Wäre Europa eine Bank, dann wäre Europa längst pleite. Weil die Kunden angesichts dieses unübersehbaren und unqualifizierten Durcheinanders und des daraus resultierenden Misstrauens schon längst ihre Einlagen abgezogen hätten. Wie es die vernünftigen Griechen ebenfalls bereits mit ihren Sichteinlagen bei griechischen Banken getan haben. Was man ihnen nicht verdenken kann.
Nun kommt auch noch der Binnenmarktkommissar Barnier mit dem Vorschlag um die Ecke zukünftig Ratings für Krisenstaaten zu verbieten. Angesichts der aus dieser Maßnahme sprechenden Unfähigkeit möchte man mit dem Kopf am liebsten solange gegen die Wand hauen, bis man nur noch Schmerz spürt und sich an diese Meldung nicht mehr erinnern kann.
Als ob damit das Problem gelöst wäre? Auch, wenn ich die Augen zumache und nichts mehr sehe, sehen mich die anderen noch. Wer trägt der auf Kleinkind-Niveau agierenden EU-Kommission und dem Binnenkommissar diese schlichte Wahrheit zu?
Nun bin ich wahrlich einer der größten Kritiker der Ratingagenturen. Ich erinnere da nur an den „Summary Report of Issues Identified in the Commissions Staff“, der deren „Praktiken“ eindrucksvoll offenbart. Dass Versicherungen und auch Banken auf deren Ratings noch beachten müssen, ist der eigentliche Skandal. Dem man auch nicht dadurch entkommt, dass man Ratings, die einem nicht in den Kram passen verbietet. Löst doch einfach die sklavische Abhängigkeit!
So sind wird mittlerweile bei Putins verkappter Zarenrepublik, die anch Ex-Kanler Schröder eigentlich ja eine lupenreine Demokratie ist, angekommen. Wir könnten - by the way - und einfach nach dem Vorbild Chodorowskis alle Europa-Kritiker der Steuerhinterziehung anklagen und so beseitigen. Wie wäre es denn damit? Schließlich haben wir uns an die indirekte Unterstützung des Datenklaus von Bankdaten über den Ankauf und die Auswertung von Daten durch CD’s auch schon gewöhnt. Und dass Staatstrojaner über die verfassungsgemäße Grenze hinausschießen scheint nicht mehr als ein paar Schlagzeilen wert zu sein. Mir persönlich fehlen da die Rücktritte! Es geht schließlich um die Verfassung und unsere Bürgerrechte. Und mit dem Argument, dass derjenige nichts zu befürchten hat, der nichts getan hat, haben Diktatoren schon ganze Völker unterjocht.
Verbote von Wahrheiten passen nicht in eine Demokratie und sind der falsche Weg. Genauso falsch ist es, wenn man sich Banken, die mit Betrugsvorwürfen konfrontiert sind, weil sie gegen CDO-Konstrukte gewettet haben sollen und dies ihren Kunden, die diese möglicherweise kauften, nicht mitteilten, freikaufen lässt. Glaubt denn einer da draußen im Ernst, dass die Citigroup angesichts einer Strafe von 285 Mio. Dollar bei einem Quartalsgewinn von über 3 Mrd. Dollar einen Anreiz hat ihre Handlungsweise zu überdenken und zukünftig anders zu agieren? Jedenfalls hätte die Bafin einem kleinen Anlageberater oder Finanzportfolioverwalter angesichts eines solchen Verhaltens, dass nicht mit den Kreditwesengesetz-Anforderungen übereinstimmt, längst die Lizenz entzogen. Citigroup darf aber in Deutschland weitermachen. Auch kümmern die Bafin offenbar die Ermittlungen in den USA gegen die Deutsche Bank aus ähnlichen Vorwürfen nicht.
Und dass man die Ergebnisse des Blitz-Stresstests nicht mehr vor dem Wochenende veröffentlichen will, wie ursprünglich beabsichtigt, trägt ebenfalls nicht gerade zur Vertrauensbildung bei. Da frage ich mich, ob man nicht nur das Äußere des Berichts noch etwas aufhübschen möchte? Wie schon in den letzten Stresstests, die ja – für uns blöden Bürger jedenfalls – alle recht gut ausgingen. Was ist nur in den letzten Monaten passiert? Oder nahm man es mit dem Stresstest nicht so genau?
Dann ist da das Gezerre um die Besetzung der italienischen Notenbank. Es ist ein Drama. Wir sollten die Notenbanken zukünftig gleich den Bundesfinanzministerien unterstellen. Dann wissen wenigstens alle, wohin der Hase läuft. Und das mit dem Gelddrucken und der Hebelung hätte sich auch erledigt. Dann würden wir uns die Probleme einfach wegdrucken, ääähhhhh weghebeln.
Und schließlich der verschobene Gipfel über dessen Verschieben man wohl erneut nachgedacht hat und der schon jetzt eine Fehlgeburt ist. Ganz zu schweigen davon, dass jeder weiß, dass die Franzosen wollen, dass wir ihre maroden Zockerbanken freikaufen. Weil ansonsten das Kreditrating Frankreichs massiv gefährdet wäre.
Vor diesem Hintergrund habe ich das gestern im Wirtschaftsblatt von Herrn Bernecker gegebene Interview noch einmal Revue passieren lassen. Er sagte, dass noch einige Banken kaputtgehen werden und der Staat das bezahlen wird und versprühte ansonsten Optimismus. Zweckoptimismus.
Wobei ich mit ihm einer Meinung bin, dass es –wenn denn die richtigen Maßnahmen getroffen werden würden – es tatsächlich zu einer Jahresendrally kommen könnte. Und zwar zu einer, wie wir sie selten gesehen haben.
Die Gefahr, dass die Damen und Herren, schon auf dem Weg hin zum Gipfel die Orientierung verlieren und am Ende eine kleinen Erdwall für den Gipfel halten und sich dort fälschlicherweise ausruhen, ist aber derzeit wohl eher wahrscheinlich. Auch, wie es manche Händler in Frankfurt, an der Wall Street und in Tokyo erwarten, dass es am Montag nach spärlichen Ergebnissen den großen Knall gibt und Montag, der 24. Oktober 2011, in den Geschichtsbücher als der
<< Schwarze Montag >>
eingehen könnte. Dabei will ich nicht unken. Die Gefahr ist derzeit aber eine reale. Weil dieses wiederholte Versagen auf oberster europäischer Ebene eines Tages seinen Tribut fordern wird und muss. Wann es so weit ist und die Welt die Geduld verliert, wissen wir alle nicht. Wobei meines Erachtens nur noch ein Funke am falschen Ort fehlt. Dass dem Tribut aber gezollt werden muss, wenn jetzt nicht gehandelt wird, ist so klar wie die Glaskugel, in die viele ihre Wünsche und Ängste projizieren. Welche lediglich zurückgespiegelt werden...
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