Wen interessieren noch schlechte US-Arbeitsmarktdaten? Die Aktienmärkte zumindest nicht. Obwohl die Arbeitslosenrate stärker stieg als von Analysten erwartet, legten die US-Indizes und der DAX deutlich zu. Nach Meinung der meisten Marktteilnehmer erhöht der rasche Anstieg der Arbeitslosigkeit nun den Handlungsdruck auf die Parlamentarier, das von 980 auf 780 Milliarden US-Dollar runter gekürzte Konjunkturpaket schnell durchzuwinken. Welch kurzfristig phänomenale Wirkung die eine oder andere Maßnahme aus dem Paket entfalten kann, sieht man zurzeit an der deutschen „Abwrackprämie". Die noch auskömmlichen Absatzzahlen von BMW am Freitag stimulierten den DAX noch zusätzlich. Die Schallmauer bei 4.500 Punkten wurde ebenso wie der Widerstand bei 4.600 Punkten vollständig weggeräumt. Maßgeblich für die erhöhte Nachfrage in der letzten, halben Handelsstunde war die Hoffnung, US-Finanzminister Geithner werde am Montag einen bedeutenden Vorschlag zur Bankenkrise machen. Die Bildung von mehreren „Bad Banks" soll nach informierten Quellen dazu gehören. Bankenaktien legten deshalb auch den Vorwärtsgang ein. „Buy the rumor, sell the fact - Kauf bei Gerüchten, Verkaufe bei Tatsachen-in Anlehnung an diese Tatsache sollte spätestens am Dienstag die nächste Konsolidierungsrunde starten. Bis dahin kann der DAX aber durchaus noch den Widerstandsbereich um 4.730 Punkte erreichen, denn noch hat sich der aktuelle Aufwärtsimpuls nicht ausgependelt. Der darüber liegende Widerstand bei 4.818 Punkten wird vermutlich noch nicht getestet werden. Insgesamt gesehen haben sich die Bären zunächst zurückgezogen und den Bullen das Feld überlassen. Eine sofortige Trendwende stände erst bei Kursen unterhalb von 4.460 Punkten auf dem Programm.
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Barclays gibt Richtung vor
Zu Wochenbeginn werden die Märkte sich wahrscheinlich noch an dem starken Aufwärtsimpuls vom Freitag berauschen. Weder Konjunktur-noch Unternehmensdaten werden ihnen dabei in größerem Umfang in die Quere kommen. Einzig die Jahresbilanzpressekonferenz von Barclays gibt etwas Anlass zu erhöhter Aufmerksamkeit. Da das Institut ähnlich der Commerzbank aber durch eine Staatsgarantie abgesichert ist, dürfte es kaum zu überaus negativen Marktreaktionen kommen. Ganz im Gegenteil: Die über das Wochenende kolportierten Rekordzahlen der Deutschen Börse zeigen das veränderte Anlegerverhalten. Was vor acht Jahren noch zu einem Rückgang der Börsenbegeisterung geführt hat, facht das Interesse erst so richtig an. Allerdings dürfte die Deutsche Börse nicht mehr lange alleiniger Profiteur der Entwicklung sein. Turquoise und Chi-X, die von Banken und Fonds gegründeten privaten Konkurrenten, werden wegen der Gebührenpolitik der Deutschen Börse in den kommenden Jahren deutliche Marktanteile gewinnen. Auch die NYSE Euronext in New York wird mit ihren Jahreszahlen bestätigen, die Abkehr von der Börse findet nicht statt. Top-Konjunkturtermine in dieser Woche sind Morgen das US-Staatsdefizit und am Freitag das Verbrauchervertrauen der Uni Michigan.
Konjunkturdaten: ----------------
Unternehmen: Jahresbilanz: Barclays Bank, NYSE Euronext
Wichtige Marken:
Unterstützungen: 4.460; 4.550; 4.622
Widerstände: 4.698; 4.729; 4.818
Viel Glück und Erfolg!
Andreas Wolf
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