Seit der Griechenlandkrise wird immer wieder betont, dass ein Geburtsfehler des Euro die fehlende Zusammenarbeit der zugehörigen Staaten in der Fiskal- und Wirtschaftspolitik sei.
Die Schlußfolgerung daraus, z.b. heute in der SZ: "Die wirkliche Gefahr, die von der Verschärfung der Griechenland-Krise ausgeht, ist eine andere. Falls sich internationale Anleger von anderen angeschlagenen Euro-Staaten wie Portugal oder Italien abwenden, dann wankt die Währungsunion."
www.sueddeutsche.de/finanzen/938/508088/text/4/
Ist das wirklich so? Wenn man - wie ich - davon ausgeht, dass die "internationalen Anleger" erheblich zur Verschärfung der Griechenlandkrise beigetragen haben und das ganz bewusst gemacht haben, um über Devisen-Derivate abzukassieren, muss man feststellen: ganz nett, aber nicht wirklich durchschlagend. Ein Euro-Kurs von ca. 1,33 ist natürlich deutlich weniger als die 1,50 Ende letzten Jahres, aber auch noch deutlich über den 1,25 vor knapp einem Jahr. Die angeblich angepeilte Parität zum US-Dollar ist doch in weiter Ferne und der immer wieder bemühte Domino-Effekt der sogenannten PIGS-Staaten auch ausgeblieben.
Ist es vielleicht im Gegenteil sogar die Chance des Euro, dass er sich auf mehreren Schultern verteilt? Ich denke jetzt mal weiter: wenn ich Spekulant wäre, würde ich mir ein Land suchen, das leicht angeschlagen ist, wo Land = Währung ist und man entsprechend gehebelt gut voran kommt. Interessante Kandidaten: Schweiz, Großbritannien und Japan und zwar genau in der Reihenfolge. USA ist (noch) zu groß und der Dollar als "Weltwährung" nicht zu 100% ans Land gekoppelt. Schweiz (zu unwichtig) und GB hängen auch irgendwie mit den Europäern zusammen, ideales Ziel wäre für mich Japan. Wer hilft denen eigentlich, wenn der Staatshaushalt in Schieflage gerät? Die Chinesen? Die USA? Der IWF?
Wen einer dieser Kandidaten ins Rutschen gerät, wohin würde ich mein Geld abziehen? Natürlich nach wie vor in die "Weltwährung" Dollar, aber warum nicht auch einen Teil in Euro? Da verteilt sich das Risiko auf mehrere Staaten, der Pleitekandidat Griechenland ist im Verhältnis vernachlässigbar und immerhin steckt die gute alte Mark mit drin. Das ist jetzt sehr schablonenhaft gedacht, aber ich sehe durchaus die Möglichkeit, dass ganz entgegen der jetztigen Unkenrufe nicht der Euro der Verlierer des "Staatspleitenspiel" wird, sondern ein Gewinner. Vielleicht weniger in Relation zum Dollar, aber zu anderen Währungen.
Können wir das schaffen? Yo, wir schaffen das!