Ich befürworte grundsätzlich stark bullische Einstellungen in Bezug auf Wirtschaft, Konjunktur, …… Aber um sicherzustellen, dass das nicht nur Zweckoptimismus und heiße Luft ist, die da "geblasen wird", hätte ich halt gelegentlich gerne mal die Datenbasis gesehen, auf welcher sich solche Einschätzungen gründen.
Jüngstes Beispiel: die Veröffentlichung der Konjunkturumfrage Herbst 2010 durch die DIHK. Hierbei handelt es sich um die Zusammenfassung der Ergebnisse der 80 IHKs in Deutschland, die ihrerseits 28.000 (repräsentative) Betriebe befragt haben.
Das Statement der IHK liest sich in kurzer Zusammenfassung so:
Der Aufschwung wird selbsttragend. Angeschoben von den Exporterfolgen zieht die Binnennachfrage in den nächsten Monaten verstärkt an. Die Geschäftserwartungen der befragten Unternehmen verbessern sich weiter (1) – wenngleich mit vermindertem Tempo
In den allgemeinen Konjunkturoptimismus mische sich ein „Schuss Unsicherheit“ (2), weil die Konjunktur in den USA, in Japan und in Teilen Europas bislang kaum in Gang gekommen sei.
Dennoch spreche viel dafür, dass die Wirtschaftleistung in Deutschland bereits 2011 wieder an das Vorkrisenniveau anknüpfen kann. Nach einem Wirtschaftswachstum von 3,4 Prozent in diesem Jahr – dem besten Wert seit der Wiedervereinigung – rechnet der DIHK für 2011 mit einem Plus von 2,4 Prozent (3). Das wäre immerhin ein doppelt so starkes Wachstum wie im Durchschnitt der letzten 20 Jahre.
Diese Entwicklung schlägt sich erfreulicherweise auch weiterhin auf dem Arbeitsmarkt nieder. Die Unternehmen wollen kräftig einstellen (4). Für das Jahr 2011 rechnen wir mit 300.000 zusätzlichen Beschäftigten und im Durchschnitt mit 2,9 Millionen Arbeitslosen.
Nun die Erhebungen der Daten durch die DIHK / IHKs sind das eine, die Interpretation der Zahlen durch die DIHK sind das andere. Vorgenannte „statements“ der DIHK vermag zumindest ich aus den öffentlich zugänglich gemachten Daten nicht ableiten.
Zu (1): die Geschäftserwartungen der befragten Unternehmen verbessern sich weiter
Im Frühsommer 2010 lag der Anteil der befragten Unternehmen, die bessere Geschäftserwartungen haben bei 33%, die unveränderte Geschäftserwatungen haben bei 53% und mit schlechteren Geschäftserwartungen bei 11%
Im Herbst 2010 lagen die entsprechenden Zahlen bei 33%, 56% und 14%.
D. h. das „Grüppchen“ von Unternehmen mit besseren Geschäftserwartungen ist unverändert geblieben und die Unternehmen, die unveränderte Geschäftserwartungen haben, hat sich etwas erhöht, die Unzufriedenen waren dabei etwas rückläufig.
Wie man angesichts solcher marginalen Verschiebungen von weiter sich verbessernden Geschäfterwartungen sprechen kann, ist mir ein Rätsel. Da mögen statistische Erehebungseffekte eine Rolle gespielt haben. Immerhin erwartet die deutliche Mehrheit der Unternehmen eine unveränderte Geschäftslage. Ich würde das ganze als Stagnation in den Geschäftserwartungen verstehen.
Im Hinblick auf die geradezu "euphorischen Schwelgereien" der DIHK wäre grundsätzlich auch einmal anzumerken, dass auch im Herbst 2010 ca. 50% der befragten Unternehmen ihre aktuelle Geschäftslage nur als lediglich befriedigend einschätzen.
zu 2 und 4: Schuss Unsicherheit / Unternehmen wollen kräftig einstellen
Das klingt so nach dem „kleinen Wermutstropfen“, der einen klaren See aber nicht wirklich eintrüben kann.
Man braucht sich doch nur mal anzuschauen, bei welchen Firmen die überwiegenden Einstellungen erfolgen sollen. Mit deutlichem Abstand und allen voran sind das die Zeitarbeitsfirmen.
Das sagt doch alles über die Größe dieses „Tropfens Unsicherheit“ aus. Das scheint eher ein „mitreißender Strom“ zu sein, der hier durch die Unternehmenslandschaft fließt. Flexibilität bewahren, Kapazitäten auch wieder schnell abbauen können, scheint hier die vorherrschende Devise zu sein.
Wahre Sicherheit und wirkliches Vertrauen in eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung sieht m. E. anders aus.
zu 3: BIP – Wachstum 2011: + 2,4%
no comment.
Es ist die Aufgabe des Marktes, so viele Marktteilnehmer wie möglich in die Irre zu führen.