Ich lebe in einem modernen Sechs-Familienhaus mit Hausmeister, Tiefgarage, etc. und ohne Kontakt zu irgendwem außer meinem direkten Nachbarn auf demselben Stock. Ich kenne die anderen Leute nicht mal vom Sehen; die sind alle berufstätig. Auf der Straße würde ich keinen von denen erkennen.
Seit ich Rentner bin, also daheim, bin ich der Paket-Empfänger im Haus für alle. Es ist unfassbar. Jeden Tag, wirklich jeden außer Sonntags, nehme ich ihre Pakete in Empfang und unterschreibe dafür. Oft mehrmals pro Tag. Da kommen dann DHL, Hermes, UPS der Reihe nach. Ich frage mich immer, wo stopfen die das alles hin? Wir haben zwar alle ca. 100+ qm, aber irgendwann sind die ja auch voll.
Meistens sind es bloß kleine Sachen von Amazon. Oft aber auch riesige Trums, vor allem bei Neumietern, die von außen nach Kleinmöbeln oder Elektronik-Zeugs aussehen. Manchmal x Pakete gleichzeitig, die wie Stoffballen aussehen (keine Ahnung, was das sein könnte. Windeln vielleicht? Wir haben aber kein Baby im Haus, jedenfalls ist mir in letzter Zeit noch keines begegnet). Dann natürlich jede Woche mehrfach was von Zalando. Das scheint ein extrem beliebtes Hobby zu sein, jede Woche Schuhe/Klamotten zu kaufen.
Und neuerdings sogar irgendwelches Essen. Da gibt es doch so Food-Services, die vorgefertigtes Essen mit allen Zutaten fertig abgewogen und zugeschnippelt liefern, und die man dann bloß noch in seinen Thermomix schmeißen muss? Ich frage mich, wie wohl die Salate, der geraspelte Möhrensalat und die Steaks wohl den ungekühlten Transport und die Wartezeit im Treppenhaus überleben? Die müssen wohl irgendwie begast oder sonst wie unter Drogen gesetzt worden sein. Das probiere ich interessehalber als nächstes mal selbst aus. Ob man das wohl essen kann? Einen Thermomix kaufe ich mir deshalb aber bestimmt nicht.
Um auf den Kontext zurück zu kommen: Der Öko-Footprint dieser Leute erscheint mir fragwürdig. In der Tiefgarage stehen geile Motorräder und Autos bis hin zu Cayenne. Ein Tesla bislang noch nicht, aber das kommt bald.
Um auf meinen Schwarzwald-Dieselfahrer zurück zu kommen. Der kauft sich alle vier, fünf Jahre ein paar ordentliche Schuhe im Fachgeschäft und trägt sie dann auch. Und wenn die Sohle kaputt ist, bringt er sie zum Schuhmacher. Falls er noch einen findet.
Soviel zu dem ganzen Öko-Blech.