Das kann man eigentlich kaum einschätzen, zumal es auch auch noch das in diesem Falle nicht gerade völlig unwahrscheinliche Szenario von "sell on good News" geben könnte!
Ich denke gerade an die zähen Verhandlungen der Amerikaner über die Anhebung der Schuldenobergernze im Sommer 2011.
Es hat doch keiner ernsthaft daran geglaubt, das die Rep. und Dem. so irrational handelten, sich nicht auf den letzten Metern zu einigen. Die Märkte hatten die Einigung meines Erachtens längst eingepreist. Als die Kuh endlich vom Eis war - Zack - Die Märkte fingen auf einmal an zu fallen, und ca 1 Woche später begann dann der große Rutsch.
Im Zusammenhang mit den Griechen erinnere ich mich im letzten Jahr ebenfalls an "Sell on Good News"-Phänomene. Einmal hatte Papandreou in einer Mittwochnacht die Vertrauensfrage gestellt, die mit dem Beschluss eines weiteren Sparmaßnahmenbündels gekoppelt war.
Auch hier haben wohl die wenigsten mit einem Scheitern gerechnet.
Beschließen kann man sowas ja erstmal, um an weitere Hilfsmill. zu gelangen. Ob man diese Maßnahmen dann auch entsprechend umsetzt, steht dann u.U. auf einem ganz anderen Blatt. Spieltheoretisch bedeutet das: Wollen sie sparen, werden sie es beschließen. Wollen sie nicht sparen, werden sie es wahrscheinlich dennoch beschließen.
So konnte man schön beobachten, dass die Aktienkurse vor diesem Ereignis sukzessive gestiegen sind. Als es dann alles wie erwartet ausgegangen war - Schwups - erstmal ne Korrektur.
Wenn man sich überlegt, dass die Aktienkurse seit 3 Wochen steigen und steigen, erscheint die Einigung über den Schuldenschnitt schon eingepreist.
Dass die Einigung scheitert, kann ich mir nur schwer vorstellen. Die Bereitschaft auch nur darüber nachzudenken, "freiwillig" auf seine Ansprüche zu verzichten, wäre wohl nicht gegeben, wenn das Alternativszenario von den Teilnehmern nicht weitaus katastrophaler eingeschätzt werden würde - so schlimm offenbar, dass selbst ein Verzicht von über 70% der Forderungen noch diskutabel ist, obwohl sie dabei gleichzeitig ihre Absicherungen mit CDS verlieren.
Wenn der politische Wille zu dieser Einigung denn so groß ist, wird man es wohl kaum an den letzten paar Prozenten scheitern lassen. Wenn es tatsächlich gar nicht geht, wird wohl nach weiteren Verzögerungen am Ende irgendwas zusammengebastelt werden, was zumindest nach einer Einigung aussieht.
Am Wahrscheinlichsten sehe ich den Fall, dass am Ende eben doch die EZB und auch Staaten an diesem Schuldenschnitt beteiligt werden.
Es könnte nach dem Schuldenschnitt allerdings durchaus noch ein "ätschi-bätsch" der Griechen geben, die nach den kurz darauf folgenden Parlamentswahlen eine Regierung haben könnten, die es vielleicht besser findet, doch keine Sparanstrengungen zu unternhmen, oder gar doch noch aus dem Euro auszutreten!
In diesem Sinne könnte es auch sein, dass erstmal so etwas wie eine vorvertragliche Vereinbarung getroffen und gleichzeitig eine kleine Übergangshilfe geleistet werden würde, um die Verpflichtungen ihrer Anleihen im März ersteinmal bedienen zu können.
Wie die Märkte nun auf all das reagieren würden, kann man eigentlich nur abwarten und bis dahin sowohl mit long als auch mit short besonders vorsichtig sein.
Schadet nichts, im Zweifel auch mal an der Seitenlinie zu stehen.