Logisch hatte Solarworld eine negative Bruttomrage und nicht "vermutlich". Die Bruttomarge dürfte so bei Minus 15 bis 20% in Q2 gelegen haben.
Dass LDK und Suntech riesen Probleme haben mit ihrer Verschuldung und Yingli langsam aber sicher auch ins Schlingern kommen könnte wie Solarworld auch, das ist so. Dazu bracuht man sich nur die Bilanzen anschauen und dazu die Entwicklung der letzten 4 Quartale.
Dass China die Zukunftsbranche Solar fördert ist auch so, aber das wurde/wird in Europa genau so gemacht. Solarworld hat über 200 Mio. € in Deutschland und den USA an direkte Subventionen eingeheimst. Eine Solon wurde 2010 vom Staat mit Bürgschaften von 134 Mio. € zunächst mal gerettet. Das deutsche Insolvenzrecht ist doch auch eine Art von direkter Subvention. Als erstes bekommt das Unternehmen für seine Mitarbeiter Insolvenzgeld und wenn es einen Käufer gibt für das insolvente Unternehmen, dann werden fast alle Schulden wie von Zauberhand wegradiert, wie auch ungünstige langfristige Verträge. Solon und Solarwatt können jetzt leicht und locker den PV-Markt aufmischen. Die haben kaum noch Schulden und haben sich durch die Insolvenz ungünstige, langfristige Verträge entledigt.
Wenn man schon über "Dumping" oder "dass China in ganz großen Stil eine staatliche Exportförderung für die Solarbranche vornimmt" redet, dann darf und soll man die andere Seite nicht verschweigen.
Auch sollte man bei der Diskussion nie vergessen werden, dass ohne die Chinesen Solar bei weitem noch nicht so weit wäre wie man jetzt ist. Wird auch immer sehr gerne bei den Diskussionen unterschlagen. Das wäre für Solarworld sicherlich besser, denn dann hätte Solarworld noch eine EBITA-Marge von über 25% und könnte 30 Mio. € an Dividenden ausschütten.
Solarworlds große Probleme sind die hohe Verschuldung, die hohen Produktionskosten, das sehr schwache Asiengeschäft und dass das Geschäftsmodell in den letzten beiden Jahren nicht im Downstreamgeschäft ausgebaut wurde. Damit haben die Chinesen nur sekundär mit was zu tun. Der Asbeck hat mal in den letzten Jahren verdammt viele Fehler gemacht.
Schaut man sich einfach mal die Produktionskostenentwicklung der letzten 6 Quartalen an, dann sieht man halt, dass es da eine enorme Entwicklung gab mit der Solarworld ganz offensichtlich nicht ithalten konnte.
Trina Solar hatte in Q1 2011 Produktionskosten von 1,16 $/W und in Q2 2012 waren es nur noch 0,76 $/W. Damit konnten die Produktionskosten innerhalb 18 Monate um 0,40 $/W bzw. 34% gesenkt werden. Die Hälfte ist auf die deutlich gesunkenen Polysiliziumkosten zurückzuführen und genau die sind mit ein Problem von Solarworld. Viele Chinesen waren ganz einfach nicht so blauäugig wie Solarworld und sind teure, sehr langfristige Polysiliziumverträge eingegangen. Ich gehe jede Wette ein, dass Solarworld rd. 50%, ergeben etwa 0,36 $/W alleine an Polysilziumkosten, mehr für ihr Polysilizium bezahlen muss als z.B. eine Trina Solar, die nur kurzfristige Polyverträge haben und sich auch über den weitaus billigeren Spotmarkt bedienen. Desweiteren ist davon auszugehen, dass Solarworld wohl auch teure, viel zu große Verträge für Silberpaste unterschrieben hat und Silber kostet etwa 0,07 $/W, also immerhin rd. 10% der Produktionskosten. So ist das halt und dass Solarworld sehr hohe Rohstoffkosten hat ist mal ganz sicher nicht auf die China-Solaris zurückzuführen, sondern eher auf die Unfähigkeit eines Managements.
Man kann nicht immer alles auf die ach so bösen Chinesen schieben, denn großteils hat Solarworld und auch einige andere deutsche Solarunternehmen wie z.B. Solon oder Conergy selbst Schuld an ihrer desolaten Verfassung. Man hat sich viel lange ausgeruht auf den üppigen deutschen Einspeisevergütungen, hat die Chinesen total unterschätzt und hat lange Zeit nicht das Geschäftsmodell bzw. die Strategie an den neuen Gegebenheiten angepasst.