Da ein Finanzkrach meist einem Wirtschaftseinbruch vorangeht, kann rückblickend der falsche Eindruck entstehen, die Finanzmärkte hätten die reale Wirtschaft in den Abgrund gestoßen.
Tatsächlich aber sind es die Finanzmärkte, die mit ihrer Kreditvergabe die reale Wirtschaft am Laufen halten, indem sie kreditfinanzierte Massennachfrage erzeugen. Dies erst ermöglicht die Defizitkonjunkturen. Kredit ist bekanntlich die wichtigste "Ware" der Finanzwirtschaft.
Erst der Zusammenbruch der Immobilienblasen im Jahr 2008 und die damit einhergehende "Kreditklemme" ließen die Nachfrage wegbrechen, was zur Wirtschaftskrise von 2009 führte. Das jahrzehntelange Wachstum der Finanzmärkte seit 1980 war und ist selbst eine Folge der aus fortschreitenden Rationalisierungsschüben resultierenden Krise der Arbeitsgesellschaft.
Wenn die Verwertung von Kapital in der realen, warenproduzierenden Wirtschaft stockt und zunehmende Verdrängungskonkurrenz die Renditen absenkt, dann strömt anlagewilliges Kapital in die Finanzmärkte.
Generell gilt, dass Finanzexzesse auf eine Krise in der Warenproduktion hindeuten.Die rasch expandierenden Finanzmärkte haben die Rolle des Leitsektors der Wirtschaft übernommen, da Strukturwandel in der realen Wirtschaft nicht mehr funktionierte. Diese finanzielle Explosion ab den 80ern - und verstärkt ab den 90ern - des 20. Jahrhunderts war aber auf Dauer nicht tragfähig. Das explosionsartige Wachstum der Finanzwirtschaft war und ist auf Sand gebaut.
Aufgrund der systemischen Überproduktionskrise in der realen Wirtschaft expandierten die Finanzmärkte hauptsächlich in eine andere Richtung. Sie driften immer stärker in Richtung reine Spekulation ab, was zwangsläufig zu Blasenbildungen führt. Wir haben es seit fast drei Jahrzehnten mit einer Art Finanzblasenkapitalismus zu tun, der durch das Aufsteigen immer größerer Spekulationsblasen gekennzeichnet ist. In ihrer Aufstiegsphase fungieren diese Blasen als regelrechte Konjunkturmotoren [das galt z. B. zunächst auch für die US-Hausblase, die ja reale Arbeitsplätze schuf]. Doch bei ihrem unvermeidlichen Platzen hinterlassen diese Blasen immer stärkere Verwüstungen.
Die Entwicklung ist ein lang dauernder Prozess, bei dem die Abhängigkeit des Gesamtsystems von der Verschuldungsdynamik sukzessive ansteigt: Es begann mit der Asienkrise Ende der 90er, gefolgt von der Jahr-2000-Hightech-Blase und der 2008 geplatzten Immobilien-Blase. Aktuell kulminiert diese Entwicklung in der geradezu irrsinnigen "CyberCoin"-Blase sowie der zentralbankgetriebenen Monsterblase am Aktienmarkt. Wer glaubt, dass diese Blase anders enden wird als die vorangegangenen, ist ein Träumer.
Typsch für diese Entwicklung war und ist, dass die verheerenden Folgen der jeweils zusammenbrechenden Spekulationsblasen nur durch erneute, nun noch stärkere Blasenbildung in den Griff zu bekommen waren - durch eine blinde "Flucht nach vorn" in Gestalt noch üblerer Spekulationsexzesse.
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