Bernanke versucht mit seinem Gelddruck-Großexperiment, eine Schrumpfung der US-Wirtschaft, wie sie nach exzessiven Kreditblasen normalerweise unvermeidlich ist, und eine lang anhaltende Deflation nach japanischem Muster (# 584) zu verhindern.
Das Rezept scheint einfach: Bernanke druckt Dollars, dann kommt Inflation - und Inflation ist das Gegenteil von Deflation, kann diese also "kompensieren".
Die 600 Mrd. aus QE2 reichen dazu von der Summe her allerdings nicht aus. Der komplette "Unwind" der Kreditblase würde viele Billionen Dollar "fressen". Würde die Fed die äquivalente Geldmenge drucken - d.h. auf ihr Soma-Account nehmen - , müsste die "Überziehung" so groß werden, wie es den gesamten bisherigen US-Staatsschulden entspricht. Die vorhandenen und neuen Schulden kämen noch obendrauf. Die Amis würden damit auf eine ruinöse Schulden/BIP-Quote von 200 % zusteuern. Das kann sich eine Nation, die hauptsächlich von ausländischen Gläubigern lebt, nicht leisten. Den Griechen wurde schon bei 125 % "der Hahn abgedreht".
Wenn das Geld aus QE nicht ausreicht, wieso steigt dann TROTZDEM alles so stark?
Aus einem einfachen Grund: Die wahre "Macht" der Fed-Politik kommt nicht "physisch" aus dem gedruckten Geld, sondern "psychologisch" aus der Inflations-Mär, die Goldman und Co. kräftig spinnen, um ihre lukrativen Eigenhandels- und Rohstoff-Geschäfte durchziehen zu können. Die Fed-Politik liefert dafür lediglich den "Aufhänger". Am besten funktioniert dies, wenn die US-Zockerbanken die gesamte Anleger-Menschheit vor ihren Karren spannen. Tatsächlich ist inzwischen halb Ariva "long Kupfer", "long Weizen", "long Öl" und "long Gold". Hier im Thread mischen zumindest Pfeifenlümmel und Musicus auf der Goldman-Zockerparty mit - und arbeiten den Kurstreibern damit in die Hände.
Über die "Soli"-Effekte dieser Massenmobilisierung gewinnt die Inflations-Spinstory, die allenthalben von den US-Medien verbreitet wird ("Der Dollar und der Euro werden wertlos, Leute, kauft Rohstofe und Sachwerte!") überhaupt erst an Gewicht. Die Mär erzeugt breites Kaufinteresse, und die Käufermassen dann die faktischen Anstiege. Die "normative Kraft des Faktischen" gibt Bernanke und Goldman dann im Nachhinein scheinbar Recht. Zusätzlich halten die Zockerbanken noch mit Future-Käufen drauf. Die Firmen, denen sie Absicherungsgeschäfte aufnötigen, treiben mit diesen die Preise noch weiter hoch.
Auf diese Weise entsteht starkes Aufwärtsmomentum bei Rohstoffen, Aktien und sonstigen Assets. Die Hausse nährt die Hausse. Die Bären kapitulieren, die Bullen "drehen durch" - und am Ende wird wie immer maßlos nach oben übertrieben: Viele Rohstoffkurse haben sich in den letzten sechs Monaten verdoppelt und verdreifacht. Das steht in keinem Verhältnis zu der von Goldman und Co. behaupteten "Knappheit" oder der "gestiegenen Nachfrage in Asien". Es ist pure Momentum-Zockerei.
Leider (oder für die Bären: zum Glück) hat Momentum-Zockerei die Eigenschaft, Fahnenstangen-Charts zu erzeugen, die in einem Melt-up in den Himmel schießen (wie einst bei der Dot.com-Blase), um dann anschließend, wenn der Dampf abflaut, brutal in sich zusammenzufallen. So war es mit der ersten Rohstoff-Blase, die Mitte 2008 austoppte. Und so wird auch die Rohstoff-Echoblase enden, die im Winter 2008/2009 begann und mMn jetzt austoppt.
Die so genannten "fundamentalen" Gründe ("Fed und EZB drucken Geld") sind inzwischen längst mehrfach eingepreist. Es ist das Geld der psychologisch via "animal spirits" mobilisierten tumben Masse, das die Fahnenstangen-Charts treibt. Die Charts nähern sich nun dem Preisgipfel. Beim Gold sind sie sogar schon erkennbar über den Gipfel hinausgekommen.
Während der gesamten Rohstoff-Rallye, die im Juni 2010 in die Meltup-Phase überging, wurde immer wieder gebetsmühlenhaft auf QE und das Gelddrucken verwiesen. QE hing vor dem Maul der Trader wie die Möhre vor dem Maul des Esels. Theoretisch ließe sich mit dem Dauerbrenner "QE treibt die Preise" der DOW bis 30.000 hochjubeln. Allerdings entfernt sich das Ganze dann immer drastischer von dem, was QE an faktischem Dollar-Entwertungspotenzial hat.
So bleibt am Ende, wie so oft, nur eine ordinäre Fahnenstange. Nicht besser und nicht schlechter als die am Top der Dot.com-Blase im März 2000, am Top der US-Hauspreisblase im Sommer 2005, am Top der Aktien-Blase im Herbst 2007, am Top der Öl-Blase im Sommer 2008, am Top der Bond-Blase im Sommer 2010....
und (wir kommen nun in den Bereich der Hypothesen)
...am aktuellen Top der Goldblase, der Aktien-Echoblase sowie der Rohstoff-Echoblase.
Bemerkenswerterweise ist es allen mit Fahnenstangen-Charts einhergehenden Wahn-Systemen eigen, dass die Propagandisten unentwegt deren "Unausweichlichkeit" behaupten.
Bei der Dot.com-Blase war "klar", dass wegen überragender technischer Innovation die herkömmlichen Bewertungsmaßstäbe am Aktienmarkt nicht mehr gelten.
Bei der US-Housing-Blase war "klar", dass Hauspreise niemals fallen können, denn das gab es noch nie in Amerika.
Bei der Aktien-Blase 2007 war "klar", dass die Wirtschaft nachhaltig brummt, weil die Firmen mit einem KGV von 10 "deutlich unterbewertet" sind und Anleger "in Dividenden ersaufen" werden.
Bei der Öl-Blase war "klar", das Öl immer weiter steigen muss, weil Öl-Peak die Vorräte schrumpfen lässt, während alle Chinesen und Inder nun auch das Auto umsteigen wollen.
Bei der aktuellen QE-Blase ist "klar", dass die Fed immer weiter Geld drucken kann - und infolgedessen Aktien, Rohstoffe und "Assets aller Art" immer weiter steigen werden. Wenn die Wirtschaft anzieht (und sei es auch nur wegen Staatsgepäppel), ist "klar", dass Aktien sowieso steigen. Und wenn die Wirtschaft schwächelt, steigen Aktien auch, weil "klar" ist, dass die Fed dann unendlich lange mit QEx weitermachen wird, bis sie ihre Ziel von DOW 20.000 erreicht hat.
Es KANN nur so kommen und nicht anders. Win-Win!
Genau wie in sämtlichen vorherigen Wahnsystemen/Fahnenstangen-Umgebungen seit 2000.
Ist auch diesmal wieder "Alles anders"?
Falls nicht, könnte in USA "wider Erwarten" doch noch die Deflation kommen.