Du hast mich um eine Antwort auf Deinen Beitrag gebeten, ich versuch's mal so gut ich kann (was weiß ich schon, ich bin auch nur ein kleiner Wicht der sich Informationen zusammenzutragen versucht):
"Dass Du kein "Schwarzer" bist, dass habe ich wohl verstanden." - Nein, wahrlich nicht. ^^
"Wohin würden die Wachstumsgelder denn fließen und welches, vor allem nachhaltiges, Wachstum könnte damit in Südeuropa eigentlich erzeugt werden?
Was kann denn dort eigentlich überhaupt noch wachsen?"
Am besten wäre es, wenn Wirtschaft auch ohne den ständigen Wachstumszwang funktionieren würde. Da wir aber ein verzinstes Schuldgeldsystem haben, ist dies nicht möglich. Ökologisch ist dieses Wirtschaftssystem sowieso ein Desaster, aber es hat sich global durchgesetzt. Damit müssen wir nun mal laben.
Also zu Deiner Frage, Wachstum in Europa: Dazu befürfte es viel mehr als bloß einer Geldspritze, aber diese wäre der Anfang. Im Prinzip eine Reform des Arbeitsmarktes. Sehr billige Kredite für Unternehmen, parallel Senkung der Lohnnebenkosten, Erhöhung der Löhne um den Privatkonsum anzukurbeln. Abschaffung der 40-Stunden-Woche, Einführung der 30-Stunden-Woche, um viele Arbeitslose in Beschäftigung zu bringen (bedeutet aber auch Lohnverzicht für die ehemals 40-Stunden-Beschäftigten). Dadurch sinken zwar die Steuereinnahmen des Staates, aber auch die Ausgaben für Transferleistungen sinken. In Summe: Mehr Leute in Beschäftigung, weniger Frustration und Zukunftsangst.
Italien ist doch eine Industrienation, an Unternehmen mangelt es dort nicht. Spanien und Griechenland sind industriell nicht stark, ich wundere mich immer, wieso dort nicht viel mehr Menschen in der Landwirtschaft arbeiten. ?? Aber gut, das Landwirtschaftssystem der EU ist sowieso eine Katastrophe, anderes Thema...
"Plädierst Du mit Deinem Beitrag eigentlich für den ESM oder Eurobonds?"
Nein, keines von beiden. Der ESM führt zu "Demokratie"verlust und kann die wohl erforderlichen Mittel ohnehin nicht bereitstellen. Für Eurobonds ist wahrscheinlich es noch zu früh, dazu bedarf es Strukturreformen als Voraussetzung bzw. müsste man sich auf die Zusagen der Südstaaten verlassen können (unrealistisch).
Ich plädiere für eine stärkere Rolle der EZB. Leitzinssenkung auf 0.25 %. Zusicherung, dass Staatsanleihen der Südstaaten in der nötigen Menge gekauft werden, sobald der Zinssatz über 5 % steigt. "Rettung" der Problembanken nicht aus dem ESM, sondern über die EZB. Bedingung: bei allen "geretteten" Banken sofortige Zerschlagung des Investmentbanking.
"Wie kann es zukünftig überhaupt möglich sein, ein wirtschaftlich annähernd gleichgewichtetes Europa zu schaffen, wenn dies nicht mal innerhalb der deutschen Bundesländer möglich ist?"
Nein, wie soll das möglich sein? Wir sollten uns aber langsam an diese Unterschiede gewöhnen.
"Du würdest für das Ziel EU/Euro gerne 5% Inflation in Kauf nehmen und somit die gesparte/erarbeitete/ererbte Lebensleistung aller opfern?"
Wenn die Alternative Zerrüttung, Massenarmut oder gar Krieg ist, würde ich selbstverständlich jährlich 5 % Inflation in Kauf nehmen und 5 % des Ersparten opfern. Was haben die Leute denn noch von ihrem Ersparten, wenn der Kontinent im Chaos versinkt? Mir persönlich ist sozialer Friede unendlich viel wichtiger als ein paar Nullen mehr oder weniger am Sparkonto.
"Überzeuge mich bitte, dass ich für dieses Ziel weiterhin 6-7 Tage/Woche arbeiten gehe!!! Ach ja, bin übrigens selbstständig und muss zusehen, dass ich im Alter auch noch leben kann. Und 5% Inflation finde ich gar nicht gut!!! "
Du, wir arbeiten alle viel. Ich hab auch meine 50 Wochenstunden als Angestellter. Ist halt so in diesem System. Wenn man bereit ist, mit wenig auszukommen, muss man auch nicht soviel arbeiten. Materielle Bescheidenheit lautet die Zauberformel. Das ist aus ökologischem Blickwinkel betrachtet sowieso das beste und langfristig einzig Sinnvolle. Das führt jetzt zu weit bzw. würde ich gleich noch eine Aufsatz anhängen müssen: Regionale Strukturen in der Landwirtschaft, Kooperation, sozialer Zusammenhalt - das hat Zukunft. Unsere Welt muss kleiner werden und viel bescheidener. Aber da kommt jetzt der Hippie in mir durch. ^^