Gold & Gesellschaft: Ende der Grande Nation
So langsam kommen die Hintergründe der dramatischen Rettungs-Aktion vom letzten Wochenende zum Vorschein. Die Probleme lagen nicht bei Griechenland, Portugal oder Spanien. Denn der PIIGS-Virus hat den bisherigen Stabilitäts-Anker des Euro-Raums, Frankreich, befallen. Oder in plain words ausgedrückt: Ende letzter Woche stand Frankreich vor dem Kollaps.
Die Grande Nation ist nämlich mit $911 Milliarden Dollar der Hauptgläubiger der PIIGS-Staaten. Die $75 Milliarden, die französische Banken in griechischen Staatsanleihen halten, sind da nur ein Tropfen auf den heißen Stein.
Wie großspurig hat sich der gallische Hahn auf dem EU-Gipfel am Ende letzter Woche in Szene gesetzt: 95 Prozent der französischen Forderungen sollen in den ausgehandelten Vertrag übernommen worden sein. Und dann fühlte sich Sarkozy noch, als die Inkarnation des einstigen Sonnenkönigs, über alle Vorschriften erhaben: Ihn interessiere genauso wenig wie die Spekulanten die Rechtsgrundlagen.
Dabei war er nicht der Macher, sondern selbst nur ein Getriebener, der seinen Kopf aus der Schlinge ziehen wollte: Ende letzter Woche waren die französischen Staatsanleihen nicht mehr liquide. Es gab plötzlich einfach keinen Markt mehr, wo sich Käufer für die Papiere gefunden hätten. Staatsbankrott in spe könnte man auch sagen.
Der entsprechende Bericht der Telebörse: Nachdem in den vergangenen Wochen lediglich die bekannten Schuldenprobleme Griechenlands die Debatte bestimmt hatten, schien vergangene Woche das historische Projekt des Euro in Gefahr. Vor dem Euro-Gipfel der Staats- und Regierungschefs am Freitag in Brüssel eskalierte die Lage und zwang die EZB zum Eingreifen. "Plötzlich waren nur noch deutsche Bundesanleihen liquide, noch nicht einmal mehr gute französische Staatstitel", erklärt ein Euro-Notenbanker die Zwangslage. "Es musste gehandelt werden - ohne Rücksicht auf Verluste."
Die Panik war Sarkozy ins Gesicht geschrieben. Und plötzlich ließen sich zwei einflussreiche Franzosen zu weitgehenden Maßnahmen hinreißen, die vor wenigen Tagen undenkbar erschienen.
Dominique Strauß-Kahn, Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF) beteiligte sich mit einer bislang für den IWF ungeahnten Summe von 220 Milliarden Euro an dem 720 Milliarden Euro schweren Rettungspaket der EU-Staaten. So weit ist es mit der Euro-Zone schon gekommen, dass die Euro-Länder wie die Ukraine, Island und andere überschuldete Dritte Welt Staaten auf massive IWF-Hilfe angewiesen sind.
Und der zweite Franzose im Bunde, Jean-Claude Trichet, setze den Ankauf von Staatanleihen der Euro-Mitgliedsstaaten durch die EZB trotz erbitterten Widerstand der deutschen Vertreter durch. Die EZB hat sich damit endgültig ihrer Bundesbank-Wurzeln entledigt, die hießen: Politische Unabhängigkeit und Währungsstabilität. Die EZB greift also nun zu ihrer letzten und ultimativen Waffe, die an den Finanzmärkten auch als nukleare Option bezeichnet wird. Der Ankauf von Staatsanleihen aus den PIIGS-Staaten setzte direkt am Montag ein. Vielleicht waren da auch französische Staatspapiere dabei.
Cui bono – wem nützt es?
Die Währungs-Swap Operation der FED, mit der sich die Euro-Länder US-Dollarliquidität sichern können, ist ein weiteres Element eines massiven Eingriffs zu Gunsten des Euros. Hier steckt natürlich ein Maß Eigennutz der Wall Street Banken drin, die mit über insgesamt drei Billionen Dollar im Euro-Raum engagiert sind.
Aber in den Vereinigten Staaten hagelt es inzwischen Kritik an diesen Maßnahmen. Die USA als diejenige Nation, die den größten Anteil am IWF hält, muss nun auch für die Euro-Rettung am meisten zahlen. Und die Swap-Operationen der FED sind nichts anderes, als dass die Notenbank ihren internationalen Partnern praktisch unbegrenzt US-Dollar zur Verfügung stellt.
Frankreich hat fertig. Ein baldiges Überspringen der PIIGS-Krankheit auf Deutschland ist wahrscheinlich, wenn nicht bereits erfolgt. Für Deutschland sollte spätestens jetzt gelten: fuga salutem petere – sein Heil in der Flucht suchen.
Aktuelle Entwicklung an den Gold-Märkten
Der Euro-Rettungsschirm scheint zumindest bei den griechischen Staatsanleihen zu funktionieren. Die Renditen der Papiere sind heute jeweils um ein weiteres halbes Prozent gefallen. Das ist aber auch kein Kunststück: Braucht die jeweilige EZB-Mitgliedsbank ja nur neue Euros zu schöpfen und kann Kauf-Angebote zu jedem astronomisch hohen Preis den Bond-Händlern unterbreiten. Schon fällt die Real-Rendite der Papiere auf das gewünschte Niveau.
Dagegen stimmen die Marktteilnehmer an den Devisen-Märkten derzeit weiter gegen den Euro ab: EUR/USD minus 0,7 Prozent, EUR/CHF minus 0,8 Prozent, EUR/GBP minus 1,4 Prozent und EUR/JPY minus 1,3 Prozent.
Neben dem angeschlagenen Euro macht weiterhin der im Vergleich zum Dollar starke Yen Probleme. Das deutet auf einen weiteren Unwind von USD/JPY-Devisen Carry Trades hin – das heißt eine sich fortsetzende deflationäre Tendenz in den Märkten. Das passt auch zu den anderen Anlageklassen wie die weißen Edelmetalle (Silber ist später ausgebrochen – dazu aber nachher mehr) und Öl, die heute weiter nachgegeben haben.
Gold zeigt sich weiter unbeeindruckt von diesen Marktbewegungen und stieg heute kräftig an. Das gelbe Metall beendete den COMEX-Handel heute faktisch auf Tages-Höchststand. Über die Entwicklung von Euro-Gold muss man in Anbetracht des schwachen Dollars keine weitere Worte verlieren.
Der Londoner A.M. Fix kam nach einem sich leicht im Plus befindlichen asiatischen Handel mit $1.209,00 (EUR 953,77) dann schon wesentlich stärker zustande. Im 24-Stundenvergleich sprechen wir von einem Anstieg von $21.
Zum Nachmittag setzte bereits zwei Stunden vor Eröffnung der New Yorker COMEX eine zweite Aufwärtsbewegung ein, die Gold stetig bis an die Marke von $1.220 führte. Bis zum Londoner P.M. Fix stieg das gelbe Metall bis auf $1.224 an – der P.M. Fix kam mit $1.222,50 (EUR 960,41). Zum Ende des Handels an der COMEX kam es zu keinen weiteren Verschiebungen, so dass Gold mit $1.221,00 (EUR 960,56) diesen Handel beendete.
Inzwischen wird es schwierig, auf Basis dieser Spot-Daten Verkaufs-Preise für 1 Unzen-Münzen zu ermitteln. Viele Händler sind komplett ausverkauft und Ware, die nachkommt, ist in nu wieder verkauft. Die gesehenen Preis liegen bei EUR 1.030 und höher.
Silber war der heutige Superstar – allerdings ein Spätzünder: Vor Eröffnung der COMEX stand das weiße Metall noch bei $18,40. Plötzlich schoss es auf bis zu $19,20 hoch und beendete mit $19,25 den Handel an der COMEX. Der Hintergrund ist wohl, dass JP Morgan Chase wegen seiner konzentrierten Silber Short-Positionen an der Londoner LBMA und der New Yorker COMEX und der sich daraus abgeleiteten Manipulationen des Silber-Marktes unter Beobachtung der Aufsichtsbehörde CFTC steht. Die CFTC hat nun entschieden, JP Morgan wegen der Manipulation des Silber-Marktes anzuklagen.
Die beiden bislang als zahnlos verspotteten US-Aufsichtsbehörden, die SEC und die CFTC müssen nun wohl ein Exempel statuieren und der Öffentlichkeit Bissigkeit zeigen. Bei der SEC hat es dabei Goldman Sachs getroffen und das Ziel-Objekt der CFTC scheint nun JP Morgan zu sein. Den Silber-Investoren kann es nur recht sein – schließlich wurden sie jahrelang um die Früchte ihres Investments betrogen.
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