„Kritik kam vor rund einem Jahr auch vom weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock. Deren Präsident Rob Kapito hatte ein Ende der Kurzatmigkeit in den Chefetagen vieler Unternehmen gefordert. Er betonte, dass Blackrock langfristig investieren wolle, und deshalb erwarte, dass die Manager langfristig denken. Viele würden sich jedoch von Quartals- zu Quartalsbericht hangeln, monierte Kapito. Wichtige Investitionen in neue Fabriken oder in neue Technik würden ausbleiben. Den Vorständen selbst sei nicht einmal ein Vorwurf zu machen, meinte er. Sie würden dazu von jenen Anlegern gedrängt, die nur auf schnelle Kursgewinne aus seien.
Nun schlägt jemand in die gleiche Kerbe, von dem man es nicht unbedingt erwartet hätte: Jamie Dimon, der Chef der amerikanischen Großbank JPMorgan. Er beklagte in einem Bloomberg-Interview, dass die Anleger auf kurzfristige Schwankungen der Quartalszahlen überreagieren. Genau dies sei kurz zuvor bei den Quartalsdaten von JPMorgan der Fall gewesen. Er selbst hatte diese viel besser bewertet als die Aktienanalysten. Dimon nahm die Praxis der Gewinnprognosen von AG-Firmenmanagern für jedes Quartal aufs Korn. Unternehmenschefs sollten seiner Meinung nach keine „Earnings-Guidances“ geben, weil sie nie wissen können, was in den nächsten drei Monaten passiert. Viel wichtiger sei die langfristige Ertragsentwicklung. Er selbst, so Dimon, beachte Quartalsergebnisse überhaupt nicht.
Kritiker der kurzfristigen Orientierung warnen, dass dies zu einer suboptimalen Steigerung des Unternehmenswertes führe. Denn kurzfristige Projekte mit raschem positivem Ergebnis würden langfristig angelegten Projekten vorgezogen, die zwar insgesamt einen höheren Barwert aufweisen, aber kurzfristig den Gewinn belasten. Das Management börsennotierter Unternehmen befürchte häufig, dass auf Grund langfristiger Investitionen der von Aktienanalysten erwartete Quartalsgewinn nicht erreicht werde. Von Analysten und Anlegern werde zu wenig berücksichtigt, dass die damit verbundenen Investitionskosten ein Quartal natürlich belasten können.“
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