Entgegen der aktuell vorherrschenden Mainstream-Meinung, dass es bei weiter steigender Geldmenge kaum Anlagealternativen zur Aktie gibt und folglich diese Anschauung auch mit einer stark ausgeprägten Buy-the-Dip-Mentalität einhergeht, würde jedoch Investoren-Legende Jeremy Grantham momentan keine Kundengelder mehr spekulativ in den Aktienmarkt stecken. Grantham ist sich der Tatsache sehr wohl bewusst, dass wir es hier mit einem von den Notenbanken gesteuerten Markt zu tun haben, in welchem sich die Vermögenspreisillusion höchstwahrscheinlich nicht dauerhaft aufrecht erhalten lässt. Die grundlegenden Probleme sind mit der Geldschwemme zugedeckt worden, wobei aber die Politik diese Probleme nirgends gelöst hat. Sie sind immer noch da, in manchen Fällen sogar grösser als vorher.
Denn was hat man nach der mit lautem Knall in 2008 geplatzten spektakulären Finanzblase gemacht? Anstatt das marode Gemäuer zu reparieren hat man die Risse mit reichlich Farbe übertüncht – sprich: Geld ohne Ende gedruckt. Und wenn momentan wegen des Taperings in den USA von der Fed geringfügig weniger Geld gedruckt wird, so druckt Japans BoJ halt dafür aber umso mehr, damit ein Zusammenklappen der Märkte verhindert wird. Aber die Gelddruckerei wird das immense Schuldenproblem nicht lösen, sondern nur ein kleines Stück weit in die Zukunft verschieben.
Obwohl Grantham z.B. dem S&P500 kurzfristig durchaus noch weiteres Steigerungspotential zubilligt, werden die künftigen Konsequenzen aufgrund der seiner Meinung nach verfehlten Fed-Politik schlicht und ergreifend wohl recht harsch ausfallen. Die Kurssteigerungen würden eben nicht auf einem stärkeren realwirtschaftlichen Aufschwung basieren, sondern letztendlich eben nur von dem Leverage der Fed sowie auch anderen Notenbanken befeuert und verantwortet. Es sei an diesem Zusammenhang auch an die Wertpapierkredite erinnert, welche sich in den USA in vollstem Vertrauen auf die Fed zum jetzigen Zeitpunkt auf Rekordständen bewegen. Das Spiel wird dementsprechend solange weitergehen, bis erneut das "altmodische Blasen-Territorium" erreicht sei und die aufgepumpte Blase folglich eines Tages auch dann platzen wird. Ein "This time is different-Szenario", sprich ein von hier aus möglicherweise Jahrzehnte andauernder Bullenmarkt, dieses Szenario ist in den Augen Granthams daher völlig abwegig. Grantham geht hier d'accord mit Felix Zulauf, der ebenfalls weder Volkswirtschaften noch Märkte auf lange Sicht durch die Notenbanken und die Politik für manipulierbar hält. Das ginge nur eine gewisse Zeit gut, aber es führt stets und immer zu ungewollten Konsequenzen und weiteren Verwerfungen im System. So mag die Party zwar noch etwas weitergehen, aber an den negativen Returns, welche der Aktienmarkt in den kommenden Jahren abliefern wird, bestehen laut Grantham allerdings kaum Zweifel. Zunehmende Divergenzen werden dann die Hinweise auf eine Schlussphase des Bull-Cycles liefern.
Grantham hält aufgrund der Notenbankeingriffe den (US-)Aktienmarkt logischerweise mittlerweile für stark überbewertet und wird geduldig auf wesentlich günstigere Gelegenheiten warten, so wie er dies in den vergangenen Jahrzehnten ebenfalls getan hat. Geduld scheint auch eines Leit-Motive in der Vermögensverwaltung bei Grantham-Mayo-Van Otterloo zu sein, denn wie sagte James Montier, GMOs Asset Allocater, kürzlich: "Natürlich schmälert eine hohe Cash-Quote die Performance, doch als Value-Investor muss man geduldig sein. Geduld ist ein rares Gut unter Anlegern. Geduld schmerzt, doch es ist weniger dumm, das langfristig Richtige zu tun, als zu spekulieren, was in der kurzen Frist passieren könnte." Wie wahr.
Wobei allerdings anzumerken ist, dass die allermeisten Money Manager dem Zwang ausgesetzt sind, halt solange tanzen zu müssen, wie die Musik spielt. Würden sie sich zu früh hinsetzen, wie eben Jeremy Grantham dies tut, so kostet sie dies unweigerlich den Job und/oder die Karriere. Als Privatanleger ist man jedoch ebenfalls in der beneidenswerten Lage, dass man frei von Performance-Zwängen nicht ständig irgenwem oder irgendwas hinterher zu hecheln hat. Und das ist auch gut so.
Ein kurzer Auszug des Fortune-Interviews mit Jeremy Grantham anbei, dann der Link.
Jeremy Grantham: "The Fed is killing the recovery"
Fortune: Okay, but then I guess that means you think stocks are going higher? I thought I had read your prediction that the market would disappoint investors.
Jeremy Grantham: We do think the market is going to go higher because the Fed hasn't ended its game, and it won't stop playing until we are in old-fashioned bubble territory and it bursts, which usually happens at two standard deviations from the market's mean. That would take us to 2,350 on the S&P 500, or roughly 25% from where we are now.
Fortune: So are you putting your client's money into the market?
Jeremy Grantham: No. You asked me where the market is headed from here. But to invest our clients' money on the basis of speculation being driven by the Fed's misguided policies doesn't seem like the best thing to do with our clients' money.
We invest our clients' money based on our seven-year prediction. And over the next seven years, we think the market will have negative returns. The next bust will be unlike any other, because the Fed and other centrals banks around the world have taken on all this leverage that was out there and put it on their balance sheets. We have never had this before. Assets are overpriced generally. They will be cheap again. That's how we will pay for this. It's going to be very painful for investors.
finance.fortune.cnn.com/2014/03/24/...deral-reserve/?iid=HP_LN
Bubbles are normal and non-bubble times are depressions!