um im Großraum München "das ganz neue Bayern" aufzubauen. Siemens verlagerte seine Geschäftsführung nach München, Triumph-Adler ging pleite, die Arbeitslosigkeit in Nürnberg erreichte Rekordstände. Alles, was sich "Jungakademiker" nannte, wollte nach München. Da ich den direkten Vergleich Rhein-Main vs. Nordbayern hatte, staunte ich nicht schlecht. Die permanenten Fanfarenklänge der CSU wollten zur damals bereits erkennbaren Rezession in Mittel/Oberfranken und Oberpfalz nicht recht passen. Ca. 1985 konnte man die nordbayerische Stadt Hof als "Geisterstadt" erkennen. Dennoch trug der Franke bei Volksfesten damals stolz die weißblauen Fahnen vor sich her.
Ich hatte Gelegenheit ,in mehreren Bundesländern zu arbeiten, auch relativ unmittelbar nach der Wende in der ehemaligen DDR. Ich denke, ich kann sagen: Überall neigt der Deutsche zu einer spartanischen Lebenshaltung - je einfacher, desto besser. Das gilt insbesondere für "Neufünfland", wo das nach kurzer Euphorie Anfang der 90er seit ca.1996 zu bemerken war. Inzwischen, vllt seit ca. 2005, ist dieser Spartanismus auch im Westen angekommen.
Die beiden industriellen Problemgebiete liegen in NRW - westliches Ruhrgebiet - und Berlin. Beim Ruhrgebiet ist die immer noch laufende Abwicklung der Montanindustrie das Kernproblem. Reine Arbeiterstädte wie Mühlheim, Oberhausen, Duisburg haben im Grunde keine Existenzgrundlage mehr. Berlin wiederum ist in einer wirtschaftsgeographischen Randlage und hatte keine Möglichkeit , nach WK II an seine einstmals führende Rolle in der Elektroindustrie anzuknüpfen. Es sei hier auch daran erinnert, dass Westberlin mehr als 40 Jahre eine Exklave war, die nur durch hohe Fördergelder aus dem Westen am Leben gehalten werden konnte.
Unmittelbar im Zuge der Wende verließen über 1 Mio Menschen die DDR und gingen in den "Westen" , genauer nach Süden. Ebenso viele kamen aus Niedersachsen in den Süden. Rechnete man die von diesen Wanderern erbrachte Wirtschaftskraft in die Transferleistungen ein, würde sich herausstellen, dass der Süden - ganz im Sinne der Ausschlachtungstheorie - vom "armen Norden" netto profitiert hat. Das stellt die innerdeutschen Transferleistungen in ein anderes Licht.
Aussagen wie "Bremen ist das deutsche Griechenland" sind daher grob falsch. Das alleine wäre dem Urheber ja noch nachzusehen - dumm darf man sein - doch ich sehe den Willen zur Desinformation, da die EMU-Transformationsmechanismen etwas ganz anderes sind, um medizinisch zu sprechen: Der Malignitätsgrad ist bedeutend höher.