Damit meinst Du offenbar, dass EUR/USD nach oben ausbricht (also über 1,40).
(1) Charttechnik - d.h. "Füllen der Lücke" zwischen 1,40 und ATH bei 1,60?
Das ist mir als Argument etwas zu schwach, obwohl sämtliche Algo-Programme, die ja auch in Währungen "wüten", eine charttechnische Grundlage haben. Sicher ist: Würde der Kurs von EUR/USD über 1,40 hochgezogen (von wem auch immer), dann würden die Algos "draufsatteln". Wie weit das führt, ist jedoch nicht absehbar. Es könnte auch schnell wieder nach unten abdrehen.
Das käme schon eher hin. Wall Street bzw. Ami-Hedgefonds haben im "Dollar-Trade" - d.h. mit Krediten in der eigenen Leitwährung US-Dollar, solange dieser noch (relativ) stark ist/war - weltweit Vermögenswerte aufgekauft, darunter z. B. europäische Firmen, die gut laufen (via Aktien oder via LBO), europäische Bonds (inkl. PIIGS-Staatsanleihen) und/oder lagerbare Rohstoffe wie Kupfer. Diese Vermögenswerte kaufen sie zurzeit immer noch zu.
Anschließend - und von diesem Punkt sind wir mMn nach noch ca. 1 bis 1,5 Jahre entfernt - wird der US-Dollar mit vordergründigen (= teils erlogenen) Argumenten in den Abgrund getrieben. Dazu könnte u. a. ein massive QE4 in 2015 zählen. Stünde EUR/USD bei 2,00, würden die Dollarkredite zu diesem Spottkurs zurückgekauft. Macht schon mal ca. 60 % währungsbedingte "Krisen"-Gewinne für lau.
Weit unwahrscheinlicher (auf kurze bis mittlere Sicht) wäre, dass der Dollar noch tiefer getrieben wird und in einer Art Default endet, was ebenfalls zur Entschuldung der Aufkauf-Krediten führen würde.
Ein Mittelweg wäre eine strategische Schwächung des US-Dollars dadurch, dass die Fed ihre Bilanz per Federstrich auf Null "resetted". Das ist so, als würde schlagartig das weltweite Dollarvolumen um über 4 Billionen Dollar erhöht, weil die 4 Billionen auf der "Soll-Seite" verschwinden. Das dürfte aber mMn erst passieren, wenn es sich "richtig lohnt", d.h. wenn die Fed mindestens die Hälfte der US-Staatsschuld (= 8 Billionen) aufgekauft hat.
Diese Strategien, die eine Sanierung der USA auf Kosten der Restmenschheit (= US-Schuldner) darstellen, ist selbstverständlich kriminell, ähnlich wie der gigantische Subprime-Betrug - siehe hier:
www.ariva.de/forum/Der-USA-Baeren-Thread-283343?page=4443#jump17864947Daher werden die US-Finanzminister auch nicht müde darauf hinzuweisen, sie würden weiter "eine Politik des starken Dollar" verfolgen. Damit lügen sie, um es in den Worten Warren Buffetts auszudrücken, "wie Finanzminister am Vorabend des Staatsbankrotts".
Dieses 2. Argument für Euro-Stärke würde ich schon eher gelten lassen.
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(3) Mögliche fundamentale Stärke des Euro
Dies wäre das mMn gewichtigste Argument für Euro-Stärke. Es ist aber zugleich das Wackeligste. Denn der Euro ist und bleibt eine Totgeburt (viel zu früh ohne gemeinschaftliche Wirtschafsregierung eingeführt, und inzwischen ist der Karren bereits unrettbar im Dreck).
Die Amis - inkl. Medien wie WSJ und Co und "Sprachrohr" IWF - drängen mit Biegen und Brechen darauf, dass Europa "endlich" Euro-QE durchführt - so wie Japan "Abenomics". Totschlag-Argument dafür sind die angeblichen Deflationsgefahren in den PIIGS. Draghi hat bereits abgenickt, dass er "unkonventionelle Maßnahmen" (aka Euro-QE), "falls nötig", "bei Bedarf" prinzipiell durchzuführen bereit ist. Damit ist schon mal der bisherige Grundwiderstand weg. Draghi sagte aber zugleich, dass es zurzeit noch keine überzeugenden Hinweise auf eine Deflation in der Eurozone gäbe.
Ich möchte nicht verschweigen, dass es gegen Euro-QE triftige Einwände gibt:
1. ist unklar, was die EZB überhaupt aufkaufen soll. Eurobonds - als Entsprechung zu US-Staatsanleihen - gibt es ja (noch) nicht. Europäische Staatsanleihen "quer Beet" (entsprechend Proporz) aufzukaufen würden dazu führen, dass die EZB auch Bunds kaufen müsste, die eh schon auf Panikhochs notieren. Ohne die Bund-Aufkäufe aber wäre Euro-QE die verbotene (PIIGS-)Staatsfinanzierung aus der Notenpresse.
2. Die EZB hat als Ersatz den Aufkauf von zu ABS verbrieften Unternehmens-Bonds in Aussicht gestellt. Diese Derivate gibt es ebenfalls noch nicht. Und wenn es sie gäbe, gerieten sie schnell in den Stallgeruch der unrühmlichen Schrottpapiere aus dem US-Hausmarkt, die ebenfalls ABS waren - und die 2008-Finanzkrise auslösten. Aufkäufe von Unternehmens-Bonds wären zudem eine Marktverzerrung, weil schlecht geführte Firmen von der EZB ausgebailt würden - was den Anreiz, vernünftig zu wirtschaften, reduziert und obsolete Strukturen wie die völlig überdimensionierte europ. Autoproduktion künstlich am Leben hielte, statt die überfällige Marktbereinigung "zuzulassen" - mag dies auch Arbeitsplätze kosten.
Dagegen stehen allerdings starke POLITISCHE Pro-Kräfte:
Die PIIGS "gieren" geradezu nach einer Form der Schuldenvergemeinschaftung, die in Gestalt der Bankenunion im Finanzsektor ja bereits angeschoben wurde. Die PIIGS bilden dabei mit den Goldmännern, die ihnen zuzeiten der Euro-Einführung beim Schuldenverstecken (GR) halfen, eine "unheilige Allianz". Wobei die Goldmänner, Soros und andere Hedgefonds vor allem aus spekulativen Gründen die PIIGS-Rettung via Schuldengemeinschaft wollen, weil sie vollgeladen sind mit PIIGS-Staatsanleihen, die - sobald Draghi "liefert" - hohe Profite generieren.
Beides zusammen bildet eine fundamental widersinnige, aber politisch und finanzmarkt-technisch nicht zu unterschätzende Kraft, die pro Euro-QE laboriert/intrigiert. Sogar Weidmann von der Buba hat vor dieser Kraft bereits halbwegs kapituliert. Die Crux dabei ist, dass Eurobonds oder Schuldenvergemeinschaftung rechtlich, politisch und finanziell nur möglich wären, wenn Europa die Maastricht-Stabilitätskriterien außer Kraft setzte. General Schäuble und andere "Großeuropa-Strategen" sind zu diesem Finanz-Opfer gern bereit, weil es die Leitstellung Deutschlands im vereinigten Europa weiter erhöhte und damit Großmachts-Fantasien verspätet Wirklichkeit würden. Dafür zahlen Schäuble und seine Buba-Handlager notfalls auch einen hohen Preis - ist ja "anderer Leute Geld" (Steuerzahler) was da verbraten wird, während "die Macht" und der erhoffte "Ruhm" ihnen zuteil wird.
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Ingesamt rechne ich unter diesen Prämissen damit, dass Euro-QE in der einen oder anderen Form demnächst kommen wird.
Das aber würde den Euro stark schwächen, so dass EUR/USD-Kurse unter 1,30 - evtl. sogar unter 1,20 - in Griffweite rückten. In dem Bereich liegt ohnehin die Kaufkraftparität, der Euro ist zurzeit deutlich ÜBERBEWERTET (bzw. hochspekuliert).
Welche Positionierung resultiert daraus? Ich ziehe unter obigen Prämissen zumindest kurz- bis mittelfristig long Dollar vor und rechne eher mit einem Absacken von EUR/USD in Richtung unter 1,30 (evtl. bis 1,20).
Langfristig werden die Amis den Dollar im Dollar-Trade weiter drücken wollen, so dass 2015/16 durchaus noch Kurse über 1,40 kommen könnten. Aber eben erst dann...
Finanziell SCHADET Euro-QE der Eurozone, weil es den Wert des Euros zersetzt.
Das ist für die Amis, die für ihren Dollar-Trade zwingend darauf angewiesen sind, dass der Dollar möglichst lange seine Leitwährungs-Status beibehält, sogar nützlich und "stragisch erstrebenswert". Dies ist auch die wahre Ursache für ihre falschen bzw. trügerischen, wenn nicht verlogenen Geldpolitik-Empfehlungen. Die Amis könnten bei EUR/USD-Kursen um 1,20 ihre Aufkäufe von Euro-Assets mittels Dollar-Krediten noch weiter aufstocken, um dann - beim anschließenden Drücken auf 1,40 bis 1,60 oder gar höher - noch mehr Reibach machen.
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"Die europäischen Börsen dürften jetzt relativ besser laufen als die US- Börsen und das Deflationsgeschwafel (das Leben wird eigentlich rapide teurer = Inflation!) der EZB wird im Euro weiterhin Druck nach oben aufbauen."
Das ist reichlich kurzfristig gedacht - und nicht ganz richtig: Deflationsgeschwafel erhöht die Chance auf Euro-QE. Euro-QE würde die Börsen weltweit - also auch in Europa - weiter hoch treiben. Doch EUR/USD würde dann deutlich sinken!
"Die notorischen Goldbären denken genau umgekehrt. Sie gehen heute davon aus, dass die Yellen zügig QE zurückfährt und danach ZIRP aufgibt und dass Draghi demnächst QE in Europa einsetzen wird."
Das denke auch ich, obwohl mit Gold egal ist (weder bärisch noch bullisch).