25.11.11 10:05 DJN: XETRA-START/DAX setzt Abwärtsbewegung im frühen Handel fort
FRANKFURT (Dow Jones)--Ohne neue Ansätze zur Lösung der Staatsschuldenkrise im
Euroraum setzt sich der seit zwei Wochen anhaltende Druck auf den deutschen
Aktienmarkt auch zum Wochenausklang fort. Im frühen Geschäft verliert der DAX
bis 10.04 Uhr 0,7% oder 36 auf 5.391 Punkte. Nach Einschätzung aus dem Handel
überwiegen klar die Abwärtsrisiken. Der Euro ist derweil unter die Marke von
1,33 USD gefallen und zieht den deutschen Leitindex mit nach unten.
Bereits am Vortag vermochte es selbst ein besser als erwartet ausgefallener
ifo-Geschäftsklimaindex nicht, die heimischen Indizes bis zum Handelsschluss
vor einem neuerlich Abtauchen unter die Nulllinie zu bewahren. Grund:
Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach sich nach einem Treffen mit Frankreichs
Staatspräsident Nicolas Sarkozy abermals gegen gemeinsam von den Mitgliedern
des Euroraums begebene Anleihen und eine Staatsfinanzierung durch die
Notenpresse der Europäischen Zentralbank aus.
Weiter schlechte Nachrichten kommen auch von der Rating-Front. Nachdem die
Agentur Fitch bereits am Vortag die Bonität Portugals auf Ramschniveau gesenkt
hat, ereilt ein ähnliches Schicksal nun Ungarn. Moody's hat die
Kreditwürdigkeit der Magyaren auf "Ba1" von "Baa3" und damit ebenfalls auf
"Junk"-Status gesenkt. Angesichts des hohen Exposure westeuropäischer Banken
nach Osteuropa ergeben sich hier neue Risiken für die Eurozone.
Nach dem "Thanksgiving"-Feiertag werden Aktien in den USA nur bis 19.00 Uhr
gehandelt, großer zusätzlicher Abgabedruck dürfte davon allerdings nicht
ausgehen. "Die Handelsbestände waren bereits zu Beginn des langen
'Thanksgiving'-Wochenendes auf Null heruntergefahren", sagt ein Händler.
Für neue Impulse könnte das für den Nachmittag angesetzte Treffen von
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble mit seien Kollegen aus Finnland und den
Niederlanden sorgen. Auch bei diesen Gesprächen dürften so genannte Euro-Bonds
und die Rolle der Europäischen Zentralbank im Vordergrund stehen, alle drei
gelten dabei als Hardliner. Darüber hinaus wollen die Italiener den
Kapitalmarkt anzapfen und zwei Anleihen mit unterschiedlichen
Ausstattungsmerkmalen unter die Anleger bringen.
Einzelnachrichten sind rar. Die mögliche Insolvenz des Wettbewerbers
Manroland lässt die Aktien von Heidelberger Druckmaschinen weiter anziehen. Im
frühen Geschäft steigen die Papiere um 7,8% auf 1,40 EUR und sind damit bislang
Tagesgewinner im MDAX. "Manroland dürfte im Bogenoffset-Druck einen Umsatz von
etwa 300 Mio EUR machen, davon könnten rein rechnerisch 200 Mio EUR an den mit
einem Anteil von gut 40% Weltmarktführer Heidelberger Druckmaschinen gehen",
sagt ein Analyst.
Air Berlin brechen im frühen Geschäft um 7,4% auf 2,46 EUR ein. Händler
verweisen auf Meldungen, denen zufolge die Fluggesellschaft dementiert hat, auf
der Suche nach einem Investor zu sein. Zuvor hatte sie "Süddeutsche Zeitung"
berichtet, dass Air Berlin bereits Gespräche mit mehreren möglichen
Interessenten geführt habe - darunter mit Etihad Airways aus den Vereinigten
Arabischen Emiraten und mit der chinesischen HNA Group. "Ein Ankeraktionär
hätte aber sicher etwas Ruhe in das Unternehmen gebracht", so ein Händler. Erst
vor wenigen Wochen hat Air Berlin den Gewinnausblick für 2011 kassiert.
DJG/mpt/flf
(END) Dow Jones Newswires
November 25, 2011 04:05 ET (09:05 GMT)
Dow Jones & Company, Inc.2011
Finanzielle Probleme lassen sich am besten mit anderer Leute Geld regeln. (J. Paul Getty)