ROUNDUP: Maschinenbau erleidet stärksten Auftragseinbruch seit sechs Jahren
13:41 01.12.08
FRANKFURT (dpa-AFX) - Die weltweite Wirtschaftskrise hat den deutschen Maschinenbauern den stärksten Auftragseinbruch seit sechs Jahren beschert. In rasantem Tempo brachen im Oktober die Order der ausländischen Kunden weg, die rund drei Viertel des Geschäfts ausmachen. Insgesamt erhielt die deutsche Schlüsselbranche im Vergleich zum Vorjahr 16 Prozent weniger Aufträge. Die Nachfrage aus dem Ausland schwand noch stärker um 19 Prozent, wie der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) am Montag in Frankfurt mitteilte. Das Inlandsgeschäft gab um 10 Prozent nach. Seit Monaten bröckelt die Nachfrage wegen der Finanz- und Wirtschaftskrise. Zuletzt hatte die mittelständisch geprägte Branche 2002 ein solch hohes Minus verbucht.
Trotz der schlechten Daten erwartet der Verband aber nach wie vor ein Produktionsplus von fünf Prozent für dieses Jahr - das wäre das fünfte Wachstumsjahr in Folge. Im kommenden Jahr soll das Geschäft stabil bleiben. "Es macht doch keinen Sinn, aufgrund eines einzelnen Monatswerts daran zu rütteln", sagte VDMA-Chefvolkswirt Ralph Wiechers. "Wir müssen deswegen keine Maschinenbau-Krise ausrufen." Für das laufende Jahr sei das Ziel gesichert, da die Produktion in den ersten neun Monaten um 8,2 Prozent gewachsen sei. "Wir gehen im Schlussquartal zwar von niedrigeren Wachstumsraten aus, aber nicht von einem Rückgang." Der Auftragsbestand reiche im Schnitt noch für 6,2 Monate. "Das ist deutlich über dem langjährigen Mittel."
'HÄTTE SCHLIMMERES ERWARTET'
Von einer kollektiven Investitionszurückhaltung wollte der Verband nicht sprechen und warnte vor Panikmache. "Ich hätte ein noch schlimmeres Abschneiden erwartet", sagte Wiechers. "Dass eine eins statt einer zwei vorne steht, ist schon fast beruhigend." Nach vier sehr guten Jahren hatten die Maschinen- und Anlagenbauer erstmals im Mai rückläufige Bestellungen hinnehmen müssen. Der zyklische Abschwung wurde durch die hohen Rohstoffpreise in der ersten Jahreshälfte und die Finanzkrise verschärft.
Hohe Einbußen erlitten im Oktober vor allem die Hersteller von Druck- und Textilmaschinen, von Baugeräten sowie von Maschinen für die Elektroindustrie. "Neu hinzugekommen zu den Verlierern sind die Werkzeugmaschinenbauer wegen der Absatzkrise in der Autobranche." Positiv verlaufe dagegen weiterhin das Geschäft der Energieindustrie- Zulieferer, der Landtechnikhersteller sowie der Produzenten von Gießereimaschinen. Die Spanne bei den Auftragseingängen reiche von plus 30 bis minus 50 Prozent.
SCHLECHTE STIMMUNG
In dem weniger von kurzfristigen Schwankungen beeinflussten Dreimonatszeitraum August bis Oktober ergibt sich ein Minus von acht Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Hier ging die Nachfrage aus dem Inland um 2 Prozent und aus dem Ausland um 12 Prozent zurück.
Der mittelständisch geprägte Maschinenbau ist mit rund 968.000 Mitarbeitern im Inland und einem Umsatz von 190 Milliarden Euro einer der führenden deutschen Industriezweige.
Die Stimmung im deutschen Mittelstand ist nach einer Umfrage der DZ-Bank so schlecht wie schon lange nicht mehr. Für das kommende halbe Jahr erwarten 24 Prozent von 1.500 befragten Unternehmen eine Verschlechterung der Geschäftslage. Vor einem halben Jahr hatte dieser Anteil erst bei neun Prozent gelegen. Am pessimistischen sind die Auto- und Metallindustrie. Trotz der trüben Aussichten beurteilten noch 76 Prozent (Frühjahr: 85 Prozent) der Firmen ihre Lage als gut bis sehr gut. Die Umfrage wurde im September durchgeführt./mt/das/rg
Quelle: dpa-AFX