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Deutsche-Bank-Chef: Staatshilfen 'für uns kein Thema' - Keine Kapitalerhöhung

Mittwoch, 28.09.2016 00:07 von

BERLIN (dpa-AFX) - Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank sieht keinen Bedarf für eine staatliche Unterstützung seines Instituts. In einem Interview mit "Bild" (Mittwoch) sagte John Cryan laut Vorabmeldung auf die Frage, ob die Bank Staatshilfen brauche: "Das ist für uns kein Thema." Der Manager wies zugleich Berichte und Spekulationen über angebliche Gespräche mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) über Staatshilfen für die Deutsche Bank (Deutsche Bank Aktie) zurück. "Ich habe die Bundeskanzlerin zu keinem Zeitpunkt um Hilfe gebeten. Ich habe auch nichts dergleichen angedeutet.", sagte Cryan. Er könne auch nicht verstehen, "wie jemand das behaupten kann".

Auch seine Aktionäre will der Deutsche-Bank-Chef nicht um Hilfe bitten. "Die Frage einer Kapitalerhöhung stellt sich derzeit nicht", sagte der Manager. Die Bank erfülle alle aufsichtsrechtlichen Kapitalanforderungen. Sie habe "weitaus weniger Risiken in den Büchern als früher" und sei "komfortabel mit freier Liquidität ausgestattet". Der Vorstandschef bezeichnete die Lage der Deutschen Bank als besser, als sie derzeit von außen wahrgenommen werde. Für "viel Unruhe" habe aber das Bekanntwerden der Forderung des US-Justizministeriums von 14 Milliarden Dollar (Dollarkurs) gesorgt, sagte Cryan. "Dabei war von Anfang an klar, dass wir diese Summe nicht zahlen werden." Er gehe davon aus, "dass uns das Justizministerium genauso fair behandelt wie die amerikanischen Banken, die sich bereits verglichen haben".

Beim geplanten Umbau des Instituts sieht sich der Manager auf einem guten Weg. Beim anvisierten Abbau von insgesamt 9000 Stellen sei die Bank "im Plan. Die Verhandlungen mit den Betriebsräten sind weitgehend abgeschlossen." Der Vorstandschef betonte, er halte am geplanten Verkauf der Postbank fest: "Alles ist vorbereitet, wir könnten die Postbank morgen in neue Hände geben - aber dann muss der Preis stimmen. Wir haben Zeit."

Auf die Frage, ob es im nächsten Jahr wieder einen Bonusverzicht für die Vorstände wie 2016 geben werde, sagte Cryan: "Wir stecken in einem schwierigen Umbau, das wissen alle. Niemand hegt unrealistische Erwartungen."

Mit Blick auf die Entscheidung Großbritanniens, die Europäische Union zu verlassen, sagte der Vorstandsvorsitzende: "Wir werden ganz flexibel auf die Wünsche unserer Kunden reagieren. Wenn die zum Beispiel verstärkt Geschäfte auf dem europäischen Festland abwickeln wollen, werden wir entsprechend Kapazitäten verlagern - vor allem nach Frankfurt." Cryan betonte, der EU-Austritt Großbritanniens werde der Konjunktur schaden. "In jedem Fall wird ein EU-Austritt Großbritanniens negativen Einfluss auf die Konjunkturentwicklung in Europa haben"./he/mis