Italienischer Target2 Saldo bei -147,535 Mrd. Euro!!!!!!
Gestern berichtete die italienische Zentralbank (Banca d’Italia) die Daten zur Zentralbankbilanz für den Monat November 2011. Im November schossen die Target2 Verbindlichkeiten der italienischen Zentralbank auf -147,535 Mrd. Euro, nach -88,598 Mrd. Euro im Oktober. Auf der anderen Seite der Bilanz zog die Kreditvergabe über Refinanzierungsgeschäfte an italienische Banken weiter an, auf nun 153,203 Mrd. Euro, nach 111,288 Mrd. Euro im Vormonat. Im November 2010, also im Vorjahresmonat, betrugen die Forderungen aus geldpolitischen Operationen an Kreditinstitute nur schlappe 28,753 Mrd. Euro. Diese Daten zeigen den enormen Stress im italienischen Bankensystem an und dokumentieren eine brachiale Kapitalflucht im November. Flüchtige Bankeinlagen bei den Banken werden durch Zentralbankgeld ersetzt.
Die Entwicklung des Target2 Saldos der italienischen nationalen Notenbank seit Januar 2001 bis November 2011 im Chart. Italien hielt lange Zeit sogar relativ kräftige Forderungen, die aber seit Juli 2011 schlagartig zu Verbindlichkeiten kippten und zuletzt im November -147,535 Mrd. Euro erreichten. Die massive Ausweitung eines negativen Target2 Saldos in Italien, in kurzer Zeit, dokumentiert die Brisanz der Krise in der Eurozone und deren Weg in die finale Phase!
Die Verbindlichkeiten aus den negativen Target2-Salden der italienischen Zentralbank sowie der anderen Zentralbanken der Südperipherieländer inkl. Irlands, Belgiens und Frankreichs (PIIGSBF) fallen zwar formal bei der EZB an, sind aber in der Realität der positive Target2-Saldo der Deutschen Bundesbank, Luxemburgs, Hollands und Finnlands. De facto münden die Forderungen der Bundesbank und anderer Zentralbanken mit einem positiven Target2 Saldo über den negativen Target2 Saldo der PIIGS auf der Passiva-Seite der Bilanz in Kreditvergabe an die dortigen Banken auf der Aktiva-Seite der Bilanz.
Die Target2 Salden zeigen den Stress im Eurosystem hervorragend an, die extrem auseinander divergierenden Target2 Salden in der Eurozone dokumentieren die Zahlungsbilanzkrise in der Eurozone. Zentralbankgeld muss nun Leistungsbilanz und Kapitalbilanz in Übereinkunft bringen, da private Nettokapitalzuflüsse nicht mehr die Leistungsbilanzdefizite der PIIGS inkl. Frankreichs finanzieren und Zentralbankgeld nun auch noch zusätzlich die privaten Nettokapitalabflüsse (Kapitalflucht) aus diesen Staaten abpuffern muss.
Ein negativer Target2 Saldo ist die Differenz der Leistungsbilanzdefizite abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalzuflüsse oder eben die Summe der Leistungsbilanzdefizite zuzüglich der privaten Nettokapitalabflüsse (Kapitalflucht), der positive Target2 Saldo ist das Pendant dazu, die Differenz der Leistungsbilanzüberschüsse abzüglich der geringeren privaten Nettokapitalabflüsse oder eben als Summe der Leistungsbilanzüberschüsse zuzüglich der privaten Nettokapitalzuflüsse.
Die italienischen Target2 Daten für November, weisen den Weg für weiter explodierende Forderungen der Deutschen Bundesbank, sehr wahrscheinlich wird in wenigen Tagen die Buba einen Saldo von über +500 Mrd. Euro ausweisen.
Quelle Daten: Bancaditalia.it/BANK OF ITALY BALANCE-SHEET AGGREGATES AND OFFICIAL RESERVES IN NOVEMBER 2011
Na dann, angenehme Nachtruhe!
SV