war der Baltic Dry sehr wohl ein brauchbarer Frühindikator:
- 2001 (d.h. ca. 1,5 J. vor dem Börsentief im März 2003) brach der BDI um -45 % ein.
- 2008 (knapp 1 Jahr vor dem Börsentief in 2009) brach der BDI um -91,5 % ein.
Aktuell ist der BDI allein seit Dez. 2011 um -65 % eingebrochen (Chart unten). Es steht Dir frei, dies zu ignorieren. Es passt aber - da der BDI ein Fundamental-Indikator ist, der auf faktisch gezahlten Preisen beruht - recht gut zu dem, was Mauldin in # 806 hinsichtlich des kärglichen US-BIP-Wachstums zu berichten weiß.
Ansonsten sollte Dir bekannt sein, dass Bären - wie wir hier im Thread - die Tendenz haben, das Glas eher halb leer zu sehen als halb voll. Objektiv ist das "Baltic Dry Glas" zur Zeit - bezogen auf den Pegelstand von Dezember - nur noch zu 35 % gefüllt. Der Trend zeigt "dynamisch abwärts", es ist keinerlei Bodenbildung erkennbar. Dass es 2008/2009 und davor bei (unbereinigten) Ständen um 700 zu Trendwenden/Abprallern nach oben kam, beweist nichts. Früher haben die Zentralbanken auch nicht für Billionen-Beträge Staatsanleihen aufgekauft.
Der Stand von 2001, als der BDI in der Dot.com-Krise die 700-Marke touchierte, entspricht in heutigen Dollars eher einem von 1100. Man sollte, ehe man von "Abprallern an 700" träumt, erst mal mit einem inflationsbereinigten BDI-Langheit-Chart für klare Sicht sorgen. Denn inflationsbereinigt befindet sich der BDI zur Zeit auf Allzeittief. Beim Öl nimmst Du ja auch nicht die Preismarken von 1999, als Öl bei 10 Dollar stand.
Die Frachtschiffer müssen übrigens die jetzigen horrenden Schwerölpreise TROTZ des extremen Verfalls der Frachtpreise zahlen. Das dezimiert deren Renditen doppelt. Die Branche arbeitet zurzeit defizitär. Das ist aber unterm Strich immer noch billiger, als die Schiffe auf Halde liegen zu lassen (da sie auch im Ruhezustand hohe Fixkosten verursachen).
Ein weiterer Unterschied zu 2001 und 2008/2009 ist, dass es damals noch keine Schiffsschwemme gab wie jetzt. Sie ist eine Folge der zahlreichen Neubestellungen aus dem Rohstoff-Boom in 2008. Eine Schwemme gibt es nicht nur bei den großen "Bulk-Carriern" (Schüttgut), sondern hier zu Lande auch bei Binnenschiffen: In holländischen Werften rosten zahlreiche halbfertige, aus China importierte Roh-Rümpfe für die Fertigung von Binnenschiffen "auf Halde" vor sich hin: www.verkehrsrundschau.de/...iffsruempfe-liegen-auf-halde-1066559.html
Im Rohstoff-Boom von 2008 hatte der Baltic Dry eine krasse Euphorie-"Fahnenstange" mit Stände(r)n um 11.700 ausgebildet. Das war gut 16 Mal höher als am Tief von 2001 - und ein klares Indiz für "irrational exuberance". Viele Gier-besoffene Reeder haben diesen Trend endlos in die Zukunft verlängert und wie blöd Neubauten bestellt - ein schwerer Fehler, der die jetzige Schiffsschwemme verursachte.
Es ist strittig, ob der extreme aktuelle Frachtpreisverfall auf die Schiffsschwemme oder auf ein stark rückläufiges Frachtaufkommen (z. B. infolge von Chinas Konjunkturbremsungen) zurückzuführen ist. Ich hatte vor einigen Tagen dazu zwei Postings verfasst (Links hier gepostet) und kam zu dem Schluss, dass die Indizien für einen Konjunktureinbruch überwiegen. Bubblevision behauptet das Gegenteil.
Inwieweit der BDI-Absturz börsentechnisch relevant ist, muss man sehen. Der BDI ist nur ein Indikator von vielen - und zugegeben nicht immer eindeutig. In den Krisen ab 2001 und 2008 hat es jedoch mit dem BDI-Frühindikator recht gut hingehauen. Es gibt wenig Grund daran zu zweifeln, dass der fallende BDI auch diesmal eher von Eintrübung als von einem neuen Aufschwung im Welthandel kündet. Zumindest für die Frachtschiffer sieht es definitiv übel aus.
Baltic Dry Index seit 1995:
(Verkleinert auf 69%)

