Ich vermute tatsächlich, dass Bestätigungsfehler bei den "anders Denkenden" häufiger auftreten als bei den eher passiv eingestellten Mitgliedern der Gesellschaft oder zumindest, dass sie dieser Gefahr eher ausgesetzt sind. Das rührt daher, dass die ersten (wie ich annehme, größentteils wohlmeinend) sich aktiv auf die Suche nach der Wahrheit und Aufklärung begeben, während die zweiten sich eher auf ihren spontanen "gesunden Menschenverstand" verlassen bzw. sogar gegenüber dem eigenen Denkvermögen misstrauisch bleiben und es an besser geübte wegdelegieren.
Es ist nun mal so, wenn man ohne tiefere methodische Vorbereitung nach Wahrheit strebt (so z. B. durch Internetrecherchen), dann stößt man früher als später auf solche, die diese Wahrheit schon meinen, gefunden zu haben. Und siehe da, alles was sie behaupten, scheint doch so gut durch Fakten bestätigt zu sein. Dass die präsentierten Fakten schon zigmal bewusst und unbewusst vorselektiert wurden, fällt kaum auf - es ist generell ganz schwierig zu merken, wenn etwas NICHT gesagt wurde, denn dazu müsste man schon im Vorfeld das wissen, was man ja erst als Suchender erfahren möchte.
Der Meinung über Analysten stimme ich übrigens voll zu. Die Finanzbranche ist einzigartig dadurch, dass darin Leute ohne nachweisbare Fachkenntnisse (schlimmer: mit statistisch nachweisbar fehlenden Fachkenntnissen) von gierigen und/oder naiven, reichen Kunden bezahlt werden, die sich entweder der Realität nicht stellen möchten oder aber auf die Erlangung von Vorteilen durch den politischen Einfluss bzw. asymmetrische Information ihrer "Berater" auf Kosten von anderen ähnlich denkenden Kunden hoffen. Nur in wenigsten Fällen steht ein solcher "Vermittler" in keinem Interessenskonflikt und kann einen positiven Beitrag leisten, die Zukunft vorhersagen kann er nicht. Darüber hinaus sind sich die Angestellten der Finanzbranche ihrer Rolle oft nicht bewusst und wollen es nicht glauben, dass sie hauptsächlich Schamanen (oder deren Gehilfen) sind. Das gibt es aber auch bei anderen Berufen (Alternativmediziner, Priester, Wahrsagerinnen...).
Die Wirkung von präzisen Aussagen wurde bereits erforscht... Kunden tendieren solchen Beratern mehr Vertrauen zu schenken, die autoritativ auftreten und definitivere Aussagen machen. Dies ist selbst in wiederholten Experimenten zu beobachten, auch wenn sich die definitiven Aussagen später als falsch herausstellen. Das Phänomen ist zum einen durch Gedächtnistricks, zum anderen durch Umkehrung von Ursache-Wirkung bzw. Verwechslung von Korrelation und Kausation erklärbar: ein wohl informierter Berater würde präzise Aussagen liefern; es folgt trotzdem nicht, dass ein überzeugender Berater wohl informiert ist. Und als überzeugender Berater weiß man, seine Erfolge hervorzuheben, damit sich die Kundschaft vor allem an die "Treffer" erinnert. Dazu kommt, dass die Kundschaft aus eigenem Interesse wirklich an die Treffer glauben möchte. Alles andere würde ja die eigene Unfähigkeit bei der Beraterwahl bedeuten, und da kommen wir wieder zur Macht von Bestätigungsfehlern.