wollte ich noch gestern Abend etwas schreiben, hatte aber beruflich soviel um die Ohren, dass ich nicht mehr dazu gekommen bin. Es ist eben die Zeit der Jahresabschlüsse, die im Januar und Februar an der Reihe sind.
Tatsächlich ging gestern im Dax die Lethargie zurück.
Die Umsätze zogen etwas an und die Abgaben der Vortage wurden etwas wett gemacht. Aber nicht so wie viele andere Analysten es rein technisch erwartet hatten. Betrachtet man den Dax seit dem Dezemberanstieg, so stellt man fest, dass der letzte Teil davon inzwischen zum Inselgap verkommen ist. Sowohl der letzte Ansteig
auf 11 890 als auch der Rücksetzer davon haben den ganzen Test des letzten Hochs deutlich in Frage gestellt.
Einige Analysten sehen dafür eine SKS-Formation, die sich ausbildet, nur dass das immer ohne Kurslücken angeht, wird übersehen. Normale Korrektur - ohne SKS - setzt zu den Ausbruchsmarken zurück, füllt sie also auf und erichtet ein zweites Standbein für den weiteren Anstieg. Das klappt aber nicht in einer SKS-Formation, weil nach der zweiten Schulter der Fall auf die Nackenlinie erfolgt und sich danach das nächste Ziel nicht nach oben sondern nach unten bewegen würde. Im Idealfall wird der Abstand von der Nackenlinie durch eine Spiegelung des Kopfes um die Nackenline nach unten berechnet.
In Wirklichkeit ist der Dax an der 38-Tage-Line abgeprallt und nimmt jetzt schon Anlauf für den nächsten Anstieg. Auf der Zeitschiene ist genügend Spielraum, da dieser erst frühestens zum nächsten Verfallstag am 17.3. eine Änderung einläuten wird. Aber auch das ist mit derzeit unter 50% Wahrscheinlichkeit eher ungewiss.
Während dessen hat sich der Dow gar nicht erst nach unten bewegt. Die Amis sind während einer laufenden Berichtssaison sowieso viel konservativer und warten erst alle Zahlen ab, bevor Richtungsänderungen abseits der Berichte vorgenommen werden.
Daran erkennt man auch die gediegenere Aktienkultur in den USA.
Das aber wird uns jetzt auch zum Vorteil gereichen, denn egal wie der Dax jetzt in den nächsten 2 bis 5 Handelstagen verläuft. Der Abstand zum Dow wird nicht weiter vergrößert, das kann man alleine schon am gestrigen Handelsverlauf erkennen, wo die Schere der davorliegenden Tage um 1% wieder geschlossen wurde.
Da die wirtschaftlichen Indikatoren sowohl in den USA als auch bei uns auf Wachstum auf längere Zeit ausgerichtet sind, ist nur die Frage der individuellen Einschätzung der einzelnen Firmen für die Gewichtung/Ausrichtung der nächsten Monate (mindestens bis zur Jahresmitte) ausschlaggebend. Da werden grundsätzlich keine Positionen abgebaut, es sei denn es ist fundamental begründet. Ein gutes Beispiel dafür waren gerade die Zahlen von UPS, die durch die längerfristigen Pensionsverpflichtungen der Betriebsrente sehr stark belastet sind.
Da steht eine Höhergewichtung der Post innerhalb des internationalen Logistiksegments bevor, wenn die Zahlen ordentlich ausfallen. Gleiches wird auch mit Apple ablaufen, da deren Zahlen sehr gut gewesen sind und die Konkurrenz so nicht mithalten wird/kann.
Dennoch sind Impulse im Markt erkennbar, die eine Wiederaufnahme der Seitwärtsbewegung von August des Vorjahres bis zum Dezemberanstieg auf einer höheren Stufe andeuten. Die Marke von 11 890 würde die obere Trendkanalbegrenzung darstellen. Ich halte das für eine, wenn überhaupt nur sehr kurzfristige Variante, die zumindest derzeit eine zu geringe Amplitude vorweist. Deswegen halte ich das für eher unwahrscheinlich (unter 15%), wobei eine für wenige Tage andauernde Unsicherheit natürlich immer möglich ist, und nicht diesen Trend bestätigt.
Der Wechselkurs hat sich über 1,05 eingependelt, wobei die Stimmungsmache von Donald Trump gezielt gegen die Dollarstärke gerichtet ist. Echte Vorhalte gegenüber Deutschland hat er nicht und kann er nicht vorbringen, denn er hat zwar recht, wenn er sagt, dass Deutschland die USA ausplündert, aber wir tun das ja mit Stil und mit Qualität. Und dagegen kann er nichts tun, denn selbst Strafzölle würden wegen der Qualität nichts ändern, denn Ausweichprodukte gibt es nicht. Einzige Ausnahme ist Mercedes hier kann man auf BMW, Audi oder Porsche ausweichen - aber das sind ja auch alles deutsche Fabrikate wie auch Bentley(=VW), Maybach(=Mercedes) oder Lamborghini(=Audi).
Von der psychologischen Seite her ist das sehr interessant, weil es die Ohnmacht der Amis gegenüber der deutschen Wirtschaftsstärke belegt.
Der Chartlord