Ich hab ja schon wiederholt die tendenziell bärische Interpretation gepostet, dass die Kursrückgänge bei den US-Langläufern darauf zurückgehen könnten, dass Ausländer sie aus Risikoscheu vermehrt verkaufen. Diese Vermutung wird indirekt dadurch gestützt, dass bei den Auktionen in der letzten Woche vermehrt die Kurzläufer gezeichnet wurden - offenbar weil die Bieter (insbesondere Ausländer) Sorgen vor Dollarverfall und Inflation haben.
FTD-Das Kapital gibt in # 44081 auch noch eine eher bullische Interpretation, die im Prinzip Doug Kass teilt: Pensionsfonds, die zu Crash-Zeiten in den sicheren Hafen der US-Staatsanleihen geflohen waren, schichten nun in Aktien um, weil sie sich dort mehr Rendite versprechen. Dieser Umschichtungs-Prozess läuft schon seit einigen Wochen, scheint aber im letzten Upmove der Börse seinen Höhepunkt erreicht zu haben, meint Kass (der in dem Link mit einer 50-Punkte Abwärtskorrektur im SP-500 rechnet).
Diese Auslegung ist aber nur bedingt bullisch. Denn Pensionsfonds sind typische Zuspätkommer, die oft als Letzte in bestehende Trends einsteigen. Das gilt nicht nur für ihren Einstieg in Staatsanleihen (nahe dem Hoch, als die Rendite sehr niedrig war) und aktuell für ihren Einstieg in Aktien (eher am von mir vermuteten Ende der laufenden Anstiegsphase), sondern galt auch 2008 für ihren verspäteten Einstieg in Rohstoffen. Nach deren Preiskollaps steigen viele Pensionsfonds auch viel zu spät wieder aus, was Milliardenverluste bescherte. Grund der Aufmerksamkeits-Defizite und des schlechten Timings ist nicht zuletzt, dass die Fondsmanager ja nur mit "other people's money" spielen.
Man kann daher sagen, dass die Pensionfonds von ihrem "Anleger-Intellekt" in etwa auf Hausfrauen-Niveau operieren - und entsprechend als Kontraindikatoren betrachtet werden können. Da sie viel Geld bewegen, sind sie dennoch ein marktbewegender Faktor (neben den Futurer-Pushern).
"Das Kapital" nennt aber auch Gründe, die eine Trendumkehr sowohl bei Aktien (runter) als auch bei Staatsanleihen (rauf) auslösen könnten. Es ist die Realwirtschaft, die die Versprechungen der schöngefärbten, wenn nicht gar getürkten Regierungszahlen (wie den ISM-Manuf.-Zahlen von Montag) nicht erfüllen wird (siehe # 44081, in rot). Fallen Aktien, dürften Staatsanleihen wieder stärker gefragt sein.
FAZIT: Die bullische Interpretation der Staatsanleihen-Kursverluste ist ebenfalls indirekt bärisch, da Pensionsfonds als Kontraindikatoren gelten können. Es bleibt spannend, wie lange die Future-Pusher (HF wie GS?) die Fonds noch unter "Kaufdruck"/Performance-Angst setzen können. In den letzten zwei Tagen ging es nach dem Blow-Off-Anstieg über die 200-Tage-Linien eher seitwärts weiter, was auf versteckte Distribution hindeutet (die HF-Pusher laden am Tief aufgelesenen Aktienbestände an die Fonds ab). Ich hatte ja am Montag vermutet, dass wir einen False-Break sehen werden. Demnach würde es wieder runtergehen, sobald die versteckte Distribution abgeschlossen ist.
Ingesamt ist der Kursverfall der Langläufer für den Markt schädlich, da er die Hypo-Zinsen verteuert. Sie sind mit jetzt 4,5 % schon an der kritischen Obergrenze angelangt. Auch die Verteuerung der Rohstoffe - von Bubblevision bejubelt - ist im Grunde ein Negativfaktor, sowohl für die Verbraucher, die mehr Geld für Benzin, Heizung und Nahrungsmittel ausgeben müssen, als auch für die Firmen, deren Produktionskosten steigen.