Wo immer man auch hinschaut eine Fehleinschätzung jagt die andere. Im Forum hier wie im Vorstand meiner Hausbank. War ich noch zu Zeiten des Betrügervorstandes davon überzeugt, dass sich das Denken der Verantwortlichen bald in Richtung des 21. Jahrhunderts aufmacht, so bin ich inzwischen eines schlechteren belehrt worden.
Dem hat sich die Beurteilung hier im Forum leider angeschlossen. Daraus resultiert das Erwarten einer Bodenbildung. Au Backe !
Im Roman begann alles mit dem Schmieden der großen Ringe. Bei meiner Hausbank begann alles mit dem Erwerb der Postbank. Noch zu Zeiten eines schweizer Leithammels eingefädelt, war es eigentlich eine Investition, die deutlich zukunftsweisend geprägt werden sollte. Doch dann musste Ackermann gehen und an seine Stelle trat ein Vorstand dessen Londoner Prägung sofort spürbar in die strategische Ausrichtung einschlug.
Oh, nein, nicht dass er Rechtschaffenheit und Ehrlichkeit zurück in die Handlungsmaximen brachte, nein es war ganz anders und viel schlimmer.
Durch die Londoner Finanzwelt geprägt ist das Weltbild eines modernen Finanzinstitues des 21. Jahrhnderts an die regionale Finanzwelt genüpft worden, ohne die völlig andere Welt des Deutschlands im 21. Jahrhundert zu berücksichtigen. In London sind es die Global Player, die im überschaubaren Rahmen die minderen Geschäfte tätigen, die seit Jahrzehnten ihren eingespielten Rahmen nicht verlassen haben. Dort war auch das "große Bankgeschäft" der Deutschen Bank zu Hause, das als Weltmarktführer die Devisenordnung prägte. Da waren alle anderen Geschäfte dagegen wirklich nur Peanuts, die kaum der Rede wert waren.
Doch die Zeit hat sich geändert. da wo früher noch die Devisengeschäfte mit einer einzigen Nationalbank (=Fed) durch die deutsche Bank abgewickelt worden sind und ihr so viel Gewinn eingebracht aheben, sind jetzt zwei (mit der chinesischen Notenbank sogar drei) Anlaufpunkte gebildet worden, die sogar das Geschäft jetzt selbst und direkt mit den Banken ohne die Deutsche Bank abwickeln. Damit brechen Strukturenn weg, die über die 70er und 80er Jahre geprägt und aufgebaut worden sind.
Heute ist aber der 28.1.2016 und da sind die Verhältnisse geändert worden. Nicht mehr das einstige Großkapital bringt den Ertrag für eine Bank sondern die privaten Kunden. Also genau der Kundenkreis, den man in London verächtlich gar nicht haben wollte und will. Das war der Beitrag den der neue Vorstand nach Ackermann in die Deutsche Bank mitbrachte. Dieser Beitrag traf aber auf eine gekaufte Postbank, die dazu nicht passte. Die Zeit verstrich, die Londoner Chefetage musste und muss gehen, was blieb ist die Postbank und mit ihr die veränderte Geschäftswelt der Banken.
Schon mit bittersten Tränen mussten die Anleger der Commerzbank erfahren, was es heisst ohne Perspektive eine Fremdbank (Dresdener Bank) zu kaufen, die zwar fundamental ins Geschäftsfeld passte aber eben nicht rechtzeitig eingegleidert werden konnte bevor die Bankenkriese einsetze. Bei der Deutschen Bank ist es nicht anders aber weiter fortgeschritten in der zeitlichen Veränderung des Marktes und des Marktumfeldes. Eine Bank im 21. Jahrhundert verdient nicht mehr Geld am Geld sondern mit Kunden.
Gerade wir in Deutschland merken das vielmehr als irgendwo anders auf der Welt. Hier regiert die Realwirtschaft, und mit ihr der arbeitende Beschäftigte und der Konsument. Nicht auf Kredit wie in den USA sondern mit hohen und weiter steigenden Löhnen. Keine riesigen Investitionen, die finanziert werden müssen bringen durch Kredite den Banken Gelder, stattdessen ist die Kapitaldecke der meisten großen Unternehmen so groß, dass sie selbst Automobilwerke neu aus eigenen Finanzmitteln decken können.
Nein, hier gilt es wieder echte Bankkaufmannskunst an den Kunden zu bringen, was aber ohne Kunden in großer Stückzahl, ohne ausreichende Kontaktmöglichkeiten und ohne genügend Personal nicht möglich ist. Und genau hier setzt die Postbank an. Sie hat einen großen Kundenkreis, der auf alle zeitlichen Perspektiven eine Ausrichtung der Strategie rechtfertigt, die den Londoner Strukturen in der Deutschen Bank eine berechtigte Absage erteilen muss.
Die Zeit des Großkapitals als Gewinn bringendes Geschäftsmodell ist zwar nicht vorüber aber stark reduziert. Die Zeit der Orks äh der Hobbits äh der Privatkunden ist gekommen. Von ihnen geht eine neue moderne Art des Geschäftsmodells für Banken aus. Es ist beratungsintensiv und aufwendig. Das aber lässt sich der Kunde in Deutschland gerne auch etwas mehr kosten als das blose Internetbanking, das zwar seine Berechtigung hat, aber eben nicht alles weitere ersetzen kann. Hier ist gerade die aktuelle Einkommenslage- und Entwicklung in Deutschland ein weiterer Förderer des Qualitätsprinzips, was auch oder gerade im Servicebereich spürbar ist.
In dieser Lage nicht ausreichend das eigene Geschäftsmodell zu hinterfragen und an die Realwirtschaft anzupassen in dem man die Postbank entsprechend vollständig eingliedert und die durchaus vorhandenen Synergieeffekte mitnimmt, deutet auf ein Fortschreiten des geschäftlichen Niedergangs hin, der unabhängig vom unseriösen Geschäftsgebaren eintritt.
Ich war bereits Anleger bei der Deutschen Bank und würde gerne auch mal in ferner Zukunft wieder dort investieren, muss aber feststellen, dass die Deutsche Bank im Gegensatz zur Commerzbank, die zwar fundamental angeschlagen ist aber ein intaktes Geschäftsmodell besitzt, ein intaktes Geschäftsmodell des 21,Jahrhunderts vorweisen kann, selbst wenn die Altlasten abgearbeitet sind. Da kann das Warten auf einen Boden zum Dornröschenschlaf ausarten.
Alles Gute
Der Chartlord