Die Hoffnungen auf ein baldiges Anziehen der Konjunktur haben einen Dämpfer bekommen. Der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) in Mannheim veröffentlichte Index zur Konjunkturerwartung fiel im Juli leicht um 5,3 auf 39,5 Punkte. In den vergangenen Monaten war der Index noch gestiegen. Auch das ifo-Institut meldete neue, besorgniserregende Zahlen.
Kreditklemme bleibt Risiko für Unternehmen
Ein erhebliches Risiko für die weitere konjunkturelle Entwicklung sei laut ZEW die mangelnde Vergabe von Krediten an Unternehmen und Haushalte. Besser beurteilen die befragten Experten die Entwicklung der Auftragseingänge und der Industrieproduktion. Der entsprechende Indikator steigt geringfügig um 0,4 Punkte auf minus 89,3 Punkte.
ZEW sieht bisherige Negativprognosen bestätigt
Mit den jüngsten Zahlen sieht das ZEW die bisherigen Prognosen von einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um sechs Prozent in diesem Jahr bestätigen. "Die Wachstumsraten dürften sich bis ins nächste Jahr entlang der Nulllinie entwickeln", meinte ZEW-Präsident Wolfgang Franz.
"Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer"
Volkswirte sprachen von einer negativen Überraschung. Die ZEW-Daten zeigten erneut, "eine Schwalbe macht noch keinen Sommer und vereinzelte gute Konjunkturmeldungen machen noch keinen neuen Aufschwung", erklärte die NordLB.
Weniger Ausrüstungsinvestitionen
Auch aktuelle Zahlen des Münchner ifo-Instituts zeigen, dass die Rezession noch nicht vorbei ist. Die Wirtschaftsforscher erwarten einen massiven Einbruch bei den Ausrüstungsinvestitionen der Industrie. Für das laufende Jahr prognostizieren das ifo-Institut einen Rückgang "in der Größenordnung von 20 Prozent".
ifo-Experte sieht schwarz
Dies sei noch schlechter als die Frühjahrsprognosen der Wirtschaftsforschungsinstitute, die ein Minus von 17,7 Prozent vorhersagten. Auch für das erste Halbjahr 2010 sieht Joachim Gürtler vom ifo-Institut schwarz: Er erwartet bei den Investitionen ein Minus von sieben bis acht Prozent im Vergleich zu 2009. Der Rückgang schwäche sich zwar ab, von einer Erholung könne aber nicht gesprochen werden, sagte er. Genauere Zahlen wollte Gürtler nicht nennen. Dies erwecke den Eindruck einer Scheingenauigkeit, die derzeit nicht angemessen sei.
Wegbrechende Nachfrage
Als wesentlichen Grund für die abstürzenden Investitionen sieht der Experte die wegbrechende Nachfrage. Dadurch sinke auch die Auslastung der Industrieanlagen, die im April bei 71,5 Prozent gelegen habe. Dies sei ein Minus von 16 Prozentpunkten im Vergleich zum April 2008 und rund 12 Prozentpunkte unter dem langjährigen Mittelwert seit 1992. Jedes zweite befragte Unternehmen habe seine Kapazitäten im April als zu groß bewertet. Die daraus resultierende Investitionszurückhaltung betreffe nicht nur Neuaufträge heißt es in der ifo-Prognose. Es würden auch immer mehr Aufträge storniert. In einigen Industriezweigen habe sich die Quote der zurückgenommenen Bestellungen vervierfacht.
"Bankraub: eine Initiative von Dilettanten. Wahre Profis gründen eine Bank. " Bertolt Brecht