Leider hab ich heute nicht viel Zeit, aber es juckt mich da auch ein paar Zeilen zu schreiben: Weiter oben ist die Entwicklung Richtung kaltes, graus Europa geschildert - meiner Meinung nach sind wir schon sehr sehr weit, und das global. Ich persönlich bin Österreicher und beschäftige mich seit meiner Jugend mit dem HRR bzw. mit der Österr. Geschichte. Wenn ich mir nun die Lebenswelt im Ende des 19. Jhdts. und jetzt anschaue, dann sind für mich die Farben schon sehr blass. Ich meine das ohne eine Stilisierungen der "guten alten Zeit" - aber man nehme doch die damalige Welt in Kombination mit gewissen hygienischen etc. Errungenschaften und Stelle sich das vor. Ich mache beruflich Vorträge zu Kulturlandschaft/Ortsbild und viele Gäste sind oft persönlich betroffen, wenn man die Veränderungen unmittelbar auf 2 Fotos zeigt. Da kommt dann auch oft "wie konnte das nur passieren?" Wenn ich an das vollendete Bauhandwerk, die wunderbaren Kunsthandwerke vergangener Zeiten denke und das mit heutiger Stangenware vergleiche, spüre ich einen Druck auf der Brust. Ein sehr guter Freund verwendet dafür den Begriff "Kosmos" der verlorengeht - in jedem Lebensbereich, die Einfalt siegt über die Vielfalt. Jetzt sind die Südländer dran. zB haben sich die letzten funktionierenden Dorfstrukturen der 800jährigen Geschichte der Siebenbürger Sachsen in den letzten Jahrzehnten aufgelöst. Strukturen, welche gut mit dem ursprünglichen Begriff der Demokratie als "Dorfherrschaft" zu beschreiben sind. Demos heißt übrigens ursprünglich eben NICHT Volk, sondern Dorf! Wenn man sich die Dörfer heute anschaut ist es zum heulen.
Die Südländer (ich rede immer vom Volk, nicht von der Poltik) haben sich aus meiner Sicht bis zur Einführung des Euros ihren "Lebensstil des Lebens" und nicht des Geld nachlaufens lange Zeit erhalten - zum "Preis" einer geringeren Wertschöpfung und teurerer Import(luxus)waren. Das war mit dem globalisierten Markt und dann mit dem Euro vorbei - den Rest kennen wir. Ich war voriges Jahr im Südural - Magnesitbergbau, 5000 Bschäftigte, wo bei uns 500 reichen würden, jeder ein bescheidenes Häuschen, gute Schulen, 300-600 Euro Gehalt, praktisch jeder einen großen Gemüsegarten. Einziges Problem: Umweltverschmutzung. Ansonsten waren die Leute im Großen und Ganzen zufrieden - was uns auch von externer Seite bestätigt wurde. Würde man dort das machen, was man 1990 mit Ostdeutschland gemacht hat, man hätte 4980 Arbeitslose. Doch die neoliberale Krake wird wohl auch dort ankommen, in Jekaterinburg zB ist sie schon. Solange dem freien Warenverkehr und dem wirtschaftlichen Gewinn die Lebensqualität untergeordnet wird, wird sich wohl wenig ändern. Wenn der Bauer für seine Waren einen Euro bekommt und wir nach Finanzierung vom EU Schlachthof, Transport, riesigen Einkaufszentren, den ganzen Zinsleistungen dieser Einrichtungen und einem gigantischen Apparat dahinter 5 Euro bezahlen, wird wohl auch keine regionale, nachhaltige Versorgung möglich sein. Im Gegenteil - um die Versorgung sicher zustellen, werden die Hersteller der Primärerzeugnisse auch noch stark gefödert. Einfach pervers das Ganze! Doch wieder viel geschrieben, gute Nacht!