8:41 | 16.02.2012
Tagesausblick: Anleger nehmen Gewinne mit
Neue Verunsicherung um eine Griechenland-Lösung belastet die deutschen Aktienindizes. Wie bereits an der Wall Street und am Morgen in Asien streichen viele Anleger ihre Gewinne ein.
Die Bundesregierung sieht vor einer Entscheidung über weitere Griechenland-Hilfen noch offene Punkte. Neben der Prüfung der kurzfristig zur Verfügung gestellten Informationen aus Griechenland müssten noch weitere Fragen beantwortet werden, verlautete aus Berlin. Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker hatte zuvor nach einer etwa dreistündigen Telefonkonferenz mit den Euro-Ministern für kommenden Montag eine Entscheidung über das neue Griechenland-Paket von mindestens 130 Milliarden Euro angekündigt.
Nach Ansicht des Devisenexperten Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank deutet vor allem der schwache Euro auf einen „Stimmungsumschwung“ hin. Die grundlegenden Schwächen der Rettungsmaßnahmen rückten wieder in den Vordergrund, so Leuchtmann. Der Euro rutschte am Morgen unter die Marke von 1,30 US-Dollar.
Im vorbörslichen Handel waren Gewinner entsprechend rar gesät, im Dax war gar keiner zu finden. Besonders schwach tendierten zuletzt deutlich erholte Bankentitel. Die Aktie der Deutschen Bank sank um über 2 Prozent. Die US-Ratingagentur Moody’s hatte am Vorabend angekündigt, die Kreditwürdigkeit von weit mehr als 100 Instituten zu überprüfen. Dabei handelt es sich vor allem um europäische Finanzinstitute wie die Deutsche Bank, die britische HSBC oder die Schweizer UBS.
Die Lufthansa ist ebenfalls im Tiefflug. Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) will ihren für Donnerstag geplanten Streik am Frankfurter Flughafen auf den Freitag ausdehnen. Am Vortag hatte die drohende Arbeitsniederlegung die Papiere weitgehend kalt gelassen.
Im MDax hielten sich Aktien von Kabel Deutschland mit einem moderaten Abschlag von 0,34 Prozent vergleichsweise stabil, zumal sie am Mittwoch mit plus 3,61 Prozent der Indexfavorit waren. Deutschlands größter Kabelnetzbetreiber hat im dritten Geschäftsquartal zum Ende Dezember einen Umsatz- und Gewinnanstieg verzeichnet. Ein Börsianer sah damit die Markterwartungen erfüllt. Positiv hob er den Ausblick hervor.
Wall Street: Dow Jones mit größtem Tagesverlust in diesem Jahr
Enttäuschende Konjunkturdaten und die schwindende Hoffnungen auf frisches Notenbankgeld haben die US-Börsen am Mittwoch ins Minus gedrückt. Zudem reagierten die Anleger nur verhalten auf die Meldung, dass Griechenland nunmehr auf die Rettung vor dem Staatsbankrott in letzter Minute hoffen kann.
Der Dow Jones Industrial sank um 0,76 Prozent auf 12.780,95 Punkte. Dies war der größte Tagesverlust, den der Leitindex in diesem Jahr bislang verkraften musste. Der S&P 500 fiel um 0,54 Prozent auf 1.343,23 Punkte. An der Nasdaq ging es ebenfalls nach unten: Der Composite-Index gab um 0,55 Prozent nach auf 2.915,83 Punkte, der Auswahlindex Nasdaq 100 verlor 0,75 Prozent auf 2.556,01 Punkte.