Quartalsergebnisse
US-Banken: Überraschend schlecht
von Matthias Eberle
Die Hoffnungen auf ein baldiges Ende der Finanzkrise haben einen merklichen Dämpfer erhalten. Morgan Stanley rief Investoren am Mittwoch mit einem Milliardenverlust für das zweite Quartal in Erinnerung, dass die Probleme in vielen Bereichen noch längst nicht ausgestanden sind.
Erneute Verluste bei Morgan Stanley versetzten den Hoffnungen auf ein schnelles Ende der FInanzkrise einen herben Dämpfer. Quelle: ap
NEW YORK. Damit lieferte die New Yorker Investmentbank das Kontrastprogramm zum Rivalen Goldman Sachs, der in der Vorwoche 3,4 Mrd. Dollar Gewinn ausgewiesen hatte.
Deutlich steigende Kreditausfälle bei Wells Fargo, der viertgrößten US-Bank, kündigen zudem eine Welle neuer Probleme an. Das in San Francisco ansässige Institut konnte seinen Nettogewinn im zweiten Quartal zwar um 81 Prozent auf 3,17 Mrd. Dollar steigern, allerdings sind die Zahlen durch die Übernahme des Rivalen Wachovia verzerrt. Wells Fargo irritierte vor allem mit der Nachricht, dass das Volumen unbedienter Kredite innerhalb eines Quartals um 45 Prozent auf 18,3 Mrd. Dollar gestiegen sei. Aktien von Wells Fargo rutschten im frühen US- Handel um sechs Prozent ins Minus, Morgan Stanley verloren knapp zwei Prozent. „Die Angst vor weiteren Verlusten im Finanzsektor geht um“, fasste Jim Paulsen von Wells Capital Management die Stimmung zusammen.
Morgan Stanley: Der Loser der Saison
Zwar sind bei Morgan Stanley einige Sonderfaktoren für das hohe Minus verantwortlich, etwa Rückzahlungen an den staatlichen Banken-Rettungsfonds Tarp im Volumen von zehn Mrd. Dollar. Auch im operativen Geschäft konnte die Bank aber nicht an die guten Quartalsergebnisse der Konkurrenten anknüpfen. Das Minus im operativen Geschäft betrug 159 Mill. Dollar, verglichen mit einem Gewinn von 689 Mill. Dollar im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Morgan Stanley lieferte damit das dritte Quartalsminus in Serie ab und verfehlte die Erwartungen der Analysten. Der Umsatz fiel von 6,1 Mrd. Dollar auf 5,4 Mrd. Dollar zurück.
Branchenexperten erklären den riesigen Abstand zum Investmentbanken-Rivalen Goldman Sachs mit der unterschiedlichen Risikobereitschaft beider Häuser. Während Goldman Sachs weiterhin vor allem auf die Marktentwicklung wettet und damit in der Hochrisikozone jongliert, hat Morgan-Stanley-Vorstandschef John Mack das eigene Handelsgeschäft deutlich reduziert. Stattdessen hat sich Mack auf die Suche nach weniger volatilen Umsätzen gemacht, etwa im Brokergeschäft. Dieser Umbau kostet erst einmal Geld: So gab Mack im zweiten Quartal 2,75 Mrd. Dollar aus, um das Joint Venture mit der Citigroup im Brokergeschäft (Smith Barney) abzuschließen. Über diesen Expansionsschritt hat sich Morgan Stanley die Kontrolle über ein gemeinsames Brokerhaus mit mehr als 18 000 Beratern gesichert.
Mack betonte, dass Morgan Stanley in vielen Bereichen auf dem richtigen Weg sei. Mit den Ergebnissen insbesondere im Fixed-Income-Geschäft sowie in der Vermögensverwaltung sei er aber nicht zufrieden. „Wir haben einfach die Möglichkeiten im Zins- und Devisengeschäft nicht genutzt“, räumte auch Finanzvorstand Colm Kelleher ein. Analysten führen das Quartalsminus zudem auf wachsende Probleme im gewerblichen Immobiliengeschäft zurück, in dem Morgan Stanley stark vertreten ist.
„Die Kreditqualität wird sich verschlechtern“, sagte Jennifer Thompson, Analystin bei Portales Partners in New York. Die Frage sei nur noch, „wie deutlich sie sich verschlechtert und in welchen Bereichen“.
Insbesondere die klassischen Geschäftsbanken müssen sich deshalb auf die nächste Ausfallwelle gefasst machen. Citigroup, Bank of America, JP Morgan und Wells Fargo haben allesamt höhere Milliardenbeträge für Ausfallreserven zurückgestellt. Aus diesem Quartett hat bisher allein JP Morgan seine Staatshilfe zurückgezahlt. Wells Fargo wolle sein Darlehen über 25 Mrd. Dollar „zum frühestmöglichen Termin“ zurückzahlen, hieß es am Mittwoch.
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