Guter Beitrag!
In vielen Punkten liegen wir dabei ganz auf einer Linie, in manchen anderen jedoch nicht.
Eine allgemeingültige Definition für Hyperinflation gibt es meines Wissens nicht. Aber uns beiden schwebt da schon etwa das gleiche Bild vor Augen.
Interessant, dass Du explizit nur von Bankenpleiten sprichst und nicht von Staatspleiten.
Hier muss man in in der Tat unterscheiden.
Die Hyperinflation entsteht erst, wenn durch bestimmte Ereignisse ein massiver Vertrauensverlust in die Werthaltigkeit der Währung hervorgerufen wird.
Dies "kann" auch durch Bankenpleiten hervorgerufen werden. Dabei ist es nicht der deflatorische Schock an sich, von dem die Gefahr eines solchen Vetrauensverlustes ausgeht, sondern es sind domino-artige bank-runs, wenn sie denn auftreten.
In den U.S.A sind dabei übrigens seit 2008 über 450 Banken pleite gegangen. Das Bankensterben hat sich dabei auch dieses Jahr weiter fortgesetzt, bisher warens 42 - wobei die Oktoberzahlen noch nicht veröffentlicht wurden.
www.start-trading.de/blog/liste-der-pleitebanken-usa/
Eine Verlangsamung ist immerhin festzustellen. Diese Pleiten konnten durch die diversen QE und Zinssenkungsmaßnahmen weder verhindert werden, noch haben diese Pleiten eine Hyperinflation oder gar eine Kernschmelze in Gang gesetzt.
Würde eine der Großbanken pleite gehen, sähe die Sache u.U. anders aus und könnte zu einer noch größeren Kettenreaktion kommen, da gebe ich Dir recht. Die Gefahr ist jedenfalls gegeben.
Mein Beitrag oben (und auch im AZ heute) war etwas eilig geschrieben. Das "Geschehen lassen", das ich fordere, bezieht sich dabei nicht auf jeglichen Interventionismus schlechthin, sondern alleine auf die geldpolitischen Maßnahmen, und auch dort nicht völlig absolut.
Völlig ungebremst sollte man es natürlich auch nicht zulassen.
Es geht um Schadensbegrenzung, wie Du völlig richtig sagst - selbstverständlich.
Es muss bei dieser Schadensbegrenzung allerdings in erster Linie darum gehen, Strukturen, die eine Vernetzung von Risiken und Ansteckungseffekten bedeuten, abzubauen, so dass Verluste auf mildere bzw. weniger systemgefährdende Art und Weise realisiert werden können. (Stichwort: Trennbankensystem, Insolvenzordnung für Staaten, Änderung der Bilanzierungsvorschriften für verbriefte Kreditforderungen, Regulierung von CDS - nur Zahlungsansprüche im Schadensfalle bei gleichzeitigem Besitz des Basiswertes - etc. etc.)
Die Fehlinvestitionen und Verlutpositionen sind nun mal vorhanden - sie waren es im übrigen auch schon vor dem Ausbruch der Krise - durch sie sind sie nur zu Tage getreten.
Es führt kein Weg daran vorbei, diese auf die ein oder andere Art und Weise zu realisieren.
Man kann die Verluste natürlich auf die Allgemeinheit verteilen, dass macht sie allerdings gesamtwirtschaftlich nicht "unbedingt" besser tragbar. Wenn einzelne Banken als Marktteilnehmer ausscheiden, da sie astronomische Verluste alleine Tragen müssen, mag der Ansteckungseffekt in seiner Gesamtheit u.U. kleiner sein, als wenn die Allgemeinheit an den Verlusten beteiligt und die Bank weiter am Markt teilnehmen kann, insbesondere wenn es sich um eine reine Investmentbank handelte.
Insolvente Staaten scheiden dabei natürlich nicht aus dem Markt aus (um Missverständnisse zu vermeiden) Wer ausscheidet sind u.U. einige ihrer Gläubiger, wenn die notwendigen Schuldenschnitte durchgeführt werden.
Wenn man dabei das ein oder andere Institut für systemrelevant hielte, wäre es ausserdem vermutlich günstiger, lieber das einzelne Instititut gezielt aufzufangen, als Rundummaßnahmen zu schnüren.
Staaten erholen sich dabei von Schuldenschnitten und Währungsreformen oftmals doch schneller, als man meinen sollte. Ich denke da z.B. an Südkorea, Russland, Argentinien etc.
Man muss ihnen natürlich einen größeren Teil ihrer Schulden erlassen, wenn man sie in eine eigene Währung entlässt. Die Vorteile, die das für den Wettbewerb und in der Folge auch für Beschäftigung und Wohlstand mit sich bringen kann, sollte man m.E. nicht unterschätzen. Bei manchen Staaten sehe ich darin überdies die einzige realistische Chance.
"Es ist nämlich nicht so einfach im Katastrophenfall die wirklichen Schuldigen festzustellen und dort das Notwendige zu holen was im Regelfall nicht ausreichend vorhanden wäre"
Es geht weniger darum, Schuldige festzustellen, als darum, nicht von der Verantwortlichkeit für die eingegangenen Risiken zu befreien.
Wenn die Verluste dort realisiert werden, wo sie auch aufgetreten sind, bleibt dieser Zusammenhang automatisch bestehen.
Mit einer etwaigen strafrechtlich relevanten Schuld beschäftigen sich die Gerichte. Dies ist nicht Aufgabe von Wirtschaft und Politik. Hier kommt es lediglich auf die Frage an, wie sich solche Katastrophen in Zukunft vermeiden lassen. Dies kann überhaupt nur unter der Voraussetzung gelingen, dass sich die Akteure eben "nicht" auf ein bailout verlassen können. Anderenfalls kann man aufgrund des bedenklichen Anreizsystems kaum ein verantwortliches Handeln erwarten.
Es geht des Weiteren auch nicht darum, etwas zu holen, was bei demjenigen nicht mehr vorhanden ist, sondern gerade darum, den daraus entstehenden Verlust zu tragen.
Der Weg einer Inflation über geldpolitische Maßnahmen würde auch keineswegs zu einer gleichmäßigen Verteilung führen, ganz im Gegenteil. Dabei gibt es klare Gewinner und Verlierer.
Die Inflation wird durch solche Maßnahmen langsam und schubweise in Gang gesetzt, wenn das Geld in den Wirtschaftskreislauf gerät.
Da Banken und Staaten als erstes in den Genuß dieser Gelder kommen, können sie noch vor der Inflation zu vergleichsweise günstigen Preisen investieren.
Wenn die Inflation in Gang gesetzt wird, werden ihre Schulden zugleich entsprechend entwertet.
Der Bürger kommt hingegen (wenn überhaupt) erst viel später über Umwege in den Genuss dieser Gelder, dann ist die Inflation aber bereits im Gange. Indessen kann er zuschauen wie seine Ersparnisse entwertet werden.
Abgesehen von den Risiken dieser Maßnahmen, die wir beide gleich bewerten, führen diese dazu, dass das Verantwortlichkeitsprinzip völlig ausgehebelt wird. Es werden vor allem diejenigen herangezogen, die die Sache nicht zu verantworten haben. Das kann nicht sein.
Dieses Anreizproblem ist übrigens keineswegs neu. Es gibt dabei auch schon seit Jahrhunderten Lösungsvorschläge, die automatisch Abhilfe schaffen würden. Kredite müssten nur auf die Kaufkraft anstatt auf den nominalen Betrag bezogen sein.
Von da an gäbe es keinen Anreiz mehr, sich seiner Schulden durch Inflation zu entledigen - es würde nicht mehr funktionieren! Warum dies niemals umgesetzt wurde ist naheliegend. Banken und Staaten möchten gerade über diese Möglichkeit verfügen können.
Man darf auch nicht vergessen, dass die expansive Geldpolitik der Notenbanken in Form von weiteren Schulden seinen Weg zu den Banken und Staaten nimmt (Kredite, Anleihenkäufe)
Die Risiken werden durch das viele und billige Geld damit immer weiter erhöht. Verluste können dabei indessen nicht ewig über weitere Schulden verdeckt werden. Irgendwann schwindet das Vertrauen in die Werthaltigkeit des Geldes, was dann die Hyperinflation auslöst. Was gerade geschieht ist allenfalls temporär möglich.
Gleichzeitig wird damit der Grundstein für weitere Fehlallokationen und Blasenbildungen gelegt, was bei deren Platzen weitere Verluste nach sich zieht.
Das zu billige Geld ist ja gerade das Problem.
Man kann nunmehr nur noch hoffen, dass Harvardabsolventen wie Draghi und Co. diese Zusammenhänge hinreichend im Blick haben und im Hinblick auf die langfristigen Folgen wirklich wissen, was sie da tun.
Wenn die Nummer schief geht, dann haben wir wirklich noch den ultimativen Systemdefault.
P.S.:
Rücklagen zu bilden kann m.E. durchaus funktionieren, es setzt nur den Willen und die Stärke, Begehrlichkeiten standzuhalten voraus.
Es muss ja nicht das Sparbuch sein ;)
Es würde ja alleine schon reichen, wenn in Boomphasen ein "wirklicher" Abbau von Altschulden vorgenommen würde und so mehr Spielraum für Krisenzeiten geschaffen würde.