Recht interessant & diskutabel, daher des Einstellens hier wohl wert.
Ein Auszug, dann der Link.
"Schäuble hat mich sehr enttäuscht"
n-tv: Mit den Parteien haben Sie es nicht so recht. Sie sind aber unerlässlich für das Funktionieren der Demokratie. Brauchen wir aus Ihrer Sicht eine neue Partei? Sie engagieren sich ja bei den Freien Wählern.
Henkel: Ich unterscheide zwischen zwei Fragen. Einmal ist es eine taktische Frage: Wie stehen die deutschen Parteien zu Euro- und Europapolitik? Da finde ich im Bundestag keine, die ich für wählbar halte. Das Anliegen des Lissabon-Vertrags ist die Subsidiarität, das heißt, die Entscheidungen sollen so nah wie möglich an den Bürger herangetragen werden. Subsidiarität wird durch alle deutschen Parteien jetzt durch Zentralismus ersetzt. Sie ersetzen das Prinzip des Wettbewerbs durch das Streben nach Harmonisierung. Dahinter steckt nichts anderes als Kartellisierung. Mit anderen Worten: Zur Hauptsache wird, dass wir in der Eurozone alle gleich werden. Das wäre so wie bei einem 3000-Meter-Lauf, bei dem sich die Läufer darauf verständigen, gleichzeitig am Ziel zu sein. Zudem wurde das Prinzip der Eigenverantwortung, das für jeden Menschen und jedes Land gilt, über Bord geworfen. Die Schulden in Europa sollen vergemeinschaftet werden. Nur die im Bayerischen Landtag vertretenen Freien Wähler haben sich eine alternative Europapolitik auf die Fahnen geschrieben. Ich habe an der Willensbildung dieser Partei mitgewirkt. Sie hat sich nunmehr ein Alleinstellungsmerkmal verschafft und bewegt etwas. Man sieht das an der hysterischen Reaktion von CSU-Generalsekretär Dobrindt und Bayerns Finanzminister Söder. Zur strategischen Frage: Natürlich brauchen wir Parteien. Aber ich bin viel in der Welt herumgekommen und sage Ihnen: In keiner Demokratie sind die Parteien so mächtig wie bei uns. Und, die Münze einmal umgedreht, nirgendwo gibt es Bürger, die so wenig zu sagen haben wie in Deutschland.
n-tv: Was ist die Alternative? Volksentscheide, wie in der Schweiz? Das wäre ja auch nicht der Königsweg.
Henkel: Ich nehme ja auch nicht in Anspruch, dass ich den Königsweg kenne. Ich sage nur: Die Parteien bei uns sind übermächtig. Beispiele: Bundesfinanzminister Schäuble schlägt vor, den EU-Kommissionspräsidenten künftig durch das Volk wählen zu lassen. Das ist völlig absurd. Derselbe Wolfgang Schäuble kämpft vehement dagegen, dass der Präsident auch in Deutschland, wie fast überall in der Welt, vom Volk gewählt wird. Horst Köhler wurde in der Küche von Herrn Westerwelle ausgekungelt, zwischen dem Hausherrn, Frau Merkel und dem damaligen CSU-Chef Stoiber. Dann wurden 1100 Leute in der Bundesversammlung angekarrt, die dann Zettel falten durften, um das einmal in DDR-Terminologie auszudrücken. Das halte ich nicht für demokratisch. Im Grundgesetz steht, dass die Parteien an der Willensbildung mitwirken sollen. Sie haben sich aber die Willensbildung total unter den Nagel gerissen.
n-tv: Wer hat Sie am meisten enttäuscht?
Henkel: Wolfgang Schäuble. Ich habe früher extrem viel von ihm gehalten. Ich habe auch immer zu ihm gehalten. Ich erlebe ihn jetzt in der Eurokrise zunehmend als fanatisch. Er will den Euro buchstäblich um jeden Preis retten. Koste es, was es wolle. Es ist ihm wahrscheinlich egal, welche dramatischen Auswirkungen diese Eurorettungspolitik nicht nur für uns, sondern für ganz Europa hat. Er macht das in einer Weise, die ich inzwischen auch moralisch nicht mehr in Ordnung finde. Seine Erklärungen sind doppeldeutig und oft auch so trickreich, dass die Presse meist auch darauf hereinfällt. Ich schon lange nicht mehr. Er sagt zum Beispiel, dass eine europäische Bankenunion natürlich nicht zu einer Vergemeinschaftung der Schulden führen darf. Jeder Deutsche hat dann das Gefühl, ach, der vertritt ja unsere Interessen. Nein, nein! Schäuble unterstützt die Bankenunion, und das nicht nur obwohl, sondern weil sie zur Vergemeinschaftung der Schulden führt. In seiner Rhetorik tut er leider immer öfter so, als ob das Gegenteil von dem der Fall wäre. Es gibt unzählige weitere Beispiele. Er bereitet die Deutschen sukzessive und langsam auf die Schuldenunion vor. Er führt uns immer tiefer in die Reuse wie ein Angler die Fische. Ganz am Ende wird er dann zu Recht sagen können: Aus dieser können wir jetzt nicht mehr raus. Wir sollten uns dann aber daran erinnern, wer uns da hinein getrieben hat.
n-tv: Bedeutet das Inflation?
Henkel: Ja, mit Sicherheit. Wer aber profitiert davon? Der Schuldner! Also hat der ein großes Interesse an der Inflation, nicht derjenige, der Werte besitzt. Der Schuldner kann seine Schulden leichter zurückzahlen. Der Staat ist mit 2,2 Billionen Euro der größte Schuldner. Im Nachtragshaushalt 2012 kann man nachlesen, dass die Schulden durch die Eurorettung immer höher werden.
n-tv: Was hat Otto Normalverbraucher zu erwarten? Es gibt ja Gerüchte, die besagen, im Herbst ginge es los.
Henkel: Nein, so schnell geht das nicht. Das hat auch mit dem Euro zu tun: Die wirtschaftliche Dynamik lässt nach. Die Unternehmen können deshalb nicht die Preise erhöhen, sondern werden gezwungen, Arbeitsplätze abzubauen. Wir haben in der Eurozone mit 18 Millionen Erwerbslosen den höchsten Stand seit ihrem Bestehen. Die Sparmaßnahmen von Griechenland über Frankreich und demnächst auch bei uns führen dazu, dass die Wirtschaft abgewürgt wird. Die Inflation wird ausgelöst werden durch den Staat, auch durch dramatische Steuererhöhungen. Nach meiner Überzeugung ist die Inflation in Deutschland schon jetzt viel zu hoch. Wenn man bei einer angepeilten Ziel-Inflationsrate von 3 Prozent für Staatsanleihen nur noch 1 Prozent bekommt, dann dauert es nicht lange bis Ihr Geld weg ist. Wir leiden jetzt schon unter der Inflation.
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www.n-tv.de/politik/...ch-sehr-enttaeuscht-article7164851.html
Bubbles are normal and non-bubble times are depressions!