ROUNDUP: Betriebsrat will Fortführungskonzept für Kaiser's Tengelmann

Donnerstag, 22.09.2016 11:24 von

DÜSSELDORF (dpa-AFX) - Der Betriebsrat von Kaiser's Tengelmann fordert den Erhalt der hoch defizitären Supermarktkette. "Statt Zerschlagungsszenarien brauchen wir ein Fortführungskonzept das trägt, bis die Gerichte entschieden haben, oder es eine Einigung aller Beteiligten gibt", sagte Manfred Schick, Aufsichtsratsmitglied und Betriebsratsvorsitzender der Region München/Oberbayern, der "Wirtschaftswoche". Für die schwierige Situation des Unternehmens macht Schick auch Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub verantwortlich: "Klar trägt der Eigentümer Verantwortung für die Lage."

Bei einem Spitzentreffen sollte am Donnerstagabend eine Lösung für die angeschlagene Supermarktkette gesucht werden. Im Vorfeld mahnte Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) einen Kompromiss an und appellierte an die Beteiligten, eine Lösung zu finden.

Zu dem Treffen an einem geheim gehaltenen Ort werden die Chefs von Edeka, Tengelmann, Rewe sowie von Verdi erwartet. Das Treffen hatte die Gewerkschaft vermittelt. Branchenprimus Edeka sowie Kaiser's Tengelmann hatten die Fusion vor etwa zwei Jahren beschlossen. Das Bundeskartellamt legte wegen Wettbewerbsbedenken sein Veto ein, das Gabriel über eine sogenannte Ministererlaubnis aushebelte. Rewe hatte beim Oberlandesgericht Düsseldorf Beschwerde gegen die Erlaubnis eingelegt und vorläufig recht bekommen. Damit liegt der Deal auf Eis und droht wegen langwieriger juristischer Auseinandersetzungen zu platzen.

Sollte nicht kurzfristig eine Lösung gefunden werden, könnte bereits am Freitag bei einer Sitzung des Tengelmann-Aufsichtsrats die Zerschlagung des Unternehmens beschlossen werden. Damit wären bis zu 8000 Arbeitsplätze gefährdet.

Der Rewe-Betriebsrat verteidigte das Vorgehen des Kölner Handelskonzerns. "Wir bei Rewe haben sehr viel Verständnis für die schwierige Lage, in der sich die Kolleginnen und Kollegen bei Kaiser's Tengelmann befinden. Aber auch bei unseren Rewe-Mitarbeitern - vor allem in Berlin und in Bayern - gibt es große Sorgen über die Sicherheit der Arbeitsplätze", teilte Gesamtbetriebsratschef Andreas Ratzmann mit. Edeka würde nach einer Fusion mit Kaiser's Tengelmann eine absolut marktbeherrschende Position erreichen. "Dies wäre tatsächlich ein schwerer Schaden für uns", betonte Ratzmann.

Haub hat wegen des langen Tauziehens um die Übernahme mit einem Aus für Kaiser's Tengelmann gedroht. Die Kette verbucht hohe Verluste, Personal geht von Bord, Vermieter verlängern Verträge nicht./hgo/uta/DP/she