Der jüngste Rücksetzer beim Öl (Chart in # 678) ließ, scheinbar logisch, Aktien zu einem Dead Cat Bounce ansetzen. Denn wenn sie vorher gefallen waren, WEIL Öl stark stieg (wegen Libyen), ist es (scheinbar) logisch, wenn sie nun steigen, WEIL Öl wieder fällt.
Die Sache ist jedoch etwas Komplizierter, denn die Ölschwäche geht einher mit einer übergeordneten Schwäche in anderen Commodities, die offenbar aus Risikoaversion erwächst: Baumwolle fiel heute fast 5 %, Kupfer hat seinen langen Aufwärtstrendkanal nach unten verlassen....
http://www.ariva.de/...A_Baeren_Thread_t283343?page=3052#jumppos76305Gold hat nach kurzem Upspike ebenfalls wieder den Rückwärtsgang eingelegt, Silber stürzte förmlich ab (# 692).
Meine Prognose: Aktien werden demnächst (weiter) fallen, weil nun auch die Commodities (als wichtiger Bestandteil der allgemeinen Assetblase) infolge wachsende Risikoaversion absacken. Es könnte eine längere parallele Abwärtsbewegung geben wie die ab Herbst 2008, als der SP-500 über 50 % verlor und Öl ab dem Sommer-Hoch 80 % (wenn auch wohl weniger heftig).
Dabei greift "börsenpsychologisch" der gleiche Mechanismus wie in der Rohstoffblase 2008: Damals stiegen Aktien zunächst synchron mit Öl, Metallen, Rohstoffen, weil der SP-500 so viele Energie- und Minenkonzerne enthält. Höhere Rohstoffpreise sorgen bei diesen Firmen für höhere Gewinne. Als Sektor treiben sie dabei auch den Gesamtindex hoch.
Ab einer gewissen Rohstoff-Preishöhe aber beginnt das Ganze zu kippen. Die Wahrnehmung verschiebt sich dahingehend, dass der hohe Ölpreis den US-Konsum lahmzulegen droht (es fließen zu viele Dollars in die Ölförderstaaten ab, die sonst im US-Konsum gelandet wären). Zugleich sinken die Margen der Firmen, weil sie die hohen Rohstoffpreise nicht (oder nicht schnell genug) auf die Preise umlegen können. Die Sorgen vor dem Konsum- und Margenrückgang lassen die Aktien-Indizes nun wieder sinken. Dies zieht auch die zuvor starken Energie- und Ölaktien mit runter.
Infolge der wachsenden Risikoaversion bröckeln auch die hohen Rohstoffpreise weg (an dem Punkt sind wir mMn auch jetzt), was zusätzlich auf den Öl/Energie-Sektor - und damit auf die Indizes drückt. So kommt ein Assetklassen übergreifendes Abwärtsmomentum in Gang: Die Baisse nährt die Baisse, wie zuvor Hausse die Hausse genährt hatte. Das grassierende Algo-Trading verstärkt die vorherrschenden Trends zusätzlich.
FAZIT: Der laufende Downtrend könnte wesentlich weiter laufen, als die Dip-Buyer für möglich halten. Er wird auch eine ungeahnte Breite (inkl. Commodities) haben.