Vor 23 Stunden, kurz vor der EZB-Sitzung und bei EUR/USD-Kursen um 1,0560, taten Goldman-Strategen via CBS Marketwatch kund, dass es "noch längst nicht zu spät sei, den Euro zu verkaufen":
www.marketwatch.com/story/...e-to-bet-against-euro-goldman-2015-12-02
Ähnliche Formulierung kennt man von Aktientiefs, an denen Goldman-Gurus
geradezu "verlässlich" darauf hinweisen, dass es "noch längst nicht zu spät ist, Aktien zu verkaufen". Bei solchen Warnungen läuten bei erfahrenen Bären die Alarmglocken Sturm. Denn sie wissen: Bei Aktientiefs sind solche Anmerkungen klar taktisch. Sie sollen den letzten Joe Sixpack, der in der ganzen, oft jahrelangen Niedergangsphase eisern an seinen Aktienbeständen festgehalten hatte, am bitteren Ende in die (auch geistige) Kapitulation treiben. Goldman nimmt den Armseligen dann im Eigenhandel gern und willig die Bestände zu Tiefstkursen ab und hält sich dann oft über Jahre bis zum nächsten ATH, wo ironischerweise dieselben Joe Sixpacks, kirregemacht von verlogenen "DOW 36.000"-Prophezeiungen der hauseigener Muppetmelker-"Analysten", den Goldmännern ERNEUT den dann komplett überteuerten Mist abkaufen.
Genau dies schoss mir durch den Kopf, als ich gestern den obigen Goldman-Satz las, es sei noch längst nicht zu spät, den Euro zu verkaufen.
Was nach der EZB-Session tatsächlich folgte, war eine der größten Aufwärtsbewegungen des Euros in seiner kurzen Geschichte - ein fulminanter Fünf-Cent-Sprung (intraday), wie es ihn zuvor bislang nur einmal gegeben hatte, nämlich als die Fed QE1 einführte.
Was mal wieder die Frage aufwirft: Hat Goldman SELBST an den oben veröffentlichten Marketwatch-Mist geglaubt? Oder wurden mal wieder
die "Muppets" (= eigene Kunden plus "Straße") verballhornt?
Bei der forensischen Analyse drängt sich zunächst kontraintuitive Hausfrauen-Logik auf, wie sie auch hier im BT kursierte: Wenn die Fed die Zinsen nach sieben Jahren erstmals erhöht und die EZB stattdessen "obertäubisch" die Einlagezinsen weiter in den negativen Bereich treibt und QE ausweitet, dann wäre der Euro quasi zum Abschuss freigegegen. Goldman kolportiert vor diesem Hintergrund seit Wochen ein Kursziel für EUR/USD von 0,80. Das wäre eine neues Rekordtief - nach dem bisherigen Allzeittief im Jahr 2000 bei 0,825.
Ökonomisch freilich würde den Amis EUR/USD 0,80 - trotz ihrer vermeintlichen "Politik des starken Dollars" - überhaupt nicht in den Kram passen. Sie wären dann nämlich einem globalen Umfeld, in dem jede Zentralbank der Welt auf Kosten der anderen "Exportvorteile" sucht, der finale Kotzbeutelhalter. Schon bei jetzigen EUR/USD-Kursen unter 1,10 sind die "Exportgewinne" international operierendern SP-500-Konzerne deutlich gesunken (es gab in der laufenden Berichtssaison etliche währungsbedingte Enttäuschungen).
Bei 0,80 wäre für Coca Cola, McDonald's, Colgate und Co. endgültig "tote Hose". Übrigens ganz ähnlich, wie umgekehrt bei europäischen Konzernen wie Airbus bei EUR/USD-Kursen um 1,60 (in 2008) Weltuntergangs-Stimmung herrschte. Airbus beschloss sogar, auch in USA zu produzieren, um dem alle Gewinne verzehrenden damaligen "Der-Dollar wird-wertlos"-Niedergang zu entkommen.
Ich halte es vor diesem Hintergrund für nicht unwahrscheinlich, dass Draghi nicht nur vom EZB-Rat zurückgepfiffen wurde (# 895), sondern auch von der Fed (bzw. von Goldman als oberstem Lenker/Denker der "US-Finanzgeschicke"). Die Fed will und muss mindestens einen Mini-Schritt von 0,25 % im Dez. vollführen, um glaubwürdig zu bleiben. Da "darf" Draghi nicht gleichzeitig sämtliche Schleusen sperrangelweit öffnen.
Was uns zu obiger Gretchenfrage zurückbringt: Wollte Goldman mit "es ist noch längst nicht zu spät, Euro zu verkaufen" mal wieder die Muppets schröpfen (also intern auf long Euro wetten) oder glaubten die Goldmänner selber ihrem in Marketwatch publizierten Schmarren?
Zur Erhellung folgendes Stück von ZH, wonach sich Goldman-Insider und FX-Experte Robin Brooks bezüglich des Euro und der EZB-Politik "deutlich geirrt" haben soll. Brooks hatte "nach Draghi" einen 3-Cents-Move nach unten prognostiziert, es kam jedoch ein 5-Cent-Move nach oben. Wenn Goldmans Eigenhandel den Empfehlungen Brooks gefolgt wäre (großer Konjunktiv),
hätte Goldman diesmal auch selber Federn gelassen.
Weitaus wahrscheinlicher ist mMn, dass Brooks als der übliche Muppets-Crusher (Sell-Sider) in Erscheinung trat und Goldman intern long Euro war. Und das war auch mit Draghi alles "klar so abgesprochen" ;-)
www.zerohedge.com/news/2015-12-03/...-speaks-we-badly-misread-meeting
A Crushed Goldman FX Strategist Speaks: "We Badly Misread This Meeting"
Of all the mea culpas by the sellside penguin crew, the one post ECB mortem we were expecting above all, was that of Goldman FX strategist Robin Brooks who infamous, perhaps legendarily, opined just yesterday that "it remains the case that downside skew in EUR/$ is modest compared to the run-up to the Jan. 22 meeting. In short, we think risk-reward to short EUR/$ into tomorrow’s meeting remains compelling and we anticipate a 2-3 big figure drop on the day."
Well, Goldman was right about the 2-3 figure move... only it wasn't a drop. Actually make that 4-5 figure move in the wrong direction, in fact the biggest surge in the EUR since the announcement of the Fed's QE1!
So after waiting for a few hours, we were delighted to see that Robin is still ok, and sharing more muppet-crushing wisdom. Here is Goldman's just released note on the ECB's "shocker" [unten kursiv] titled "Dry powder, lost credibility." It is unclear just who lost credibility however.
From Goldman's Robin Brooks:
We badly misread this meeting.
Given the mixed messages from the ECB over QE, starting with the Bund sell-off in May, we had thought there were bigger stakes at play than the usual considerations around growth and inflation. Indeed, we expected President Draghi to deliver a forceful message [LOL, A.L., Draghi ist ein Goldman, und zur Ganovenehre zählt, die eigenen Kumpel NICHT zu überraschen!] , in part to fix some of the damage wrought over the summer. But today badly wrong-footed us [LOL 2] and, in our view, further damaged the credibility of ECB QE.
....The bigger disappointment came in the press conference, when a smaller-than-expected extension of QE, upward revisions to growth, and a stand-offish message on further deposit cuts took EUR/$ near 1.09.
Our impression from the press conference was that this message was deliberate, so that the Governing Council seems far less willing to ease aggressively than we had expected [Weidmann vom EZB-Rat war schon immer gegen QE!]....
The big question today raises is whether the ECB is serious about QE....
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FAZIT A.L.: Eine Goldman-Krähe (Draghi) hackt einer anderen (Goldman-Eigenhandel) kein Auge aus. Die kontrainituive Bärenwarnung bei Marketwatch (oben) war valide.