MH17 stürzt in AKtienmärkte

Sonntag, 03.08.2014 08:57 von

Keine Auswertung der Flugschreiber, keine Veröffentlichung des Funkverkehrs, keine Informationen zu Satellitenaufnahmen oder AWACS-Radaraufzeichnungen. Nichts. Und niemand fragt danach. Stattdessen Dauerberieslung durch Hetze gegen Russland - und keinerlei Beweise.
Liebe Leserinnen und Leser,

diese Woche hatte es wieder in sich. Sie sehen es an den gestrigen Schlagzeilen von T-Online: Schwülwarm und Hitzegewitter, Wegen Kokain: Golfstar gesperrt, Dortmund besteht Härtetest, Lugner will wieder heiraten, Down-Baby zurückgelassen, China schafft Super-Rakete an, EU nimmt Android ins Visier, Nonne vorm Ertrinken gerettet und Mann läuft mit MP durch Ingolstadt .

Sonst war eigentlich nicht viel. Ach ja, die CIA hat eingeräumt, die Mitglieder des Untersuchungsausschusses des Senats, der Foltervorwürfe gegen den Geheimdienst aufdecken sollte, ausgespäht, verunglimpft und falschen Anschuldigungen ausgesetzt zu haben. Die CIA ist ein reiner Auslandsgeheimdienst, dem die Arbeit im Inland untersagt ist. Beim Vertuschen klarer Rechtsverstöße und strafbarer Handlungen macht man da gerne einmal eine Ausnahme. Schließlich gilt es zu wissen, welche Schweinereien die Gegenseite bereits aufgedeckt hat und von welchen sie noch gar nichts weiß

Mit Rechtsstaatlichkeit hat das alles nichts mehr zu tun. Und der bald (teilweise) veröffentlichte, 6.300 Seiten starke Bericht des Untersuchungsausschusses wird noch weiteres zutage fördern: Der Stellenwert der von der CIA unter Folter erzwungenen Geständnisse wurde völlig aufgebauscht und teilweise wurde erst gefoltert, nachdem die Delinquenten bereits ein Geständnis abgelegt hatten. US-Präsident Bush hat all das ebenso wie die CIA selbst stets geleugnet, Präsident Obama zog heute einen offiziellen Schlussstrich unter die Angelegenheit. So einfach geht das?

Nein. Denn was das Ausspähen von Untersuchungsausschüssen betrifft, hat sich zuletzt ja auch die NSA hervorgetan, und zwar hierzulande. Auch dabei dürfte es darum gegangen sein herauszufinden, was wer schon alles weiß und welche Projekte sorglos weiter verfolgt werden können.

Was die NSA betrifft, hat der Snowden-Vertraute Glenn Greenwald seinen für September angekündigten Video-Auftritt vor dem Untersuchungsausschuss gestern abgesagt. Und die Begründung dafür ist nichts anderes als eine schallende Ohrfeige. Denn der Journalist machte klar, dass er nicht bereit sei, an einem Ritual mitzuwirken, das den Anschein einer Untersuchung erwecken soll. Den Parlamentariern und insbesondere der Bundesregierung warf Greenwald leere Symbolik vor und mutmaßte, dass es ihnen wichtiger sei, die USA nicht zu verärgern. Damit dürfte er nicht ganz falsch liegen.

Denn seit Edward Snowdens ersten Enthüllungen ist mehr als ein Jahr vergangen. Und was hat die Bundesregierung bis jetzt unternommen, um die deutsche Bevölkerung vor der allumfassenden Ausspähung und Überwachung zu schützen? Nichts. Und was haben die Medien getan, um diese Untätigkeit zu beenden? Ebenfalls nichts. Womit sich die Frage stellt, warum die ganze Welt vor den USA den Schwanz einzieht anstatt dem Treiben endlich ein Ende zu setzen, zur Not auch unter Inkaufnahme wirtschaftlicher Konsequenzen.

Beredtes Schweigen um MH17

Heute vor einer Woche sollten wir die Auswertung des Flugschreibers und des Voice-Recorders von Flug MH17 präsentiert bekommen. Seitdem ist das Thema aus den Medien und der öffentlichen Diskussion komplett verschwunden, verschollen wie Flug MH370 der Malaysia Airlines. Fortgesetzt wird nur die Dämonisierung der pro-russischen Separatisten, die den Flieger mit einer von Russland gelieferten Rakete vom Himmel geholt haben sollen. Beweise? Nicht einmal ansatzweise oder aber noch under construction.

Das Kartell des Schweigens über das Protokoll des Flugschreibers und des Stimmenrekorders spricht allerdings Bände. Denn jeder weiß, was heute los wäre, wenn die Auswertung tatsächlich auf eine Täterschaft der Separatisten oder eine Mitwirkung Russlands hindeuten würde. Das nährt den Verdacht, dass sich auf den Geräten Beweise für einen ganz anderen Ablauf der Dinge finden - nämlich für einen Abschuss durch die Bordkanonen eines Kampfjets. Und so etwas haben die Separatisten nicht.

Das würde auch erklären, warum die Ukraine bis heute nicht den von Kiew beschlagnahmten Funkverkehr der Piloten mit dem Tower herausrückt und warum es keinerlei Informationen über die militärischen Aufklärungsdaten durch US-Satelliten oder die Radaraufzeichnungen der beiden zum Zeitpunkt des Unglücks in der Luft befindlichen AWACS-Aufklärer gibt. Aber:

Die von einem spanischen Fluglotsen direkt nach dem Vorfall geäußerte Beobachtung, dass MH17 unmittelbar vor dem Absturz Besuch von zwei Kampfjets bekam, erhärtet sich. Und damit auch die Möglichkeit, dass der Flieger durch direkten Beschuss mit einer Bordkanone getroffen wurde. Dazu gibt es nun auch eine Stellungnahme eines OSZE-Offiziellen, der als einer der Ersten das Wrack der Maschine inspizieren konnte (Quelle: Der US-Sender CBC-News).

http://www.cbc.ca/news/world/malaysia-airlines-mh17-michael-bociurkiw-talks-about-being-first-at-the-crash-site-1.2721007

Falls Sie des Englischen nicht mächtig sind: Der aus Kanada stammende OSZE-Sprecher Michael Bociurkiw spricht von Pockennarben durch schweren Beschuss mit einem Maschinengewehr vornehmlich im Cockpitbereich der Boeing, Hinweise auf einen Raketenbeschuss gebe es nicht.

Warum wird diese Aussage von den westlichen Medien totgeschwiegen? Warum gar fragt niemand mehr nach der Auswertung von Flugschreiber und Voice-Recorder? Vermutlich weil die Gefahr bestünde, dass das schöne Feindbild dann nicht länger zu halten wäre und stattdessen eine Verwicklung (zumindest) der Ukraine oder gar eine False flag-Operation zutage treten könnte. Wenn Sie mich fragen: Wir werden noch erfahren, was sich auf Black Box und Stimmenrekorder befunden haben soll. Nicht aber, was sich wirklich darauf befand. Vermutlich wird es zur Aussage kommen, dass die Daten leider auch keinen brauchbaren Hinweis auf den Ablauf der Ereignisse gegeben hätten.

Von wenigen Ausnahmen abgesehen ist die westliche Berichterstattung zu MH17 nichts anderes als Propaganda und Demagogie. Vielleicht erinnern Sie sich noch an den Filmausschnitt, in dem ein pro-russischer Separatist angeblich triumphierend ein in den Trümmern des Fliegers gefundenes Stoffteil in die Kamera hält. Was Sie nicht gezeigt bekommen ist, dass der Mann dieses Stofftier dann wieder ablegt, seine Mütze absetzt und sich bekreuzigt. Wenn Sie sehen wollen: http://www.youtube.com/watch?v=xLdRBaL4-wU#t=307

Ja, ja, bei der ARD sitzen Sie in der ersten Reihe und mit dem Zweiten sieht man besser. Und müssen für diese Art von Desinformation Geld bezahlen, ob Sie wollen oder nicht. Was Desinformation betrifft, jährt sich übrigens heute zum 50. Mal der sgn. Zwischenfall von Tonkin, den die USA als Vorwand für den Kriegseintritt gegen Vietnam nahmen, was 2,5 Millionen Vietnamesen das Leben kostete. Seit der Veröffentlichung der sgn. Pentagon-Papiere durch Pentagon-Mitarbeiter Daniel Ellsberg 1971gilt es als gesichert, dass es sich bei diesem Vorfall um eine bewusste Täuschung durch die US-Regierung handelte, die einen Grund zum Kriegseintritt suchte.

Wall Street: Knistern im Gebälk

Bei uns sind es Ifo-Geschäftsklima-Index und der ZEW-Konjunkturerwartungs-Index, die sich mittlerweile deutlich vom Optimismus der meisten Anleger abgekoppelt haben.

Und in den USA war es der Chicago-Einkaufsmanager-Index, der den bullish gestimmten Analysten einen Strich durch die Rechnung machte. Denn während die Experten mit einem Anstieg von 62,6 auf 63,0 Punkte gerechnet hatten, plumpste der Indikator um genau zehn Punkte nach unten.

Mit jetzt 52,6 liegt er zwar immer noch oberhalb der Marke von 50, die gemeinhin als Trennlinie zwischen Auf- und Abschwung gilt, der Absturz war allerdings ungewöhnlich scharf. Nachdem sich die Analysten eine Woche zuvor bei der Anzahl verkaufter Neubauten ebenfalls kräftig verschätzt hatten und Fed-Chefin Janet Yellen am Mittwoch trotz der offiziell guten Daten vom US-Arbeitsmarkt erneut von Problemen im Beschäftigungssektor sprach, scheinen hinter den Erfolgsmeldungen der vergangenen Monate langsam ein paar Fragezeichen angebracht zu sein.

Neben dem Baltic Dry-Index und dem HARPEX (siehe pp-Newsletter vom verg. Samstag) spricht auch der trotz aller Krisen sinkende Ölpreis für eine Abschwächung der Weltkonjunktur. Denn ein Minus von 7,8 Prozent in nur fünf Wochen beim Barrelpreis der Sorte Brent ist schon einmal eine Hausnummer, die nicht zu übersehen ist.

DAX: Jahresplus vernichtet

Wer wissen will, wohin die Reise am deutschen Aktienmarkt geht, ist immer gut beraten, den Blick erst einmal nach New York zu richten. Tun wir das.

Der Chart des Dow Jones erreichte vor zwei Wochen mit 17.100 Punkten ein neues Rekordhoch und ging gestern Abend 3,14 Prozent unterhalb dieses Allzeithochs aus dem Handel. Das ist so gut wie nichts, sicher. Aber es hat ausgereicht, um den Kurs unter die vom Novembertief 2012 ausgehende Aufwärtstrendlinie zu schicken. Und das ist dann schon etwas und unterscheidet diese kleine Korrektur von allen anderen der vergangenen 21 Monate.

Beim DAX liegt das Allzeithoch vom 3. Juli mit 3,84 Prozent ebenfalls nicht weit entfernt. Dass der DAX-Chart statt auf Wochenbasis auf Tagesbasis abgebildet wurde, hat einen ganz einfachen Grund. Denn so wird erkennbar, dass der Index nun im Gegensatz zum Dow Jones unter seinen 200 Tage-GD gefallen ist.

Über Sinn oder Unsinn eines solchen gleitenden Durchschnitts lässt sich streiten. Immerhin aber gilt er vielen Großanlegern als Entscheidungskriterium zwischen Bullen- und Bärenmarkt.

Im auf Wochenbasis geführten Langfristchart wird erkennbar, dass der DAX gestern exakt bis auf die obere Parallele der seit März 2009 etablierten Aufwärtstrendlinie zurückgesetzt hat. Wird diese Auffanglinie unterkreuzt, sehen wir die nächsten Unterstützungen bei 9.000 Punkten und dann bei knapp 8.200 Zählern.

Summa summarum ist die Wahrscheinlichkeit eines nachhaltigen Trendwechsels nach unten trotz der bisher ja nur sehr geringen Verluste jetzt weitaus größer als eine Wiederaufnahme der Hausse. Gegenbewegungen nach oben sind natürlich nicht auszuschließen. Sollten sich im Umfeld des Absturzes von MH17 allerdings frappierende Neuigkeiten ergeben, die auf eine Verwicklung der Ukraine oder gar westlicher Militärs schließen lassen, sieht die Sache noch einmal ganz anders aus. Erst einmal bleibt festzuhalten, dass wir sowohl im DAX als auch im Dow Jones charttechnische Trendbrüche haben.

Wer sich mit den in diesem Jahr bis jetzt dank der wirren Swings wenig erfolgreichen Index-Tradings micht auseinandersetzen mag, kann auch mit Einzelwerten des DAX viel Freude haben. In private profits beispielsweise liegen momentan nur fünf der 30 Long- und Shortsignale nicht in der Gewinnzone. (www.private-profits.de). Beim Wochenverlierer adidas stehen wir bereits seit 86,12 Euro auf der Shortseite (Kurs gestern 58,35 Euro). Und bei Deutsche Bank seit 35,89 Euro (Kurs gestern 22,25 Euro).

So oder so: Die Verkaufssignale bei Dow Jones und DAX sind so gut wie fertig. Sehen wir eine Erholung und danach den Marsch unter die Freitags-Tiefs, ist es Zeit. Zeit, sich für den ersten neuen Trend des Jahres zu positionieren.

Viel Erfolg und beste Grüße!

Axel Retz
www.private-profits.de
www.moneyversum.de


Axel Retz
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Axel Retz betreibt seit September 2007 die Webseite www.private-profits.de. Seit 1987 war der Autor als Chefredakteur/Chefanalyst der bekanntesten deutschen Börsenverlage (Börsenbuch-Verlag, TM BÖRSENVERLAG AG, Investor/FID-Verlag) tätig. Schwerpunkt seiner Arbeit sind drei Börsendienste unterschiedlichen Risikoprofils, von konservativ-sicherheitsbetont bis aggressiv-spekulativ.