Es gab ja kürzlich eine Pressekonferenz von Kika/Leiner mit Dr. Gunnar George in der Hauptrolle. Die Frage kam auf, warum man diesen Notverkauf des Gebäudes in der Mariahilferstraße gemacht hat. Sinngemäß hat er geantwortet, daß Kika/Leiner in der finanziellen Klemme steckte, die Gehälter für Dezember zu zahlen, weil die eigentlich erwarteten Gelder der Muttergesellschaft aus Südafrika (hier also die Steinhoff Holding) nicht von der Südafrikanischen Zentralbank angewiesen worden seien. Sie wären dort "eingefroren" worden, so meine ich, sagte er es.
Dies habe zu einem akuten Liquiditätsproblem geführt. Irgendwer hatte also auf den Geldern der Holding den Daumen drauf, was für die Töchter kritisch wurde (mindestens für Kika/Leiner). Insofern versuchen die Töchter nun -und die Holding unter der Führung von Heather Sonn macht es aktuell nicht anders-, sich anderweitig Liquidität zu besorgen, weil sie schlicht nicht auf die Überweisungen der Holding aufgrund exogener Faktoren bauen können. Das muß nich unbedingt negativ sein, kann aber so ausgelegt werden, wenn man es drauf anlegt und so kommuniziert.
Dr. George hat das weder dramatisiert noch überspitzt rübergebracht, der wirkte dabei relativ entspannt. Es ging also wohl nicht darum, daß die Holding mangels Masse nicht zahlen konnte, sondern daß avisierte Regelzahlungen schlicht durch Dritte blockiert wurden. Daß die Politik in Persona Sebastian Kurz da eingewirkt hat, war auch eher dem Umstand geschuldet, daß eine wichtige Person, die für die extrem kurzfristige Übertragung der Eigentumsverhältnisse an Benko zeichnen mußte, im Urlaub war und Kurz dafür sorgte, daß diese Person den Urlaub unterbrechen und zeichnen konnte.
Es ist für mich daher durchaus logisch -eigentlich sogar mandatorisch-, daß die relativ unabhängig agierenden Tochtergesellschaften für genügend eigenen Sauerstoff und Handlungsspielraum sorgen. Genauso kann dies auch von der Steinhoff Holding aktuell gefordert und gefördert sein, weil man mit gesunden Töchtern das operative Geschäft am Laufen hält und sich eine bessere Verhandlungsposition mit den Gläubigern verschafft. Kränkelnde Töchter, die am finanziellen Tropf der an vielen Stellen arg lädierten und selbst kämpfenden Mutter hängen, sind eher ein Mühlstein.
Auch die STAR versucht, die Mutter zu entlasten, will auch deshalb eigene Finanzierungen aufnehmen, um das Darlehen an die Mutter zurückzuzahlen.
Dies alles kann auch als Signal verstanden werden, daß man die Probleme erkennt und dazu beiträgt, die gesamte Struktur wieder einigermaßen aus der Schieflage zu bringen. Gemeinsam! Das ist auch ein Signal an die MitarbeiterInnen, die südafrikanische Regierung, den Pensionsfonds und die Gewerkschaften.
Das vielleicht als eine mögliche Erklärung zu dem Posting von nope1974 und der Frage nach der angesrebten finanziellen Unabhängigkeit der Töchter.