Ich glaube auch, dass an der Börse das meiste und einfachste Geld mit "Longs" verdient wird. Es kommt dabei jedoch sehr auf den richtigen Einstiegszeitpunkt an. Wer im März 2003 bei DAX 2300 eingestiegen war, hat womöglich heute noch Kursgewinne. Wer im September 2007 bei DAX 8000 eingestiegen war, sitzt auf über 50 % Verlusten.
Bären-Threads haben im Grunde zwei Funktionen:
- Die eine (aktive) ist, an den fallenden Kursen zu verdienen. Das ist recht schwierig, weil Aktienmärkte meist einen bullischen "Bias" haben - und ist daher nur für Leute geeignet, die bereit sind, solche hohen Risiken einzugehen und die Märkte entsprechend aufmerksam zu beobachten.
- Die zweite (passive) ist, an den fallenden Kursen nicht zu verlieren. Das ist einfacher. Man muss nur, wenn die Indizes noch recht hoch stehten, sich aber bereits Ungemach ankündigt, verkaufen. Dies ist allerdings auch einfacher gesagt als getan, weil die meisten Leute nahe Höchstständen recht bullisch sind und daher nur ungern verkaufen. Hat man erst mal verkauft - seine Euphorie also durch "Vernunft" selber ausgebremst - braucht man den Märkten nur noch in Ruhe beim Fallen zuzusehen. Diese Strategie fuhr hier z. B. mE Malko.
Sicher ist, dass jeder Bärenmarkt einmal zu Ende geht, auch dieser hier - und dann ist wieder long angesagt. Auch ich bin kein "Perma-Bär", sondern zähle mich zu den "Teilzeit"-Bären, die lediglich "saisonal" unterwegs sind.
Dazu passt, dass ich in letzter Zeit auch schon mal wieder den einen oder anderen Long-Zock gewagt hab. Das waren aber wie gesagt Zocks und keine Langzeitinvestments, da die Zeit für letztere mMn noch nicht gekommen ist (noch zu früh).
Ich halte die Märkte, insbesondere den DAX, aber bereits für hinreichend stark korrigiert, dass ich selber nur noch selten Puts kaufe und diese auch nur noch kurz halte. Das Potenzial nach unten ist inzwischen klein geworden. Das heißt nicht, dass wir im DAX nicht noch 2000 sehen könnten (Ende 2009) - dass also die Unterstützung von März 2003 noch bricht und unterboten wird. Die Wahrscheinlichkeit dafür würde ich "per Bauch" mal mit 50 % ansetzen. Das reicht mir für ein Short-Investment aber nicht aus. Eine Wahrscheinlichkeit von 50 % erhalte ich auch, wenn ich im Casino bei Roulette auf "rot" setze.
Vor einem Jahr sah das noch anders aus. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Dax von 8000 auf 6000 korrigieren würde, lag bei schätzungsweise 80 bis 90 %. D.h. umgekehrt, dass die Wahrscheinlichkeit, dass er weiter steigt, nur bei 10 bis 20 % lag. Unter solchen Prämissen "lohnen" sich Shorts.
Ich werde ab jetzt meine Strategie vor allem so ausrichten, dass ich an Panik-Verkaufstagen kurzfristig long gehe. Damit nehme ich die in jedem Bärenmarkt (auch am baldigen Ende) kommenden technischen Erholungen mit.
Diese Strategie hat zwei Gefahren:
- Die größte Gefahr ist, durch Unachtsamkeit den rechtzeitigen Ausstieg aus den Longs zu verpassen und den Zock wider Willen in ein "Investment" umzuwandeln. Man "hofft" dann, dass die Märkte "vielleicht doch noch drehen" - aber ehe man sich's versieht, ist die Position schon 20 oder 30 % im Minus. Dann "lohnt sich verkaufen nicht mehr" - und man sitzt in der gleichen Galeere wie die Longs, die bei DAX 8000 gekauft hatten und für die sich schon bei DAX 6000 der Ausstieg angeblich nicht mehr lohnte. Fakt ist: Wenn man von vornherein einen Zock als solchen plant, gehört zwingend dazu, auch Verluste zu realisieren, falls die Papiere "wider Erwarten" weiter fallen. Bei Investments, die eine hinreichende fundamentale Basis haben, ist das weniger zwingend nötig.
- Die kleinere Gefahr ist, dass mann dann, wenn die langfristige Wende tatsächlich kommt, "aus Gewohnheit" zu früh aussteigt, weil man die Anstiege - obwohl sie nun real sind - als techn. Erholung fehlinterpretiert. Man verpasst dan also den "anfahrenden Long-Zug. Die Wahrscheinlichkeit für solche Fehlinterpretationen hängen ebenfalls vom DAX-Stand ab. Bei DAX 4500 sind solche Bären-Headfakes unwahrscheinlicher als bei DAX 2000. Je tiefer der DAX absolut steht, desto größer ist die Chance, dass ein Boden länger hält.
Bei solchen Extrem-Tiefständen im Bereich von 70 bis 80 % unter dem ATH (ähnlich war es im März 2003) kann man ziemlich gesichert davon ausgehen, dass die Bären kaum mehr Zündstoff haben, d.h. nicht mehr viel (und nachhaltig) Druck nach unten ausüben können. Dann ist der Untergang des Abendlandes bereits in den Kursen "eskomptiert", wie Fonds-Fuzzis so schön sagen.
Wenn diese Sicherheit mMn hinreichend groß geworden ist, werde ich hier im Thread evtl. abstimmen lassen, ob wir ihn auf ein Nebengleis schieben sollten. (Jetzt ist es noch nicht so weit). Ich würde dann evtl. einen Parallel-Thread "Stammbullen unter sich" aufmachen, der dann irgendwann zum Hauptthread wird. Das "Aussperrungsfilter", ohne das dieser Bären-Thread wegen der Spammer, Belehrer und Bedenkenträger nicht so gut funktionieren würde, wäre in der Bullen-Version sogar verzichtbar. In der Anfangsphase des neuen Bullenmarktes muss man allerdings die ewigen Warner, Weltuntergangspropheten, Kassandras, Gold- und Perma-Bären u. ä. "aussperren". Die nerven dann nicht minder als Bullen nahe dem ATH.