Berlin, 01. Jul (Reuters)
Der Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, hat die Banken gegen den Vorwurf verteidigt, die niedrigen Leitzinsen und Liquiditätshilfen der Notenbanken nicht angemessen an ihre Kredit-Kunden weiterzugeben. Auf einer Veranstaltung der "European School of Management and Technology" in Berlin sagte er am Mittwoch, die Banken finanzierten ihre Kreditausleihungen an Unternehmen nicht vornehmlich aus solchen Zentralbankgeldern. "Man darf das nicht zu einfach machen", warnte er. Die Refinanzierungskosten der Banken insgesamt bewegten sich vielmehr weiterhin auf einem erhöhten Niveau.
Zudem verwies Ackermann auf steigende Risiken für die Banken durch die Krise, was ihnen wiederum höhere Kapitalpuffer abverlange. "Das macht es schwierig, das Niveau an Ausleihungen zu halten", sagte er. So lange die Marktbedingungen angespannt blieben, müssten auch die Kreditnehmer mit vergleichsweise hohen Finanzierungskosten rechnen, sagte Ackermann. Der These von einer Kreditklemme in der deutschen Wirtschaft widersprach er mit Hinweis auf weiterhin positive Veränderungsraten bei den Kreditausgabe-Volumina gegenüber dem Vorjahr. Schärfere Kreditprüfungen und ungünstigere Kreditbedingungen seien nicht gleichbedeutend mit einer Kreditklemme, unterstrich er.
Den Banken sagte Ackermann aber auch voraus, dass ihre Kunden im Zuge der Krise sich sehr genau anschauten, mit welcher Bank sie Geschäfte machten und sich im Zweifel auch umorientierten.
"Wir haben das Ende der Krise noch nicht gesehen", zeigte sich Ackermann vorsichtig bei der Beurteilung der künftigen Entwicklung. Wenn derzeit das eine oder andere ermutigende Zeichen zu sehen sei, etwa die Entwicklung des Ifo-Geschäftsklimaindexes, so seien das weniger Zeichen eines nahen Aufschwungs, als einer vorsichtigen Stabilisierung. Am Arbeitsmarkt stehe sogar noch der Höhepunkt der negativen Entwicklung bevor. Den Managern empfahl er, in der Krise vor allem eines zu bieten: Transparenz und eine offene Kommunikation. Andernfalls leisteten sie nur Gerüchten Vorschub.
(Reporter: Gernot Heller, redigiert von Birgit Mittwollen)