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als Folge von IKE um bis zu 20% gestiegen. Dabei mag es sich um ein vorrübergehendes Phänomen handeln bis Klarheit über den Zustand der Raffinerien herrscht.
Ein phsychologischer Schaden beim gebeutelten US Verbraucher sollte dennoch entstanden sein. Die Menschen stehen in Schlangen vor den Tankstellen und müssen zusehen wie die Preise in mehreren Runden angehoben werden bis sie an der Reihe sind.
Pain at the pump.
iReporters flee Ike, brave gas lines
(CNN) -- Cheri Morgan spent about half-an-hour in line at a Houston-area gas station on Thursday before evacuating the city. "Everyone was driving crazy and they really need some kind of traffic flow at the gas stations. It's wild," she said. "Everybody's rushing and panicking. I could have stayed, but I thought it was best to just get out of there." Morgan said it took her about five hours to make the 200 mile drive to San Antonio -- a trip that normally only takes about three hours. Ike is expected to make landfall on the Gulf Coast of Texas, which is home to many of the country's oil refineries. That's led to a scramble at gas stations as people try to fill up before the storm hits. iReport.com: Are you in Ike's path? People were filling up their cars and their gas cans at a Sam's Club in College Station, Texas, iReporter Kyle Norton told CNN.com. "The lines were a tad ridiculous," the 30-year-old banker said. Norton said his 2002 Dodge Ram pickup was on empty, so he had no choice but to wait in line for an hour. Despite the long lines, Norton said gas was about $3.49, which is pretty normal for the area. He said a friend had to go to four different stations before he could find one that still had regular unleaded. iReporter Jeremy "Clete" Terrell said the lines also were long at the Costco in Alpharetta, Georgia. "I was getting gas and realized that everybody else was too," he said. iReporter Curtis McNeely said a Kangaroo Express station in Evansville, Indiana, imposed a 10 gallon limit. "It's causing paranoia more than anything," he said adding that people are returning to the gas station to fill up multiple times. A spokeswoman for the company that runs the Kangaroo Express chain says it's imposed a limit at its 1,660 stores because gas supplies are tight. Several stations in Ocala, Florida, were limiting sales if they still had gas to sell, iReporter Christine Bailey said. Canadian Ian McIntosh said gas prices jumped 57 cents per gallon overnight in Milton, Ontario. "This stuff's in the tanks, it's just sitting in the gas stations, they're using this as a windfall event," the retired teacher said. McIntosh said he heard prices were going up on the news, so he and his wife got gas last night -- along with many other residents of the Toronto suburb. "A gas station that would normally have three or four cars -- you had 15 cars and you had to line up to get to the pumps," he said. Rumors that gas would jump to $6 a gallon caused a panic in Sylva, North Carolina. iReport.com: Police called in at mountain gas station Lines were a half-mile long Thursday night at the stations that stayed open, and police were called in to maintain order, iReporter April Brendle said. "Supposedly there was a fight at one station," she said. |
Die Entwicklung der Aktienkurse hängt nach Einschätzung von Experten auch in der kommenden Woche davon ab, wie es bei Lehman Brothers weitergeht. Zuversichtlich geben sich die Analysten nicht.
Vor allem die Frage, wie es mit der angeschlagenen Investmentbank Lehman Brothers weitergeht, treibt Investoren um. Es wird erwartet, dass Lehman Chef Richard Fuld am Wochenende eine Lösung präsentiert - was zumindest kurzfristig für ein Aufatmen am Aktienmarkt sorgen könnte. Entsprechend dürften Anleihekurse vorübergehend, aber nicht nachhaltig verlieren. Die jüngste Dollar-Rally halten Beobachter vorerst für beendet. Insgesamt aber dominiert weiterhin Skepsis die Anlegerstimmung.
Spekuliert wurde, dass die Bank of America den Rivalen Lehman, dessen Aktie Freitag erneut fiel, erwerben könnte. Kommt eine solche Übernahme zu Stande, dürfte das für eine Beruhigung am Aktienmarkt sorgen, allerdings nur vorübergehend. Immerhin schafften die Börsen vergangene Woche ein kleines Plus - die Verstaatlichung der US-Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddi Mac hatte kurzzeitig Kauflaune verursacht. Der deutsche Leitindex Dax stieg um 1,8 % auf 6234,9 Punkte. Der europäische Stoxx 50 legte 2,9 % zu. In den USA gewann der S&P 500 0,8 %.
Jäh gestoppt werden könnte dieser Trend schon von Sorgen um die größte US-Sparkasse Washington Mutual. Die Bank hat ernsthafte Kapitalprobleme und erwägt den Verkauf von Filialen. "Die Bank hat zwar versucht, die Märkte zu beruhigen, aber sowohl Kunden als auch Investoren sind weiter nervös", sagt Jamie Peters, Analystin von Morningstar. "Man darf nicht naiv sein und denken, dass angesichts der größten Kreditkrise in der Geschichte nur noch eine Bank untergeht", meint Richard Yamarone, Ökonom bei Argus Research. Zuletzt mehrten sich Meldungen, dass auch der Versicherer American International Group, der stark im Hypothekengeschäft engagiert ist, vor einem Kapitalengpass steht.
Nun blicken Anleger auf Goldman Sachs und JP Morgan, die Quartalszahlen diese Woche vorstellen. "Ich erwarte Verluste an allen Fronten", sagt Brian Fabbri, Stratege von BNP Paribas.
Diese Hiobsbotschaften wirken unmittelbar auf die hiesigen Aktienmärkte. Die DZ Bank weist darauf hin, dass die Stimmung am deutschen Aktienmarkt selten so schlecht ist wie zurzeit: Der Sentiment-Index der Deutschen Börse zeige einen ähnlich hohen Pessimismus wie beim Dax-Jahrestiefstand von 5999 Punkten am 15. Juli. "So ein hoher Grad an Angst und Verunsicherung hat in der Vergangenheit nicht selten die Ausbildung eines neuen Bodens am Aktienmarkt zur Folge gehabt", schreiben die DZ-Bank-Analysten.
Ob der Bankenprobleme treten sonst viel beachtete Konjunkturdaten in den Hintergrund - allerdings ergaben am Freitag veröffentlichte Zahlen auch kein klares Bild. Zum Wochenauftakt gibt es Daten zur Industrieproduktion, am Dienstag die Verbraucherpreise. Mehr Aufmerksamkeit finden wird ebenfalls am Montag die Zinssitzung der US-Notenbank Fed. Zwar wird kein Zinsschritt erwartet. Daher geht es vielmehr aber um Äußerungen der Notenbanker, die sich erstmals nach dem Heraufschnellen der Arbeitslosenzahlen treffen.
Auch an den Anleihemärkten diktiert Lehman die Richtung. Analysten rechnen fest mit einer raschen Lösung und damit einhergehend zunächst mit Rückschlägen bei risikoarmen Anlagen wie Anleihen. Mit einem nachhaltigen Effekt rechnet jedoch kaum ein Experte.
"Die Skepsis in den Märkten gegenüber Rettungsaktionen der US-Regierung wachsen. Die Erleichterung über Stützungsmaßnahmen verpufft immer schneller", sagt John Davies, Rentenstratege der WestLB. Nach Bear Stearns habe der Optimismus rund drei Monate gehalten, die ersten Gespräche über eine Rettung von Fannie Mae und Freddie Mac hätten nur wenige Wochen für Erleichterung gesorgt und deren Stützung nur noch einen Tag. In der anbrechenden Woche würden sich die Rentenmärkte vermutlich auf dem aktuellen Niveau halten, doch schon bald dürften die Renditen weiter sinken, sagt Davies.
Dazu trägt neben der Furcht weiterer Hiobsbotschaften aus der Bankenbranche auch der Rückgang des Ölpreises. "Mit dem psychologisch wichtigen Abtauchen unter die 100-$-Marke pro Barrel (159 Liter) ergeben sich günstige Perspektiven in den kommenden Monaten", schreibt die Helaba. Das könnte die Inflationsängste dämpfen.
Die Dollar-Rally dürfte vorerst beendet sein. Nach einer massiven Abwertung des Euro in den vergangenen Wochen sei die Zeit nun reif für eine Gegenbewegung, sagen Analysten. Zuvor hatte der Greenback davon profitiert, dass US-Anleger aufgrund der Nervosität Auslandsanlagen liquidiert und Kapital zurück in die USA transferiert hatten. Eine Lösung bei Lehman dürfte daher wieder Euro und Währungen von Schwellenländern stützen.
[D.h. EUR/USD und US-Börsen korrelieren auch weiterhin, fallen die US-Börsen, steigt der Dollar wegen Risikoaversion - A.L.]
Von der Zinssitzung der Fed erwarten Experten, dass sie die Inflationsrisiken weniger stark betont und die Konjunkturgefahren mehr hervorhebt. Auch das könnte den Dollar zunächst schwächen. "Mittelfristig wird aber auch der Trend zum Abbau von schuldenfinanzierten Geldanlagen und die Repatriierung von Kapitalströmen in den USA den Dollar erneut stützen", sagt Hans-Günter Redeker, Devisenanalyst von BNP Paribas.
http://www.ftd.de/boersen_maerkte/aktien/...le/413179.html?mode=print
Gespräch mit Richard Sennett
"Amerika befindet sich im Niedergang"
Deutschland wird die Folgen der Finanzkrise besser verkraften als die Vereinigten Staaten - dieser Ansicht ist der amerikanische Soziologe Richard Sennett. Der 65-Jährige lehrt an der New York University und der London School of Economics. Sein Forschungsgebiet sind die Arbeitsbedingungen in der Industriegesellschaft. Kritisch setzte er sich zuletzt vor allem mit der hohen Flexibilität auseinander, die in der Globalisierung verlangt wird. Sein erstes wichtiges Buch war "Verfall und Ende des öffentlichen Lebens" (1977). Über sein Fachgebiet hinaus bekannt wurde er 1998 mit "Der flexible Mensch". Sein neuestes Buch "Handwerk" erschien zu Jahresbeginn. Darin untersucht er die Entwicklung handwerklicher und industrieller Fertigkeiten in der Geschichte. Sennett wuchs in einem Armenviertel Chicagos auf und hat neben der amerikanischen die britische Staatsbürgerschaft.
SZ: Herr Professor Sennett, die Vereinigten Staaten stecken in der schwersten Finanz- und Wirtschaftskrise seit Jahrzehnten. Wie wirkt sich das auf die amerikanische Gesellschaft aus?
Sennett: Die Folgen sind gewaltig. Diese Gesellschaft hat bisher Ungleichheiten dadurch überdeckt, dass sie auf Pump lebte. Durch die Subprime Loans (zweitklassige Hypotheken), durch die unzähligen Kreditkarten, die die meisten Amerikaner haben, entstand eine Illusion von Wachstum, die jetzt zerstört wird. Die Menschen verlieren nicht nur ihren Arbeitsplatz, sondern auch ihr Haus, sie können sich das gewohnte Konsumniveau nicht mehr leisten. Das hat eine tiefe Bedeutung: Die Amerikaner glaubten, sie seien Sieger im Kapitalismus. Dies Selbstvertrauen verschwindet und wird ersetzt durch das Gefühl des Niedergangs.
SZ: Haben Sie Belege für diese fundamentale Aussage?
Sennett: Mein Forschungsgebiet ist die Arbeitswelt. Dies ist nicht nur eine Finanzkrise, sie hat mit der mangelnden Fähigkeit der amerikanischen Arbeitnehmer zu tun, im Wettbewerb mit dem Rest der Welt zu bestehen. Amerika hat es nicht geschafft, in der breiten Bevölkerung jene Fähigkeiten zu entwickeln, wie es sie in Europa oder in China gibt. Der falsche Finanz-Boom des frühen 21. Jahrhunderts hat die Illusion geweckt, dass der fundamentale Verlust an Fertigkeiten keine Rolle spielt. Und jetzt werden die Menschen gewahr, dass sie sich getäuscht haben.
SZ: Auch in anderen entwickelten Ländern verschwinden Arbeitsplätze und wandern in die frühere Dritte Welt ab. Was ist in den USA anders als in Europa?
Sennett: Es kommt darauf an, über welches europäische Land wir reden.
SZ: Nehmen wir Deutschland.
Sennett: Es mag Sie überraschen, aber Deutschland ist besser in der Lage, mit dieser Krise fertig zu werden als die USA. Die deutschen Arbeitnehmer sind besser ausgebildet, Deutschland exportiert immer noch Hightech-Maschinen in die ganze Welt, das System der Lehrlingsausbildung ist ausgezeichnet. Die USA haben eine effektive Analphabeten-Quote von 28 Prozent.
SZ: Was meinen Sie damit konkret?
Sennett: Sowohl Senator John McCain als auch seine Partnerin Sarah Palin repräsentieren die Sehnsucht nach einer vergangenen, wohlbekannten und sicheren Welt. Dagegen sind sich sehr viele Demokraten der Tatsache bewusst, dass die Dinge falsch laufen, dass die Arbeitnehmer geschwächt sind, dass einige Konsummuster selbstzerstörerisch sind. Es ist nur noch nicht klar, was sie mit dieser Erkenntnis tun werden.
SZ: Inwiefern sind die Arbeitnehmer geschwächt? Die Arbeitslosigkeit in den USA ist niedriger als in Deutschland.
Sennett: Einer der Gründe, weshalb die Statistik so aussieht, ist die Tatsache, dass hier die beinahe 1,5 Millionen Menschen in den Gefängnissen nicht mitgerechnet werden, ebenso wenig wie jene, die nur Teilzeit arbeiten. So entsteht ein falsches Bild. Der entscheidende Punkt sind die Fertigkeiten: Ein Lehrer kann Ihnen sofort die Unterschiede zwischen dem Absolventen einer guten High School und einem deutschen Abiturienten sagen. Nach einer Faustregel brauchen High-School-Absolventen ein bis zwei Jahre, um zu ihren europäischen Altersgenossen aufschließen zu können. Weiter unten sieht es noch viel schlechter aus. Unsere Unternehmen haben zu wenig Anreize, ihre Mitarbeiter weiterzubilden. Die kaufen die Arbeit dort ein, wo sie sie finden können, sie investieren nicht in Mitarbeiter. 40- und 50-Jährige werden oft an den Rand gedrängt, weil sich niemand die Mühe macht, sie auf den neuesten Stand zu bringen. Das ist der Unterschied zwischen der amerikanischen und der japanischen Autoindustrie. Manchmal ärgere ich mich über Deutsche, die sich über die "Dummheit" der amerikanischen Arbeiter auslassen...
SZ: ... so etwas sagt man in Deutschland wirklich?
Sennett: Ja, ganz oft. Aber die Amerikaner sind nicht dümmer, sie haben nur keine Weiterbildungsmöglichkeiten.
SZ: Aber machen die Amerikaner diesen Mangel nicht durch Innovation wett?
Sennett: Ein paar wenige Spitzenfirmen tun das. Wall Street und Silicon Valley geben aber ein falsches Bild. Die durchschnittliche US-Firma ist nicht innovativ und ziemlich unbeweglich im Umgang mit Mitarbeitern und Kunden. Dies lässt sich in der Fähigkeit der Amerikaner zum Export messen, die in den vergangenen zehn Jahren erodiert ist. Die deutschen und andere europäische Exportunternehmen werden dagegen immer innovativer und flexibler. Nokia ist innovativ, Microsoft hat nur ein Monopol.
SZ: Eine Konsequenz in den USA scheint wachsender Protektionismus zu sein.
Sennett: Damit wird das Problem auf eine moralisierende Ebene gehoben: Wenn die Chinesen besser sind, dann kann das nur daran liegen, dass sie unfair spielen. Aber diese Moralisiererei dürfte in sich zusammenfallen. Selbst wenn die chinesische Währung freigegeben würde, würde das den Amerikanern nicht viel helfen, weil die Chinesen ihre Waren woanders einkaufen.
SZ: Wird das Gefühl für die Krise von den Amerikanern geteilt?
Sennett: Ich führe seit 15 Jahren Interviews mit Arbeitern. Dabei zeigt sich immer mehr eine tiefe Verunsicherung über die Zukunft der Arbeitsplätze. Diese Verunsicherung taucht in keiner Statistik auf. Ja, die Menschen sind sich der Krise bewusst, aber sie haben noch keinen Namen dafür.
SZ: Ändern die Menschen ihr Konsumverhalten?
Sennett: Nein, und das ist Teil des Problems. Es gibt ein sehr amerikanisches Verhaltensmuster: Bist du unglücklich, geh einkaufen.
SZ: Aus ökonomischer Sicht ist die Lösung doch klar: Die USA gehen durch eine Reinigungskrise, und am Ende steht eine höhere volkswirtschaftliche Sparquote.
Sennett: So funktioniert das nicht. Wir befinden uns in einer stagnierenden Wirtschaft, und das hat auf eine fundamentale Weise mit unserer Lebensweise zu tun. Wenn wir richtig nachmessen würden, wären die Menschen vermutlich schockiert, wie wenige in diesem Land wirklich vollbeschäftigt sind. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass es Einwanderern auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt in der Regel besser geht als Einheimischen. Das hat zwei Gründe: Erstens sind die Konsummuster der Einwanderer anders, besonders in der ersten Generation. Sie versuchen zu sparen und sind noch nicht dieser Konsumkultur verfallen. Und fast durch alle Einwanderer-Gruppen hindurch legen die Neuankömmlinge auch mehr Wert auf den Erwerb von Fähigkeiten und Bildung als jene, die schon länger im Land leben. Klassische Beispiele sind etwa die Koreaner, die Kenianer, die Brasilianer und die Leute aus der Dominikanischen Republik.
SZ: Was sind die politischen Konsequenzen der von Ihnen beschriebenen Krise?
Sennett: Barack Obama fühlt sich in die Probleme hinein. Sein erster Instinkt war, sehr protektionistisch zu werden. Er hat noch kein sehr detailliertes Programm, um mit den Problemen umzugehen, jedenfalls soweit es über den rein finanziellen Aspekt der Krise hinausgeht. Aber die Leute in seiner Umgebung denken weiter. Obama hat ein exzellentes Wirtschaftsteam. Die Republikaner dagegen sind eine Partei der Phantasien. George Bush phantasierte über globale Kontrolle, McCains Phantasien haben mit Stärke als Charaktereigenschaft zu tun, seine Partnerin Sarah Palin träumt von der Rückkehr zur heilen Welt der amerikanischen Kleinstädte. Für mich ist sie eine dekadente Figur. Wenn die Republikaner die Wahl gewinnen, wird sich die Krise vermutlich noch verschärfen. Obama weiß noch nicht genau, was er tun soll, aber er ist Realist. Und er hat unzählige junge Leute mobilisiert, die alle wissen, dass sich das Land ändern muss. Ich hoffe nur, dass er gewählt wird.
SZ: Im Januar hielten Sie es noch für unmöglich, dass er überhaupt nominiert wird.
Sennett: Ich hatte gefürchtet, dass der immer noch vorhandene Rassismus in den USA dies verhindern würde, und bin jetzt sehr froh, mich geirrt zu haben.
SZ: Angenommen Obama wird gewählt und er engagiert Sie als Berater - was würden Sie ihm raten?
Sennett: An erster Stelle würde ich sagen: Geben Sie mehr Geld für die Schulen aus, das ist die einzige Zukunft, die wir haben. Im vergangenen Jahr gaben unsere Schuldistrikte 600-mal mehr für Sport aus als für Naturwissenschaften - können Sie sich das vorstellen?
SZ: Was genau ist falsch im Bildungssystem? Die ganze Welt beneidet die USA um ihre großen Universitäten.
Sennett: Die Elite-Universitäten sind in der Tat hervorragend, aber das sind nur ungefähr hundert. Wenn Sie eine Stufe niedriger gehen, gibt es nichts mehr zu beneiden. Das ist überall so: Oben ist Amerika spitze, aber die große Masse der Gesellschaft droht zu scheitern. Harvard ist ein Traum, der ist aber nur für ganz wenige erreichbar. Für die anderen gibt es nichts Vergleichbares. Der größte Mythos über Amerika ist der von der klassenlosen Gesellschaft.
SZ: In Amerika sind die Unterschiede vielleicht größer als in Europa, aber es gibt viele Menschen, die sehr schnell von ganz unten nach ganz oben kommen.
Sennett: Das sind die Leute, die Sie treffen, weil sie in den entsprechenden Kreisen verkehren. Aber die soziale Mobilität ist in den USA seit den siebziger Jahren gesunken. Es kommt nicht darauf an, ob jemand, der in Armut geboren ist, nach Harvard geht. Worauf es ankommt ist, ob es viele Leute aus der Armut in die untere Mittelschicht schaffen. Das alte Muster, dass jede Generation einen gewissen Aufstieg erwarten kann, funktioniert nicht mehr.
SZ: Und woran liegt das?
Sennett: Dafür gibt es viele Gründe, das Bildungssystem, aber auch die Starrheit vieler amerikanischer Institutionen. In normalen US-Firmen geht es nicht zu wie bei Google. Und dann der Staat: Für viele Schwarze in New York begann der soziale Aufstieg über eine Anstellung im öffentlichen Dienst. Jetzt schrumpft dieser öffentliche Dienst und eine junge Frau, die früher Sekretärin bei der Stadt geworden wäre, findet nur noch einen sehr schlechten Job.
SZ: Führt der Weg nicht von den sogenannten McJobs zu den besseren?
Sennett: Das ist sehr schwierig. Apropos McJobs: McDonald's muss man eines zugutehalten: Das Essen ist schrecklich, aber sie tun wirklich etwas, um ihre Mitarbeiter zu fördern. Aber die sind die Ausnahme. Ein weiterer Faktor, der die soziale Mobilität hemmt, ist das Scheitern vieler kleiner Firmen. Der Anteil ist viel höher als in Deutschland oder Skandinavien. Einer der großen Fehler der zweiten Regierung Bush war die Politisierung der Small Business Bureaus - das ist eine nationale Einrichtung zur Förderung von Kleinunternehmen. Die Büros sind zu einer Pfründe für verdiente Republikaner geworden - inkompetent und nutzlos. So etwas macht keine Schlagzeilen, aber es ist wichtig.
SZ: Welche Rolle spielen Gewerkschaften?
Sennett: Wenn wir in Amerika Gewerkschaften wie die IG Metall hätten, dann wären wir besser dran. Unsere Gewerkschaften kümmern sich nur um ihre langgedienten Mitglieder.
SZ: Aber ist nicht die amerikanische Autogewerkschaft UAW, die man am ehesten mit der IG Metall vergleichen kann, mit schuld am Niedergang der Autoindustrie?
Sennett: Wie kommen Sie darauf?
SZ: Die UAW hat den Konzernen Gesundheitskosten aufgezwungen, die europäische und asiatische Firmen nicht haben.
Sennett: Das ist die Frage nach der Henne und dem Ei. Die UAW musste das tun, weil ihre Mitglieder sonst keine Krankenversicherung bekommen hätten. Ich sage Ihnen noch etwas: Sie finden Ihr System der Mitbestimmung vielleicht nicht so gut, und es hat sicher Mängel. Aber in Amerika haben die Arbeitnehmer fast gar keine Stimme in ihrem Betrieb, es fehlt die Verfahrens-Gerechtigkeit, wenn sie sich über etwas beschweren wollen. Besonders in Unternehmen, die immer wieder umstrukturiert wurden, fühlen sich die Arbeiter nicht mehr autonom in ihrer Arbeit. Hätten wir Mitbestimmung, wäre das anders. Für viele Gewerkschafter hier sind die Verhältnisse in Deutschland geradezu wie ein Traum.
SZ: Trotz der Arbeitslosigkeit?
Sennett: Wissen Sie, was mir an Deutschen und auch an Skandinaviern auffällt? Sie haben eine wahre Freude daran, sich zu beklagen, sie sind unfähig zu sagen: Ja, wir haben einen ganz guten Job gemacht.
SZ: Auf Deutsch: Hört auf zu jammern!
Sennett: Ja, und das ist auch wichtig. Europäer halten seit dem Zeiten Weltkrieg Amerika für ein Modell. Und das ist es nicht.
SZ: Denken Sie, dass Deutschland ein Modell für Amerika ist?
Sennett: In Teilen seines Sozialstaats: Ja.
www.sueddeutsche.de/wirtschaft/90/310023/text/
By CARRICK MOLLENKAMP, DEBORAH SOLOMON, AARON LUCCHETTI, JON HILSENRATH and SUDEEP REDDY
September 13, 2008 1:05 p.m.
Talks continued Saturday between federal officials and top Wall Street executives aimed at resolving the crisis swirling around Lehman Brothers Holdings Inc. and soothing jittery U.S. financial markets.
While the situation remains fluid, some sort of solution might be reached as soon as Saturday night, according to people familiar with the situation. But it isn't clear how much progress has been made toward clearing the biggest hurdle in the discussions, which is whether any government funding will be provided to help engineer a rescue for the battered investment bank.
Treasury Department and Federal Reserve officials have made it clear to participants that no government bailout should be expected. Potential bidders, worried about the risk of buying an ailing financial institution like Lehman, want the government to step in with a package similar to what was offered to J.P. Morgan when it bought Bear Stearns Cos. Then, the federal government agreed to absorb as much as $29 billion in losses.
On Saturday, the main task ahead in discussions being led by the Federal Reserve is identifying whether a so-called "bad bank" structure could be designed to hold Lehman's souring assets. That issue is now seen by people familiar with the situation as the key stumbling block to completing a deal, especially if Treasury and Fed officials keep digging in their heels on opposition to a government-backed rescue.
Potential buyers such as Bank of America Corp. and Barclays PLC are loathe to take on Lehman's bad assets, which are seen as an immovable object to getting a deal done, according to people familiar with the situation.
At an emergency meeting Friday night called by the Federal Reserve Bank of New York, New York Fed President Timothy Geithner, described two potential scenarios: either a liquidation of Lehman or an industry-driven solution in which Wall Street firms would possibly providing financing to remove some of Lehman's real estate assets, one person briefed on the matter said.
Most of the Wall Street executives present at the meeting listened and asked questions, "but didn't show their hands" as to what they thought, this person said.
In addition to Mr. Geithner, government officials in attendance included Treasury Secretary Henry Paulson and Securities and Exchange Commission Chairman Christopher Cox. The Wall Street executives included Morgan Stanley Chief Executive John Mack, Merrill Lynch Chief Executive John Thain, J.P. Morgan Chase CEO Jamie Dimon, Goldman Sachs Group CEO Lloyd Blankfein, Citigroup Inc. head Vikram Pandit and representatives from the Royal Bank of Scotland Group PLC and Bank of New York Mellon Corp.
Other industry leaders that attended were Credit Suisse CEO Brady Dougan, Morgan Stanley Chief Financial Officer Colm Kelleher, Citigroup Chief Financial Officer Gary Crittenden, UBS AG Chief Risk Officer Thomas Daula, J.P. Morgan investment bank co-head Steve Black and Goldman Sachs Co-president Gary Cohn, according to a person familiar with the matter.
The meeting appeared similar to one a decade ago when the New York Fed pulled together top Wall Street executives to prevent the collapse of hedge fund Long-Term Capital Management.
In all, about 30 banks were represented at the meeting, which also included an assessment of the risk Lehman's trading partners and other counterparties face and discussion of Merrill Lynch and Washington Mutual Inc., which saw their stock prices slide in recent days on growing fears about their financial condition.
In trying to hold firm to their no-bailout stance even while pressing for a deal, federal officials could try to pit Bank of America and Barclays against each other. But that leverage can work only if both banks stay in the discussions.
Bank of America and Barclays know each other very well, having considered a merger several years ago. More recently, Bank of America agreed to pay $21 billion for ABN Amro Holding NV's LaSalle Bank of Chicago in 2007. That deal came at a time when Barclays was trying to buy ABN and fend off a European consortium bid. Bank of America's purchase was seen at the time as helping that Barclays bid, which ultimately failed.
At Barclays, a big question will be whether President Robert E. Diamond Jr. and CEO John Varley both agree on buying all or part of Lehman. Mr. Diamond is eager to expand Barclays's U.S. Investment bank operations. But the unit, called Barclays Capital, is also responsible for write-downs the bank has recorded.
After orchestrating the rescue of Bear and advising on the shift of Fannie Mae and Freddie Mac into government conservatorship, Federal Reserve officials would very much like to draw a line with Lehman and avoid any involvement that goes beyond the role officials have played in advising Lehman to help it resolve its problems.
After Bear's collapse, the Fed set up lending facilities to help investment banks with short-term liquidity needs. As of Wednesday, it hadn't been tapped by Wall Street since July. The mere presence of the lending program – called the primary dealer credit facility - might be helping to reassure market participants that Lehman is a reliable counterparty, since they know it has access to the facility should it need it. It isn't clear whether the Fed would be willing to extend its lending facilities even further for anything beyond helping a firm manage a short-term liquidity crisis.
"The financing that we did for Bear Stearns is a one-time event that has never happened before, and I hope it never happens again," Fed Chairman Ben Bernanke told lawmakers in April.
"As far as I know, we've never lost a cent. So it is not our intention on anything like a regular basis to be putting taxpayer money at risk."
Mr. Bernanke also has expressed reservations about lending to troubled institutions. "The intended purpose of Federal Reserve lending is to provide liquidity to sound institutions," he said in a July 8 speech. The Fed used its lending powers to help Bear in March "only because no other tools were available to the Federal Reserve or any other government body for ensuring an orderly liquidation in a fragile market environment."
Paramount to Fed officials is the broader health of the financial system. Behind the rescue of Bear was a fear that its collapse would disrupt already shaky credit markets.
Conditions now are mixed. Short-term lending rates such as the London Interbank Offered Rate, or Libor, are elevated relative to expectations for the Fed's benchmark fed funds rate, a sign of pervasive risk aversion, but have been stable. Risk premiums on junk bonds also are back to levels they hit in March. But the broader stock market has been relatively stable through this latest round of turmoil.
One constraint for federal officials is that many of the steps they hoped to have taken to resolve another investment bank crisis have not yet been taken. Investment banks are big players in the credit default swap market, in which firms trade contracts tied to corporate default risks. It's an immense market that trades against $62 trillion worth of debt. Officials worry that the collapse of an investment bank could send problems cascading through the financial system through this market. They've been pushing Wall Street to create a new clearinghouse to diminish that risk, but it isn't in place yet.
They've also want Congress to develop new procedures to handle the collapse of an investment bank so that it can be closed by the government in an orderly way, as happens with failed commercial banks. That also is far from completion.
Write to Carrick Mollenkamp at carrick.mollenkamp@wsj.com, Deborah Solomon at deborah.solomon@wsj.com and Aaron Lucchetti at aaron.lucchetti@wsj.com
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