Fast 90% der Gesellschaften im S&P 500 haben inzwischen ihren Abschluss zum dritten Quartal publiziert. Gemäss dem Datendienst Bloomberg ist der Gewinn der fünfhundert grössten US-Konzerne gegenüber der Vorjahresperiode rund 3% geschrumpft. Das ist die grösste Abnahme seit 2009, als die Wirtschaft noch in der Krise steckte. Es ist zudem bereits das zweite Quartal in Folge mit abnehmenden Ergebnissen – eine Entwicklung, die auch als Gewinnrezession bezeichnet wird.
In Europa haben derzeit gut 80% der Unternehmen ihre Resultate präsentiert. Und das Bild ist auch hier nicht gerade erfreulich, wenn man die summierten Gewinne des dritten Quartals anschaut und mit der gleichen Periode des Vorjahres vergleicht. Gemäss Zahlen der Deutschen Bank liegen die Überschüsse der europäischen Gesellschaften ganze 43% tiefer als im Vorjahr. Einen derartigen Absturz gab es seit dem vierten Quartal 2011 nicht mehr. Absolut gesehen wurden also nicht mehr Gewinne von rund 80 Mrd. € verbucht, sondern nur noch etwas über 45 Mrd. €.
Unter diesem Aspekt erscheint das gebetsmühlenartig vernommene Jahresendrally-Gebrabbel merkwürdig sinnfrei.
Denn es gibt wenig Hoffnung auf eine rasche Besserung der Lage, wenn man auf den implodierenden internationale Handel schaut: Der Baltic Dry Index dümpelt in rekordverdächtigen Tiefen. Die aktuell aus China publizierten Wachstumsraten so wie auch die Oktober-Handelsdaten waren enttäuschend und haben die Sorgen vor einer schärferen Abkühlung der chinesischen Wirtschaft geschürt. In den USA werden ungeachtet der "verdächtig starken" Arbeitsmarktdaten im Oktober massiv Stellen in der verarbeitenden Industrie abgebaut und die Industrie in der Eurozone hat ihre Produktion im September deutlicher gedrosselt als erwartet wurde. Verschiedene Indikatoren für das weltweite Frachtvolumen und die Transportkosten bestätigen den allgemein trüben Eindruck.
Hierzu ein aufschlussreiches Zitat vom CEO des weltgrößten Frachtschifffahrtsunternehmen Moeller-Maersk (streichen aktuell 4000 Arbeitsplätze), Nils Smedegaard Andersen, der in einem Bloomberg-Interview am letzten Wochenende die Aussichten für das weltweite Wirtschaftswachstum recht pessimistisch beurteilt:
"We believe that global growth is slowing down," he said in a phone interview. "Trade is currently significantly weaker than it normally would be under the growth forecasts we see...
"We conduct a string of our own macro-economic forecasts and we see less growth — particularly in developing nations, but perhaps also in Europe — than other people expect in 2015," Andersen said. Also for 2016, "we're a little bit more pessimistic than most forecasters."
Weiterführende Links
"Global GDP Worse Than Official Forecasts Show, Maersk Says"
www.bloomberg.com/news/articles/2015-11-08/...-maersk-ceo-says
Europa-Gewinne schrumpfen um 40%.
www.fuw.ch/article/der-chart-des-tages-677/
"Die Entwicklung der saisonbereinigten Beschäftigtenzahlen im Verarbeitenden Gewerbe im Verhältnis zur Gesamtbeschäftigung außerhalb der Landwirtschaft in Prozent von Januar 1939 bis Oktober 2015 im Chart. Im Oktober 2015 wurde ein neues Tief generiert mit einem Anteil von nur 8,6%!!"
www.querschuesse.de/usa-arbeitsmarktbericht-oktober-2015/
"Erneut schwache Handelsdaten aus China"
www.fuw.ch/article/erneut-schwache-handelsdaten-aus-china/
"Marginal Productivity Of Chinese Debt Goes From Bad To Much Worse"
think-beyondtheobvious.com/...ebt-goes-from-bad-to-much-worse/
Bubbles are normal and non-bubble times are depressions!