"Irgendwann kommt in Europa der große Knall"
Walter Krämer, Initiator des Ökonomen-Aufrufs von 2012, glaubt nicht an eine Wende zum Guten in der Euro-Krise. Im Interview erklärt der Wirtschaftsprofessor, wie der Euro unseren Wohlstand gefährdet, wieso es keinen zweiten Protestbrief geben wird - und warum er griechische Staatsanleihen hält.
Einige Kern-Aussagen Krämers hier kurz angerissen, dann der Link zu dem kompletten längeren Interview.
"….Mit ihrer Ankündigung, den Euro auf jeden Fall zu verteidigen, werden die Probleme der Krisenländer überspielt. Gelöst sind sie dadurch nicht. Irgendwann kommt in Europa der große Knall…."
"…..Zwischen 20 und 30 Billionen teilweise illegal beiseite geschaffter Euros dümpeln weltweit auf Steueroasen herum. Könnte man die anzapfen, wäre die Euro-Krise morgen Früh zu Ende….."
"…..„Die Target-Falle“ veranschaulicht, dass unter andrem auch die zum Finanzieren der eigenen Exporte von den Deutschen ausgeliehenen Summen sogenannten Targetforderungen der Deutschen Bundesbank sind. Die sind völlig ungesichert und haben inzwischen eine dreistellige Milliardenhöhe erreicht. Gut möglich, dass dieses virtuelle Geld nie nach Deutschland zurückfließt. Das ginge zulasten deutscher Sparer, Rentner und Pensionäre….."
"…..Die Problematik der Target-Salden wurde ja selbst von hoch bezahlten Notenbankern lange nicht erkannt. Die Leute werden systematisch für dumm verkauft. Von der Politik, aber auch durch Ihre Kollegen Journalisten. Was Spiegel, Süddeutsche Zeitung bis hin zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk für Unsinn in Sachen Euro-Rettung verbreiten, ist erschreckend….."
"…..dass Frankreichs Wettbewerbsfähigkeit immer weiter leidet. Mit Hollande wurde ein Sozialist an die Macht gewählt, der als erstes das Renteneintrittsalter auf 60 Jahren absenkt. Da kann man sich doch nur an den Kopf fassen. Auch eine Reform der 35-Stunden-Woche ist kein Thema. Wer soll das bezahlen? Frankreich ist der größte Problemfall in Europa….."
"…..Solidarität ja, aber nur für Gegenleistung. Griechenland, Portugal & Co. müssen Geld in die Kassen bekommen. Sei es durch Privatisierungen oder durch Steuererhöhungen. Vor allem aber durch ein kräftiges Inkasso bei reichen Steuerhinterziehern. Und: Die Krisenländer müssen endlich Reformen umsetzten. Sie müssen wettbewerbsfähiger werden……"
www.wiwo.de/politik/europa/...pa-der-grosse-knall/8364538.html
Ergänzend zu dieser Thematik:
So schreibt der Bundestagsabgeordnete Klaus-Peter Willsch (CDU) in seinem Hauptstadtbrief 115 vom 14.06.2013 über die Abstimmung im Deutschen Bundestag hinsichtlich der Etablierung einer europäischen Bankenaufsicht wie folgt:
Am späten Donnerstagabend hat der Bundestag über die Etablierung einer europäischen Bankenaufsicht abgestimmt. Ich habe gegen das Gesetz gestimmt. In einer persönlichen Erklärung habe ich mein Abstimmungsverhalten dargelegt…..
…..Ich lehne die einheitliche europäische Bankenaufsicht ab, weil ihre Errichtung - zumindest in den Augen unserer europäischen Partner - allein zur Ermöglichung einer direkten Rekapitalisierung bankrotter Banken aus dem Europäischen Schuldenmechanismus ESM erfolgt. Die Bankenaufsicht ist ein weiterer Schritt zur Schuldenvergemeinschaftung in Europa. Die Aufstellung einer europäischen Bankenaufsicht würde normalerweise Jahre in Anspruch nehmen. Nur der Druck der Märkte, immer neues Geld an insolvente Staaten und Banken zu geben, kann die Etablierung der Bankenaufsicht in diesem Hauruckverfahren erklären.
Obwohl von Seiten der Regierung betont wird, für eine direkte Bankenrekapitalisierung bestünden noch diverse rechtliche Hürden, wird unter Hochdruck an den Richtlinien zur direkten Bankenrekapitalisierung gearbeitet. Den Abgeordneten des Bundestages wurden bereits detaillierte Modelle – im Entwurfstatus – übersandt. Demzufolge sollen angeschlagenen Banken bis zu 70 Mrd. Euro direkt aus dem ESM zur Verfügung gestellt werden. Dass solche "Obergrenzen" im Bedarfsfalle spielend erhöht werden, ist eine ständige Erfahrung der letzten drei Jahre "Eurorettungspolitik". Mit zwei in den Dokumenten vorgestellten Hebelmodellen könnte diese Summe um ein Vielfaches erhöht werden. Ich habe keine Zweifel, dass bereits an der Beseitigung dieser letzten rechtlichen Hürden gearbeitet wird. Wäre dies nicht so, würden die uns übersandten Unterlagen zur direkten Bankenrekapitalisierung keinen Sinn ergeben.
Wie Hans-Werner Sinn und Harald Hau in einem beachtenswerten Gastbeitrag in der FAZ
vom 21. Januar 2013 vorrechneten, summieren sich die Schulden der Banken aus den sechs am heftigsten von der Euro-Krise betroffenen Staaten auf 9.400 Milliarden Euro. Der ESM umfasst mit seinen 700 Mrd. Euro nicht einmal ein Zehntel dieser Summe. Leider werden solche Stimmen aus der Wissenschaft im Kreise der Rettungsideologen nicht gehört…..
…..Die EZB verheddert sich immer mehr in der falschen Rettungsschirmpolitik. Aus einem am Anfang bilateralen Kredit für Griechenland ist ein verworrenes Rettungs-Konglomerat von EFSF, ESM, KfW, OMT, SMP, LTRO, ELA, TARGET usw. geworden. Drei Jahre nach Offenbarung der Euro-Krise hangeln sich die Staaten der Eurozone von Rettungsanker zu Rettungsanker. Wir sollten endlich den Mut fassen für einen echten Kurswechsel.
www.klaus-peter-willsch.de/inhalte/1001120/...brief/index.html
Bubbles are normal and non-bubble times are depressions!