Die politischen Lager lassen sich grob so aufteilen:
1. Die Linken
Dazu zählen: SPD, Grüne, US-Demokraten, Vorzeige-Intellektuelle wie Krugman, sich als progressiv begreifende Wirtschaftsschreiberlinge wie Frìcke (R.I.P.) und Münchau
Die Linken argumentieren generell und quer Beet, in der Krise seien Stimulusprogrammen unverzichtbar, weil sie die weggebrochene Massenkaufkraft wiederherstellen. Dazu müssen die "Keynes-Gelder" teils leistungslos, d.h. über Transferprogramme (Foodstamps, verlängerte AL-Hilfe usw.) verteilt werden.
Das Problem in 2008 war jedoch, dass die Krise nicht primär durch Nachfrageeinbruch entstand, sondern vor allem durch faule Kredite, stark steigende Risikoaversion und wegbrechende Gewinnmargen. Das Zocker-Kapital ließ sich 2008/2009 auf Staatskosten ausbailen (Großbanken). Das produzierende Kapital entließ massenhaft Leute, um die Margen wieder hochzubringen. Die meisten der damals entlassenen Amis sind bis heute ohne (vernünftigen) neuen Job. Die Transferprogramme, finanziert mit Keynes-Stimulus, haben zwar in der Übergangsphase (2009 bis 2010) die unmittelbaren Krisenfolgen erträglicher gemacht und für neue Nachfrage gesorgt. Die Margensteigerungen der US-Multis kamen aber vor allem daher, dass sie die in USA weggefallenen Arbeitsplätze in Billiglohnländer wie China verlagerten - und teils sogar die ganze Produktion. Im Ausland konnten sie zudem steuerfrei operieren (ein doppelter Anreiz, Kapital und Arbeitslplätze nicht zurück in die USA zu bringen).
Am Grundproblem der Massenarbeitslosigkeit haben die Keynes-Stimuli kaum etwas verändert. Die versprochenen Selbstheilungskräfte der Wirtschaft (Multiplikatoreffekte aus QE und Stimulus) blieben bis auf ein kurzfristiges Strohfeuer weitgehend aus. Verbesserungen der US-AL-Quote ergaben sich nur dadurch, dass immer mehr Leute ihre Anrechte auf AL-Geld verloren und damit aus der Statistik fielen. Die Labor-Force-Participation sinkt unterdessen immer weiter. Die US-Staatsverschuldung ist durch die Stimulusprogramme stark gestiegen und mit 107 % bereits im roten Bereich. Ein "weiter wie bisher" wird immer gefährlicher, weil das BIP (wegen der Ineffizienz des Keynes-Stimulus) nicht entsprechend der Neuverschuldung mitwächst.
Das Kapital kann mit dieser Krisenlösung dennoch zufrieden sein. Dank Outsourcing und "lean to the bone production" schossen die US-Gewinnmargen auf Rekordhöhe. Und die wachsende Staatsverschuldung gilt aus Sicht der US-Firmen als "other people's problem". Das ist Government-Zeugs. Kann man ignorieren, bis es irgendwann mal relevant wird. Wenn's hart auf hart kommt, müssen ohnehin ALLE Amerikaner die Zeche zahlen, so dass die "Kosten" aus der Staatsverschuldung letztlich flächendeckend verteilt (sozialisiert) werden, während die Nutznießereffekte (Margensteigerung, Stützung der Massennachfrage) bereits heute von den Unternehmen vereinnaht werden.
Die Kluft zwischen Arm und Reich ist im Zuge dieser (Geld-)Politik in USA, aber auch in Europa, stark angestiegen. Obama gilt bei seinen Stammwählern als Versager. Demokratische Protestwähler wählten 2010 sogar die Reps, was in Washington zu "gridlock" führte und damit zu faktischer Starre. Am Massenelend änderte sich damit NOCH weniger.
Kurzum: Keynes-Stimulus wurde dem, was sich die Linken davon versprachen, nie gerecht. Dennoch halten sie, auch jetzt bei der PIIGS-Rettung, dogmatisch an diesem Konzept fest.
2. Die Rechten
Dazu zählen CDU/CSU, FDP, AfD, US-Republikaner, Tea Party usw.
Diese Gruppe ist per gegen "zu viel Staat" und steht daher auch Stimulusmaßnahmen und starker Neuverschuldung skeptisch gegenüber. Marktradikale (Reps, AfD) würden den Staat am liebsten ganz abschaffen. Neoliberale (CDU, FDP) halten ungeachtet der 2008-Finanzkrise - die neoliberale "Freiheit" als Ponzi-Spiel bloßstellte - an ihrem ideologischen Dogma fest, dass ungehemmt agierendes Kapital weiterhin der beste Garant für Wachstum sei und dass dieses Wachstum dann auch die Arbeitsmarktprobleme von allein lösen werde ("Rauswachsen aus der Krise"). Außer in D., das von seiner Export-Sonderstellung profitiert, hat sich das propagierte Wachstum infolge von "Selbstheilungskräften" (in lupenreiner Form ganz ohne Staat/Stimulus)
jedoch nirgendwo wieder nennenswert eingestellt. In USA gäbe es ohne den QE/Geithner-Stimulus überhaupt kein BIP-Wachstum. Je länger die Stagnation - bei fortlaufendem starken Keynes-Stimulus - anhält, desto fragwürdiger wird das proklamierte Selbstheilungskonzept ingesamt.
"Die Rechten" sind somit einerseits entschiedene Staats- und Stimulus-Gegner - Merkel ist daher auch (anders als die "Linken" oben) gegen den Euro-Bailout durch die EZB - , zählen aber dennoch zu den Profiteuren der jüngsten Geldflutungen von USA bis Japan. Einen marktradikalen Stimulus-Stop wollen viele Rechte inkl. Merkel aber auch nicht, weil dann das ganze System ins Wanken geraten würde. Es drohen soziale Unruhen bis zu Rufen nach Enteignung.
FAZIT 1: Keynes-Stimulus ist ein zweischneidiges Schwert. Für die Klientel der "Linken" brachte er keinen Landgewinn. Der Reallohnabbau und die Jobmisere gehen weiter. Die wachsende Staatsverschuldung trifft am Ende über Inflationierung alle - vor allem die Ärmeren. Den "reichen 1 %" - darunter ein Großteil der Krisenverursacher - wird unterdessen der Hintern vergoldet. Denen reicht, dass sie kurzfristig von der Umverteilung von unten nach oben, die die Keynes-Programme wider willen sogar fördern, profitieren. D.h. "die Rechten" wollen am liebsten überhaupt keinen Stimulus, zählen aber indirekt zu dessen stärksten Nutznießern.
FAZIT 2: Eine Keynes-Heilung ist auf Dauer nicht möglich. Sie perpetuiert nur die Missstände und ist daher eine Pseudo-Kur.