankheitstag vorlegen.

Aber es scheint ja offensichtlich zu sein, dass die Mitarbeiter beim kollektiven Krankfeiern aus anderen Gründen zu Hause bleiben.Das Problem ist, dass der Arbeitgeber in der Beweispflicht ist: Er muss nachprüfen können, dass der Arbeitnehmer nur vorgibt, krank zu sein. Im Einzelfall mag das vielleicht in Ausnahmefällen möglich sein. Aber wenn beispielsweise die halbe Belegschaft zu Hause bleibt, ist das unmöglich. Der Arbeitgeber ist bei jedem einzelnen Mitarbeiter in der individuellen Beweispflicht. Denn selbst wenn er vorgetäuschte Erkrankungen bei einem Mitarbeiter belegen kann, kann er nicht behaupten, dass die anderen auch unberechtigt fehlen.

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