Deine Argumentation ist sehr abstrakt und für mich nur mit erheblichen Verrenkungen im Oberstübchen nachzuvollziehen, was freilich nicht heißt, dass sie unzutreffend sein muss.
Fangen wir an mit den "Preisen", die zurzeit von der Fed (noch) hoch gehalten werden. Das gilt vor allem für Asset-Preise inkl. Hauspreise sowie für Rohstoff-, Energie- und Nahrungsmittelpreise, weil die allesamt durch die Sekundärwirkungen von QE bzw. durch das Zocken mit QE-Geld nach oben manipuliert worden sind. Dies verzerrt den Markt.
Was also passiert bei Tapering bzw. QE-Reduzierung? Alle o. g. Preise kämen runter (was Du ja auch oben schreibst). Am stärksten wäre der Kursrückgang bei länger laufenden US-Staatsanleihen und MBS, weil diese ja direkt von der Fed aufgekauft werden und daher, wenn die Fed weniger "nachfragt", am stärksten einknicken. Wir sehen es seit Mai, obwohl Tapering da lediglich vorangekündigt wurde.
Auch die mittels QE hochgejubelten Rohstoff-Preise sind seitdem runtergekommen (u. a. Kupfer, Kali). Eine Sonderrolle spielt US-Öl, das "wegen" der Nahost-Unruhen, vor allem aber wegen der Reisessaison und der Profitinteressen von Exxon und Co. sogar gestiegen ist von 90 Dollar im Mai auf kürzlich bis knapp 110 Dollar. Hohe Benzinpreise sind in USA poltisches Gift, wie man am seitdem gesunkenen Verbrauchervertrauen (# 369) sieht.
Was passiert mit sonstigen Konsumartikeln, z. B. mit Flatscreen-TVs oder Bekleidung? Die meisten Konsumartikel (außer Lebensmitteln) sind Importartikel, sie werden überwiegend zu Billiglöhnen in Übersee (China) produziert. Die Händler oder Hersteller (Nike), die Sporthosen für 1 Dollar in Bangladesh (unter übelsten Arbeitsbedingungen) zusammennähen lassen und anschließen für 39 Dollar in USA verkaufen, haben eine extreme Profitspanne, so dass z. B. bei wegbrechender Nachfrage viel "Preisgestaltungsfreiraum" bleibt. Sie könnten also die Preise senken und immer noch gut verdienen.
Die Kernfrage bleibt: SINKT die US-Nachfrage, wenn QE reduziert wird? Oder steigt sie gar, weil QE-Reduzierung gemäß Deinem obigen Satz ja förderlich für die US-Realwirtschaft sein soll?
Bernanke plädiert für Ersteres: QE schafft Nachfrage. Leute wie Fill argumentieren, dass sei nicht so, weil QE "gar nicht in der Realwirtschaft ankommt". Meine Gegenthese zu Fill lautet, dass QE in erheblichem Maße zur Staatsfinanzierung verwendet wird. Das "darf" Bernanke natürlich nicht sagen, weil er sonst als Gelddrucker gegeißelt würde. Stattdessen lautet die offizielle Begründung. QE macht Kredite billiger, und billige Kredite sorgen für höherer Nachfrage.
Fakt ist: QE päppelt über damit querfinanzierte Staatsaufträge (Rüstung usw.) das BIP und schafft auf diesem Umweg reale Arbeitsplätze. Diese Staatsaufträge werden aus Neuverschuldung finanziert, die seit Anfang 2013 zu 100 % aus QE refinanziert wird.
Das schafft für Bernanke seit Anfang 2013 ein Glaubwürdigkeitsproblem, weil seitdem in Netto-Monetarisierung von US-Staatsschuld betrieben wird (siehe Tabelle in # 347 -
www.ariva.de/forum/...SA-Baeren-Thread-283343?page=4253#jumppos106347 Ohne weiteres QE würde das Geld für die Refinanzierung dieser Staatsaufträge fehlen. Bislang haben sich "organisches Wachstum" und "Multiplikatoreffekte" aus QE zum Leidwesen Bernankes, der beides aufgrund fragwürdige Studien "vorhergesagt" und sogar "eingeplant" hatte, partout eingestellt. Damit läuft Bernanke die Zeit weg. QE kann faktisch nur (keynsianisch) dazu dienen, Nachfrage VORZIEHEN, um die Wartezeit bis zum "Kick-off" zu verkürzen. Wenn der "Kick-off" nicht kommt, wird QE zur Dauerveranstaltung, und Bernies Weisheiten und Hoffnungen kann man in die Tonne treten.
Tapering bzw. das QE-Ende würde sich negativ auf den Arbeitsmarkt auswirken, weil das BIP dann (mangels Staatsaufträgen und Staatsbeihilfen) sogar in den roten Bereich fallen könnte. Die Stimmung, auch bei den Unternehmen, würde sich eintrüben. Über psychologische Kaskadisierungen - Vertrauensschwund bei Firmen und Verbrauchern - , Auftragsstornierungen usw. würde Bernankes mühsam in die US-Wirtschaft gepumpte heiße Luft langsam (und dann immer schneller) entweichen.
Wir hätten dann, um Dreiklangs Terminologie zu benutzen, nach wie vor die mit (und trotz) QE vorhandene Leistungskrise, die wegen zunehmener Arbeitslosigkeit noch durch eine Nachfragekrise verschärft würde. Das ohnehin vorhandene Überangebot bliebe wie Blei in den Läden liegen.
In der Folge würden mMn die Preise (inkl. Assetpreise) fallen, ohne dass diese Preisreduzierungen zu Nachfrageerhöhungen führen.
Was was passiert, wenn Preise fallen, ohne dass der Umsatz dadurch steigt? Wir bekämen die von Bernanke befürchtete, sich selbst verstärkende deflationäre Abwärtsspirale: Firmen bauen Kapazitäten ab (statt neue auf) und versuchen ihre Margen über Kostensenkungen (vor allem Entlassungen) zu retten. Das Heer der US-Arbeitslosen schwillt weiter an. Die Nachfrage wird noch geringer. Psychologische Pumpwirkungen aus steigenden Aktien- und Assetpreisen (für Bessergestellte) verpuffen und kehren sich ins Gegenteil um.
Wenn ich all dies zusammennehme, macht - zumindest für mich - Deine Aussage am Anfang des Postings (und in # 379 ingesamt) wenig Sinn. QE-Reduzierung dürfte die US-Wirtschaft mMn nicht "ankurbeln", sondern weiter abwürgen. Sie ist eh schon auf dem absteigenden Ast, weil sich die Wirkung von QE mit der Zeit immer weiter verkleinert (siehe rückläufige US-BIP in den letzten Jahren). Die mit QE erkaufte Wartezeit hat Bernanke nutzlos verstreichen lassen - in der vergeblichen Hoffnung, der heilige Geist der Marktwirtschaft (Selbstheilung) würde in seine Planwirtschaft fahren.
Deine Aussage träfe nur zu, wenn die QE-Reduzierung zu einem Zeitpunkt erfolgte, an dem die US-Wirtschaft wieder ihre "escape velocity" erreicht hätte, also intern hinreichend erstarkt wäre, so dass QE NICHT MEHR NÖTIG wäre. Davon sind wir aber mMn weit entfernt (Wir haben lediglich eine Aktienblase, die aufgrund der Propaganda von US-Medien von hiesigen Medien wie Handelsblatt und Co. hedonistisch als Wirtschaftserholung fehlinterpretiert wird.)
Ich habe sogar den Eindruck, dass QE "immer nötiger" wird und USA inzwischen auf Gedeih und Verderb auf weiteres QE angewiesen ist. Die große Frage - und Bernies größtes Problem - ist, ob das Ausland (USA ist der weltgrößte Schuldner) dabei noch lange mitspielt. Denn die Tabelle in # 347 zeigt, dass USA bereits Netto-Monetarisierung betreibt. Das ist für ausländische Gläubiger der "Vertrauenskiller" schlechthin.
Das Absacken der US-Langläuferkurse - von US-Medien hedonistisch als "Große Rotation in Aktien" verkauft - könnte in Wahrheit der Anfang vom Ende des "Weltvertrauens" in US-Staatsanleihen sein. Die Amis können insofern fast von Glück reden, dass Japan wohl noch schneller von einer (Staats-)Vertrauenskrise heimgesucht wird.
Verschwindet bei QE-Ende die "Hortung"? QE-Reduzierung ist, wie ja auch Bernanke immer wieder betont, "noch längst" nicht gleichzusetzen mit Leitzinserhöhungen. Daher gäbe es auch bei QE-Reduzierung noch keine Zinsen auf's Konto (= weitere Hortungstendenz). Stellt sich jedoch durch QE-Reduzierung eine Deflation ein, würde die Hortung von Sachwerten nichts mehr bringen, sie ist an latente Inflationserwartung gekoppelt (siehe Goldpreis). Bei Deflation würde sogar Kapitalhaltung wieder interessant, es sei denn, die Fed führte negative Leitzinsen ein. Nur als Beispiel: Warum nicht eine Caterpillar für 100 Dollar verkaufen, das Cash halten, und dann nach dem nächsten Crash für 20 Dollar wieder einsteigen? So kann man den impliziten Wert von gehaltenem Bargeld schnell verfünffachen ;-)