ROUNDUP/UN-Generalsekretär mahnt: In Städten entscheidet sich die Zukunft

Montag, 17.10.2016 20:07 von

QUITO (dpa-AFX) - UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat die Weltgemeinschaft dazu aufgerufen, den Klimaschutz in den wachsenden Städten zu stärken und Maßnahmen gegen die Verdrängung von Bewohnern zu ergreifen. "Die Städte sind Motor der Entwicklung, wir müssen ihr Potenzial nutzen, um die Welt zum Besseren zu bewegen", sagte er am Montag zum Auftakt des dritten UN-Weltsiedlungsgipfel in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito. Aus Sicht Ban Ki Moons kommt den Städten eine Schlüsselrolle - er fordert, auf eine soziale und klimafreundliche Stadtplanung zu achten und die Zivilgesellschaft stärker einzubinden.

Die Verdrängung armer Bewohner durch Immobilienspekulationen und der hohe CO2-Ausstoß gelten weltweit als ein Problem in Großstädten. In Quito soll eine neue "Urbane Agenda" verabschiedet werden, die nicht bindend ist, aber als globale Richtschnur für die nächsten Jahre dienen soll. Ban Ki Moon mahnte entschiedenes Handeln an. Auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) nimmt an der Habitat-Konferenz teil, die nur alle 20 Jahre stattfindet und auch der Stärkung von Netzwerken und dem gegenseitigen Lernen dient.

So setzen in Südamerika immer mehr Metropolen auf den Bau von Seilbahnen, um dem Verkehrskollaps vorzubeugen. "Es kommt darauf an, in die richtige Infrastruktur zu investieren. Dafür brauchen die Städte Unterstützung", sagte Bundesbauministerin Barbara Hendricks der Deutschen Presse-Agentur. Rund 70 Prozent der klimaschädlichen Emissionen fallen in Städten an. Daher sollen mehr Elektro-Autos, Rad- und Nahverkehr helfen, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen.

54,5 Prozent der Weltbevölkerung leben heute bereits in Städten. Viele arme Bewohner leiden weltweit unter Verdrängung und hohen Preisen - deshalb werden in Quito auch soziale Maßnahmen zur Vermeidung von immer größeren Slums beraten.

"In den Städten liegen die Schlüssel für eine nachhaltige und klimagerechte Welt", sagte Hendricks (SPD). "Sie müssen in die Lage versetzt werden, die Ansprüche ihrer Bewohner auf menschenwürdiges Wohnen, auf Zugang zu Energie, sauberem Wasser oder Abwasser- und Abfallentsorgung, aber auch auf Bildung und Teilhabe zu erfüllen." Hendricks ist nicht vor Ort in Quito, die Bundesregierung wird dort federführend von Bau-Staatssekretär Gunter Adler vertreten.

Die Präsidentin des Deutschen Städtetages, Oberbürgermeisterin Eva Lohse aus Ludwigshafen, forderte in Quito mehr Selbstbestimmung der Städte und mehr finanzielle Mittel, um die großen Herausforderungen zu meistern. "Dazu zählen beispielsweise die Armutsbekämpfung, die Integration von Flüchtlingen aus Bürgerkriegsgebieten oder auch die CO2- Reduzierung und der weltweite Klimaschutz durch eine nachhaltige Stadtentwicklungs-, Umwelt- und Verkehrspolitik", sagte Lohse./ir/rac/DP/he