Da freuen sich die Kapitalflüchtlinge aus den PIIGS, die in CHF angelegt haben. Sie wurden heute - gerechnet in Euro - schlagartig um Etliches reicher.
Weniger erfreulich war es die Aktion für die Schweizer Aktionäre: Der Schweizer Aktienindex SMI ist heute um -7,4 % eingebrochen. Grund: Der nun noch stärkere Franken drückt auf die Exportgewinne der schweizer Firmen.
Die SNB hofft, die Kapitalflucht in den Franken - eine Folge der fortlaufenden Eurokrise - durch den heute auf -0,75 erhöhten NEGATIVEN Einlagezins einzudämmen. Diese Negativzinsen müssen auch für Geld auf Girokonten gezahlt werden. Die SNB erhofft sich daraus Abschreckung. Den Schweizer Notenbankern ist die bisherige Stützung von EUR/CHF bei 1,20 durch Euroaufkäufe/Frankenverkäufe offenbar auf Dauer zu riskant - zumal wenn demnächst die Griechen aus der Eurozone rausfliegen. Das könnten einen Ansturm auf den Franken aus den restlichen PIIGS und F zur Folge haben, den die SNB unmöglich "aufkaufen" könnte.
Man kann die Aufhebung der EUR/CHF-Stützung bei 1,20 seitens der SNB daher als Eurozonen-Pessimismus interpretieren - obwohl die Aktion auf den ersten Blick Optimismus (= "keine Stützung mehr erforderlich") suggeriert.
Der Franken zog dennoch stark an. Angeblich soll er, so fuw.ch, unter die Parität gefallen sein. Mein Chartprovider (# 703) stellt seit 10:30 h keine Kurse mehr...
@Musicus (# 704): Mit "Arroganz der Schweizer" (wie Du schreibst) hatte die EUR/CHF-Stützung mMn nichts zu tun. Sie sicherte die Exportgewinne, was für die stark exportabhängige schweizer Wirtschaft sehr wichtig war/ist. Ein zu starker Franken kann die Schweizer Wirtschaft lähmen. Ich würde die heutige Aktion eher als Reaktion auf die "Arroganz der EZB" bezeichnen. Die EZB dürfte sich am 22. Januar zu Euro-QE erdreisten. Dadurch wird der Euro zentralplanerisch entwertet. Die SNB würde die Kapitalfluchtströme in die Schweiz gar nicht mehr auffangen können. Die Aufhebung der Stützung ist daher eine Form des Pessimismus (hinsichtlich des Fortbestands der Eurozone) und des Pragmatismus. Ob die auf -0,75 % erhöhten Negativzinsen auf den Franken hinreichend abschreckend wirken, muss man sehen. Die neue Dämmung über Negativzinsen ist jedenfalls risikoärmer als das bisherige Aufblasen der Schweizer Notenbankbilanz durch Euro-Stützungskäufe (was schon mal fast ins Auge ging).
www.fuw.ch/article/die-nationalbank-hebt-den-mindestkurs-auf/
Die SNB verkündete heute das Ende der vor dreieinhalb Jahren eingeführten Mindestkurspolitik zum Euro. Der Euro-Franken-Wechselkurs sinkt unter Parität. Der SMI verliert 7,4%.
Die Schweizerische Nationalbank teilte heute morgen überraschend mit, dass sie den Mindestkurs von 1.20 Fr./€ aufhebt. Zugleich senkt sie den Zins für Guthaben auf den Girokonten, die einen bestimmten Freibetrag übersteigen, um 0,5 Prozentpunkte auf −0,75%.
Das Zielband für den Dreimonats-Libor verschiebt sie weiter in den negativen Bereich auf –1,25% bis −0,25% von bisher −0,75% bis 0,25%.
Die Finanzmärkte reagieren heftig: Der Euro-Franken-Wechselkurs stürzt ab. Um 10.50 Uhr Schweizer Zeit kostete ein Euro 95 Rappen.
Der SMI (SMI 9053.04 -1.58%) sinkt bis 10.50 Uhr um 6,7%. Holcim (HOLN 70.3 -1.75%) verlieren 13%, Geberit (GEBN 350.4 -0.88%) minus 9%, Roche (ROG 278.4 -2.01%) minus 8,6%, Givaudan (GIVN 1886 -0.95%) minus 8,3%, Credit Suisse (CSGN 22.88 -1.42%) Group minus 7,3%.
In der Medienmitteilung erklärt sie: «Die Unterschiede in der geldpolitischen Ausrichtung der bedeutenden Währungsräume haben sich in letzter Zeit markant verstärkt und dürften sich noch weiter akzentuieren. Der Euro hat sich gegenüber dem US-Dollar deutlich abgewertet, wodurch sich auch der Franken zum US-Dollar abgeschwächt hat. Vor diesem Hintergrund ist die Nationalbank zum Schluss gekommen, dass die Durchsetzung und die Aufrechterhaltung des Euro-Franken-Mindestkurses nicht mehr gerechtfertigt sind.»
Damit die Aufhebung des Mindestkurses nicht zu einer unangemessenen Straffung der monetären Rahmenbedingungen führe, so die Nationalbank weiter, senke sie die Zinsen deutlich.
Auch künftig werde die SNB der Wechselkurssituation Rechnung tragen. Sie bleibe deshalb bei Bedarf am Devisenmarkt aktiv, um die monetären Rahmenbedingungen zu beeinflussen.