Der Solidarpakt macht den Osten stark, während Ruhrgebiets-Städte in Schulden versinken. Ist das so? Auf der Autobahn auf der Suche nach den Soli-Milliarden
Manchen kommt es vermessen vor, die A40 als Autobahn zu bezeichnen, und irgendwie trifft es das ja auch nicht: Meist steht man rum, im Stau, mit Tausenden anderen, die sich jeden Tag durch das Ruhrgebiet quälen. Außerdem fängt sie in Dortmund ja auch harmlos an, als Bundesstraße, mitten durch die Stadt, 50er-Zone.
Das, was man Verkehrsfluss nennen könnte, wird durch Ampeln unterbrochen. Guter Blick auf die Westfalenhalle und auf das Stadion des deutschen Fußballmeisters, viel grün, viele hässliche Bürogebäude, Leute in schwarz-gelben Trikots, vieles ist schwarz-gelb in Dortmund.
Besonders am Borsigplatz, wo die Meisterfeiern stattfinden und um die Ecke in einer Kneipe, die heute eine begehbare Friteuse ist, der BVB gegründet wurde. Der Dortmunder Norden ist so ein Problemviertel im Ruhrgebiet, hohe Arbeitslosigkeit, viele Migranten, Handyläden, Trinkhallen, Billigkram. Allerdings gibt es auch noch ein paar hübsche Altbauten, was selten vorkommt im Ruhrgebiet. Schön ist das alles nicht.
Erst hinter Dortmund, wird die B1 zur A40. Und zu einer großen Baustelle. Zeit zum Nachdenken hat man genug auf dieser Autobahn, die früher „Ruhrschnellweg“ genannt werden sollte. „Ruhrschleichweg“, haben die Menschen dann immer gesagt, was nicht wirklich witzig ist, aber auch mal erwähnt sein muss.
Das Geld aus dem Solidarpakt fließt weg von hier
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Also Nachdenken: Die Ruhr-Bürgermeister sagen, dass es schlimmer ist als im Osten hier, dass sie nun dran seien. Und sie malen ein Bild von verfallenen Innenstädten, Schulen, durch deren Dächer das Wasser kommt, von Straßen, deren Schlaglöcher die Achsen der Autos brechen lassen. Doch das Geld aus dem Solidarpakt II, der noch bis 2019 läuft, fließt weg von hier. Insgesamt sind es 156 Milliarden Euro. Außerdem ist in NRW Wahlkampf. Mal sehen also.
Bochum, Ausfahrt Opel-Werk II. Gerade erst in dieser Woche hat die Mutterfirma General Motors angekündigt, Werke in Europa schließen zu wollen, eine halbe Milliarde Verlust macht Opel im Jahr. „Was daran liegt, dass wir von den Amerikanern schlecht behandelt wurden“, sagt einer, dessen Schicht gleich beginnt.
Angst hat hier niemand, es gibt eine Bestandsgarantie. Früher wurde hier der Kadett, das Ruhrgebietsauto schlechthin, gebaut. 20.000 Menschen arbeiteten hier, viele davon ehemalige Bergleute. Heute sind es noch rund 5000, Tendenz fallend, was auch die Erklärung für diesen absurd großen Parkplatz vor dem Werk ist.
Stolz findet man selbst in heruntergekommenen Trinkhallen
Bochum-Langendreer ist nicht nur Opel, sondern auch ein zum Kulturzentrum umgebauter Bahnhof, mehrere Diskotheken und ein See. „Probleme haben wir eigentlich kaum“, sagen die Rentner vor der Kaffeebude. Und dann passiert zum ersten Mal etwas Seltsames: „Wir leben gern hier“, sagen sie, und konfrontiert mit den Aussagen ihrer Bürgermeister, dass hier doch alles den Bach runtergehe, winken sie ab. Sicher, vieles könnte besser sein, Geld habe man ja immer zu wenig, aber trotzdem sei Bochum eine lebenswerte Stadt ..........................
http://www.welt.de/politik/deutschland/...mpft-der-Osten-glaenzt.html