Nobelpreisträger: Globale Geldschwemme hilft Wachstum nicht

Sonntag, 25.09.2016 14:25 von

FRANKFURT/BERLIN (dpa-AFX) - Die weltweit anhaltende Schwemme billigen Geldes verfehlt aus Sicht des Wirtschafts-Nobelpreisträgers Edward Prescott ihr Ziel, das Wachstum auf breiter Front stärker anzutreiben. Die Politik massiver Anleihenkäufe, die die Geldmenge immer mehr erhöht, und die Niedrigzins-Strategie der mächtigsten Notenbanken hätten keine größeren Auswirkungen auf die Realwirtschaft, sagte der US-Ökonom der "Welt am Sonntag". Dabei gerieten die Zentralbanken, die eigentlich neutral agieren sollen, zunehmend unter politischen Druck.

Es sei "erwiesen, dass Geldpolitik keine nachhaltigen Effekte auf Wachstum und Beschäftigung hat", meinte der 2004 mit dem Nobelpreis prämierte Wissenschaftler. Etliche Ökonomen vertreten diese These von der "Neutralität" des Geldes. Befürworter der Billionen-Geldschöpfung argumentieren dagegen, dass etwa niedrige Zinsen die Kreditvergabe - und damit indirekt auch Investitionen und Konsum - ankurbeln.

Prescott betonte, dass Regierungen die Notenbanken über das Zinstief beispielsweise auch zur Schuldentilgung durch die Hintertür nutzten, weil die Zinskosten öffentlicher Haushalte so immer geringer würden. "Die aufgeblähte Bilanz der US-Notenbank ist ein Zeichen für die Verlogenheit der Finanzpolitiker, die ihre Schulden einfach auf die Bücher der Notenbank überwälzt", kritisierte der Ökonom.

Die US-Zentralbank Fed hält an ihrer Billiggeld-Politik fest, höhere Zinsen wurden frühestens für das Jahresende in Aussicht gestellt. Die Währungshüter Japans und der Europäischen Zentralbank (EZB) fahren ebenfalls eine extrem lockere Geldpolitik. Die Bundesbank hatte jüngst vor zu raschen Urteilen gewarnt. "Neben Vermögenspreisen wirken sich geldpolitische Maßnahmen generell und die Sondermaßnahmen der letzten Jahre im Speziellen auch auf die konjunkturelle Entwicklung, die Beschäftigung, die gesamtwirtschaftliche Unsicherheit und das Vertrauen der Marktteilnehmer aus", hieß es in ihrem Monatsbericht für den September. Wenn sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt verbessere, komme das gerade ärmeren Haushalten zugute./jap/DP/jha