Was Wawidu in # 22601 schreibt, ist richtig, aber wohl noch nicht ganz allgemein-verständlich. Hier mal eine längere Zusatzerklärung:
Leute aus dem Forum kennen meist nur Aktien, Optionsscheine, Knock-outs und evtl. noch Discount-Zertifikate - viel mehr wird von den meisten dt. Online-Brokern dem Allgemeinpublikum auch gar nicht angeboten.
Bei der Buy-Write-Strategie geht es nicht um Optionsscheine, sondern um "richtige" Optionen. Solche Optionen werden (im Gegensatz zu den darauf basierenden Optionsscheinen, die Emissionsbanken rausgeben - zu teils recht willkürlichen Kursen und Konditionen) nur an den großen Terminbörsen wie Eurex oder CBOE gehandelt. Gehandelt werden Optionen in Kontrakten, wobei 1 Kontrakt = 100 Aktien entspricht.
Optionen haben im Gegensatz zu Optionsscheinen recht klare Konditionen. Es gibt sie als Longs (dann heißen sie Calls) oder als Shorts (dann heißen sie Puts).
1. Beispiel: Kauf eines Microsoft-Calls mit Basis 30 Dollar und Fälligkeit im Oktober:
Wenn ich z. B. annehme, dass die Microsoft-Aktie am Verfallstag im Oktober 2008 deutlich über 30 Dollar stehen wird (aktuell: 28,30), könnte ich jetzt 1 Kontrakt Calls mit Fälligkeit im Oktober 2008 und einem Basispreis von 30 Dollar kaufen.
Dieser Kontrakt kostet zurzeit 1,17 Dollar
bigcharts.marketwatch.com/quickchart/...0&time=8&bars=1&bars=3
wobei dies mit 100 multipliziert werden muss. Sprich: Ich kaufe diesen Kontrakt für 117 Dollar. Dieser Kontrakt gibt mir das Recht (aber nicht die Pflicht), die 100 MSFT-Aktien am Verfallstag zu 30 Dollar zu erwerben. Würde MSFT am Stichtag bei 35 Dollar stehen, wäre dieser Kontrakt 500 Dollar wert (Differenz von 35 Dollar tatsächlicher Kurs und Basispreis von 30 Dollar = 5 Dollar x 100 Stücke). Die CBOE würde die Option, da sie "im Geld" aus, automatisch ausüben (je nach Broker) und die 500 Dollar dem Konto gutschreiben. Der Einsatz von 117 Dollar hätte sich dann mehr als vervierfacht.
400+ % in ein paar Monaten sind ein Traumgewinn. "Die Sache" hat freilich auch einen Haken: Falls MSFT am Stichtag unter 30 Dollar (dem Basispreis) notiert, wird die Option wertlos, und die 117 Dollar sind verloren. Das Recht, MSFT für 30 Dollar zu kaufen, bleibt einem natürlich erhalten, aber es bringt einem nichts, wenn MSFT z. B. bei 28 Dollar steht. Der Einsatz ist daher futsch, der Verlust beträgt 100 % (eben diese 117 Dollar).
100 % Verlust ist zwar herbe, aber "überschaubar". Mehr als diese 117 Dollar kann man nicht verlieren. Hätte man stattdessen 100 MSFT-Aktien direkt gekauft, was aktuell 2830 Dollar kostet, und würde MSFT im Oktober bei 25 Dollar stehen, hätte man 330 Dollar Buchverlust - mehr als das Doppelte der obigen 117 Dollar. Vorteil: Man kann das aussitzen, evtl. erholt sich MSFT wieder. Nachteil: Dafür gibt es keine Garantie. Manche Klitschen (z. B. Evotec, GPC Biotech usw.) fallen "ohne Ende", und bei 90 % Kursrückgang (bei MSFT sehr unwahrscheinlich) hätte man von den 2830 Dollar bereits rund 2550 "in den Sand gesetzt". Dies zeigt, dass Optionen auch Risiken begrenzen können. Richtig eingesetzt sind sie daher eine konservative Anlage.
2. Beispiel: Kauf eines Microsoft-Puts mit Basis 28 Dollar und Fälligkeit im Oktober
Wenn ich in obigen Beispiel davon ausgehe, dass MSFT im Oktober deutlich unter dem jetzigen Kurs von 28,30 Dollar steht, dann kann ich davon mit Kauf eines Puts profitieren.
Kaufe ich z. B. den Put mit Basis 28,00 Dollar und Fälligkeit im Oktober (Preis für 1 Kontrakt aktuell: 174 Dollar) und stünde MSFT dann bei 25 Dollar, erhielte ich 300 Dollar ausgezahlt, was immerhin knapp einer Verdoppelung entspricht. Auch bei Puts gibt es natürlich das Risiko des wertlosen Verfalls, der sich ergibt, falls MSFT im Okt. über dem Basispreis (hier: 28 Dollar) notiert.
In beiden Fällen ist ein "Beschiss" seitens des Emmis (bei Optionsscheinen ja sehr verbreitet) ausgeschlossen, da die Konditionen mit dem jeweiligen Basispreis klar definiert sind und der MSFT-Kurs am Stichtag ebenfalls eindeutig einsehbar ist.
3. Beispiel: Call-Write-Strategie = Leerverkauf (Shorten, "Schreiben") eines Micosoft-Calls mit Basis 30 Dollar und Fälligkeit im Oktober
An den großen Terminbörsen wie Eurex/CBOE - und nur da) - kann man bei den Optionen auch "die andere Seite" einnehmen (bei Optionsscheinen geht das nicht). Wenn ich mir z. B. sicher wäre, dass MSFT im Oktober unter 30 Dollar steht, könnte ich den Call aus dem 1. Beispiel "leerverkaufen" bzw. "shorten" (auch "schreiben" bzw. "write" genannt). Ich würde dann beim heutigen Verkauf dieses Calls die 117 Dollar für diesen 1 Kontrakt auf meinem Konto gutgeschrieben bekommen. Damit übernehme ich die Verpflichtung, "der anderen Seite" (dem Käufer des Calls) das Geld zu geben, falls MSFT steigt. Würde MSFT im Extremfall im Oktober bei 40 Dollar stehen, müsste ich als Stillhalter (= Shorter) dieses Calls "der anderen Seite" 1000 Dollar auszahlen. De facto kostet mich dies dann 1000 Dollar (Auszahlung) minus 117 Dollar (Prämieneinnahme) = 883 Dollar, da der Zeitwertverlust bis zur Fälligkeit in meine Tasche arbeitet und ich die 117 Dollar beim aktuellen Verkauf ja auch tatsächlich im Voraus erhalte. Nichtsdestotrotz läge der Verluste beim rund sechsfachen meines Einsatz - ein schlechter Deal. Calls zu shorten ist daher ziemlich riskant. Relativ kleinen Prämieneinnahmen stehen theoretisch unendlich hohe Verluste bei Anstiegen der Aktie entgegen.
Anders sieht die Sache aus, wenn MSFT am Stichtag im Oktober unter 30 Dollar steht. Dann gehören die beim Shorten des Calls vereinnahmten 117 Dollar Prämie mir, die Gegenseite geht leer aus. Der Zeitwertverfall bis Oktober kommt also voll dem Stillhalter (mir) zugute.
(Auch Put-Kontrakte lassen sich leerverkaufen, was bei Anstieg der Aktien zu obiger Prämieneinnahme führt - freilich ebenfalls bei vollem Abwärtsrisiko: Würde die Aktie stark fallen, sieht der Stillhalter eines Puts buchstäblich alt aus. Einen Put zu shorten ist allerdings nicht riskanter, als im Underlying long zu sein!)
4. Mittelding: Covered-Call-Strategie (auch Buy-Write-Strategie genannt)
Um das Risiko im 3. Beispiel bei Anstieg von MSFT über 30 Dollar komplett rauszunehmen, bietet sich die Buy-Write-Strategie an. Ich kaufe dazu heute zu 2830 Dollar 100 MSFT-Aktien und verkaufe gleichzeitig leer 1 Kontrakt der 30 Dollar-Calls für Oktober 2008 dagegen.
Steht MSFT im Oktober unter 30 Dollar, habe ich die 117 Dollar aus dem Shorten des Calls definitiv verdient, der Call-Käufer (meine Gegenseite) geht leer aus. Steht MSFT hingegen bei 35 Dollar, muss ich dem Call-Käufer meine 100 Aktien zu 30 Dollar geben. Da ich sie zu 28,30 (aktuell) gekauft habe, verdiene ich an den 100 Aktien dann lediglich 170 Dollar Kursgewinn (3000 minus 2830 EK) plus die 117 Dollar aus dem Leerverkauf der Calls, also zusammen 287 Dollar. Stiege MSFT auf 40 Dollar, würde dasselbe gelten, die 287 Dollar sind daher der maximale Gewinn aus dieser Position. Damit ist das "Aufwärtsrisiko" beim Shorten des Calls zu 100 % abgefangen.
Freilich schützt der Leerverkauf des Calls nicht vor Kursverlusten mit der Aktien selbst. Fiele MSFT bis Oktober auf 25 Dollar, so hätte ich zwar die 117 Dollar aus dem Shorten des Calls "verdient", gleichzeitig aber mit der Aktie selbst 330 Dollar Buchverlust erlitten. Die tatsächlichen Verluste sind nun nur etwas niedriger (330 - 117 = 213 Dollar). Vorteil: Dieses Spielchen kann ich beliebig häufig wiederholen. Ich kann also im Oktober die Januar-2009-Calls gegen die Aktien leerverkaufen und würde bei Seitwärtsbewegung wiederum profitieren.
Dies macht auch die von Wawidu genannte Index BXM. Er zeigt die Performance, die sich mit Buy-Write-Strategien auf den SP-500 ergibt. Im Chart unten sieht man deutlich, dass der BXM den SP-500 im letzten Jahr deutlich ausperformt hat (das galt auch im letzten großen Bärenmarkt von Frühjahr 2000 bis Frühjahr 2003).
Nachdem ich dies hier nun alles detailliert beschrieben habe, frage ich mich, ob das WIRKLICH besser verständlich ist als das, was Wawidu schrieb... ;-))
Wie auch immer, vielleicht wird der Eine oder Andere daraus schlau.
Es gibt auch viele Langzeit-Long-Aktionäre, die ihre Depot-Erträge in Seitwärtsmärkten mit Hilfe der Covered-Call-Strategie (bzw. "Call-Writing") aufpeppen. Das hat teils auch steuerliche Vorteile, weil man ja die Aktien selber (weiter) hält und nur auf die vereinnahmten Prämien Steuern (Veräußerungsgewinn) zahlen muss.
CHART: BXM zeigt relativ zum SP-500 im letzten Jahr eine klare Outperformance: (Verkleinert auf 85%)

