Im Fokus des morgigen Geschäftsberichts stehen die Neubewertung des Immobilienportfolios und der Firmenwerte und Aussagen des Unternehmens zur künftigen Unternehmensfinanzierung.
Der in Q3 ausgewiesene Bewertungsgewinn von 408 Mio € dürfte sich in einen Bewertungsverlust von ca. -0,5 bis -1,0 MRD EUR gedreht haben. Ähnlich zu den Q4 Bewertungseffekten bei GCP, Vonovia und Co.
Darüber hinaus erwarte ich bei Aroundtown eine vollständige Abschreibung der in unten verlinkter Präsentation zu den Q3-Zahlen offen gelegten Firmenwerte auf TLG (822 Mio €) und GCP (862,9 Mio €).
www.aroundtown.de/fileadmin/user_upload/...s_presentation.pdf
Aufgrund des seit der Übernahme stark gefallenden Aktienkurses von GCP dürfte ein Festhalten an den beim Unternehmenskauf entstandenen Firmenwerten durch den Wirtschaftsprüfer nicht mehr akzeptiert werden. Aroundtown wird insoweit um eine schmerzhafte Bilanzbereinigung nicht umhin kommen.
Unter Berücksichtigung von 1,7 MRD Firmenwertabschreibungen und bis zu 1 MRD Wertberichtigungen auf das Immobilienvermögen dürfte Aroundtown für 2022 einen Verlust i.H.v. ca. -2 MRD EUR ausweisen.
Alles andere als eine komplette Dividendenstreichung stünde im klaren Widerspruch zu dem im Q3 Bericht genannten obersten Ziel der Liquiditätssicherung.
Aroundtown wie alle anderen börsennotierten Immobilienunternehmen wollen im Sinne ihrer Shareholder unter allen Umständen Firesales von großen Immobilienportfolien verhindern.
Die vorhandene Cashposition (inkl. in Q3 bereits vereinbarter Verkäufe) sichert die Finanzierung bis Ende 2025 vollständig ab.
Aroundtown hat demnach stand heute mindestens zwei Jahre Zeit, um zwecks Schuldenreduktion Käufer für signifikante Teile des Immobilienportfolios zu finden. Sollten EZB und FED erwartungsgemäß spätestens Anfang 2024 mit Zinssenkungen beginnen, dürfte die Nachfrage von strategischen Investoren für deutsche Immobilien wieder sprunghaft ansteigen.
In der Zwischenzeit werden Aroundtown und Co. die Mietrendite von derzeit 4,3% durch signifikante Mietsteigerungen deutlich erhöhen. Lt. Präsentation ist ein Großteil der Mietverträge inflationsgesichert. Bei diesen vor allem mit gewerblichen Mietern abgeschlossenen Verträgen sind die Mieten zum 01.01.2023 automatisch um die Inflationsrate gestiegen.
Bei gleichzeitiger Abwertung des Immobilienportfolios um ca. 1 MRD € (= 3,4% v. 29,2 MRD €) ergibt sich allein aufgrund des inflationsbedingten Anstiegs der Indexmieten bereits ein signifikanter Anstieg der Mietrenditen. Sollte sich die Inflation in 2023 bis 2025 fortsetzen, dürften die Mieteinnahmen und mithin auch die Mietrendite bis 2025 signifikant steigen.
M.E. ist der inflationsbedingte Anstieg der Mietzinsen in den aktuellen Refinanzierungs-Horrorszenarien überhaupt nicht berücksichtigt.
Der zu erwartende inflationsbedingte Mietanstieg wird unter der Annahme gleichbleibender Leerstandsquoten eine erhebliche Erhöhung des FFO 1 bewirken und würde mithin auch zukünftig erheblich höhere Zinszahlungen finanzieren.
Ich gehe davon aus, dass Aroundtown das Refinanzierungs-Zeitfenster bis Ende 2025 für einen signifikanten Abbau der Verschuldung durch Verkauf größerer Immobilienportfolios nutzen wird.
Dass die Immobilienpreise in Deutschland bei stark steigenden Mieten um 20% oder mehr einbrechen, erachte ich für höchst unwahrscheinlich.