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Bevölkerungsforscher: Keine überzogenen Erwartungen an Eltern

Mittwoch, 31.08.2016 05:49 von

MAINZ (dpa-AFX) - Der Direktor des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) appelliert an Politik und Gesellschaft, keine überzogenen Erwartungen an Mütter und Väter zu stellen. "Wir müssen Druck von den Eltern nehmen", sagte Norbert F. Schneider zum Start der Europäischen Bevölkerungskonferenz am Mittwoch in Mainz. Dann sei es für Paare einfacher, sich für Kinder zu entscheiden. Bei der Konferenz, die erstmals in Deutschland stattfindet, geht es ab Mittwoch vor allem um Fruchtbarkeit und um den Wandel der Familie.

Schneider sieht einen Zusammenhang zwischen der niedrigen Geburtenrate in Deutschland und den negativen Bildern von Müttern und Vätern in der Gesellschaft. Entweder würden Frauen als Rabenmütter klassifiziert, die arbeiten gehen und sich zu wenig um die Kinder kümmern, oder als Glucken, die von ihren Männern abhängig und unzufrieden sind. "Es gibt keine positiv besetzten Leitbilder", sagte Schneider.

Eine Arbeitsgruppe rund um Sabine Diabaté untersuchte am BiB in Wiesbaden Familien-Leitbilder. "Die Menschen schätzen die öffentliche Meinung konservativer ein als sich selbst", sagte Diabaté. So fanden in einer repräsentativen Umfrage auf der persönlichen Ebene nur 29 Prozent, dass der Mann allein die Familie ernähren können müsse. Auf der Ebene der Allgemeinheit hingegen denken 75 Prozent der Befragten, der Mann müsse diese Versorger-Rolle einnehmen.

Institutsdirektor Schneider forderte von der Wirtschaft mehr Einsatz für weitere Teilzeitarbeitsplätze. Er plädierte für Arbeitsmodelle, die nicht nur Vollzeit, also 40 Stunden die Woche, und halbe Stellen, also 20 Stunden die Woche, kennen. "Eigentlich bräuchten wir 25 und 35, oder 27 und 33 Stunden", sagte er. Damit komme ein Paar zusammen ebenfalls auf 60 Wochenstunden. Auch Väter wollten heute mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen.

Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) setzt sich ebenfalls für eine gleichmäßigere Aufgabenteilung ein. Doch einen konkreten Gesetzentwurf gibt es - auch wegen des Widerstands der Union - nicht.

Zu der mehrtägigen Bevölkerungskonferenz - der größten in Europa - werden 950 Teilnehmer aus 56 Nationen erwartet. Auch Alterung und Sterblichkeit werden zu den Hauptthemen gehören. Eine alternde Bevölkerung wie die in Deutschland führe nicht notwendigerweise in die Krise, betonte Schneider. "Wir haben nicht einmal empirische Evidenz, dass die Altersphase länger wird. Vielmehr dauert das mittlere Erwachsenenalter heute länger, nämlich von 20 bis 70 statt von 20 bis 50."/fdo/DP/stk